Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1904)
- Date
- 1904-07-14
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1193 seiner Meisterschaft in der Komposition legte. Es soll hier nicht die allgemeine LcLensgeschichte Meyerbeers. die anderwärts oft und ausführlich geschildert wurde, wiedergegeben werden, sondern nur jene Momente seien besprochen. welche seineBeziebungen zu Darmstadt betreffen. Dieselben find wenig bekannt, in den meisten Biographien Meyerbeers wenig oder gar nicht erwähnt, und durften somit einiges Interesse beanspruchen. Obgleich in Folge der Geschmacksrichtung der ledten Jahrzehnte Meyerbeers Werke durch die Schöpfungen Richard Wagners theilweise zuruckgedrangt wurden, ja von manchen zu den unmodernen gezählt werden, so biesse es doch, stch gegen Wahrheit und Gerechtigkeit schwer versündigen, wenn man die glänzende Leistung und das gewaltige Genie Meyerbeers verkennen wollte. Es ist bekannt, dass Richard Wagner Meyerbeer besonders in seiner Schrift „Das Judentbum in der Musik" treffen wollte. Gerade aber dieser Vorwurf gereicht dem gewaltigen Tonmeister zur Ehre. „Es ist wahr." sagt Kobut.*) „Meyerbeer war und blieb Jude und bat es nicht für nöihiq befunden, gleich zahllosen anderen berühmten Tonkunstlern de? isr. Stammes, den angeblichen Makel seiner Geburt durch Taufwasser zu tilgen, auch soll es nicht in Abrede gestellt werden, dass er. ein trefflicher Kenner der alten Musik. die altjüdischen Melodien in seinen EomPositionen stier und da benutzt hat. aber trotz alledem ist der Vorwurf Waaners ein durchaus frivole-. Meverbeer batte eben die Eiaenthümlichkeit. das Gute und Schöne in der Musik überall zu nehmen, wo er es fand. Man nennt dies gewöhnlich in der parlamentarischen Sprache der gebildeten Eurormer „Anlebnuna". und aar mancher geistreich schaffende Tonlünstler ist direkt oder indirekt von dem Vorwurf einer solchen Anlehnung nicht ganz freizusprechen. Solche Melodieen, besonders, wenn man an ste noch aus der Jugendzeit aewobnt ist. schleichen stch unwillkürlich in <aerz und Seele und dadurch in die Partitur. Hat denn nicht auch Wagner in seinen Opern, wie z. B. in ..Rienzi" und anderen, seine Vorgänger in ausgiebiger Weise benutzt?" Wohl aber soll rühmend bemerkt werden, dass in vielen Eomposttionen. namentlich in denen der Psalmen. „Meyerbeer stch als Sohn Israels bewährt, denn dieselben sind mit der vollen Gluth und Innigkeit wahren Gottcsglaubens geschrieben." Auch hat Meyerbeer schon in Darmstadt unter Voglers Anleitung mitVorliebe biblische und religiöse Stoffe, wie z. B. die Oper „Ievhtas Tochter", sowie die Eantate „Gott und Natur" mit gro- •) .Berühmte jüd. Mamier^und Stauen." hem Erfolge componirt. .Dennoch aber verleugnet sich die Herkunft und Schule des Tondichters nicht. So ist?. B. die von Rambant im ersten Akt von „Robert der Teufel" gesungen C-dur Romanze so uri rutsch. dass man sie ebensogut ihm. als seinem grossen Mitschüler und freund C. M. *>. Weber zuschreiben konnte. Haucht uns doch aus ihr. wie aus ähnlichen Weisen Webers, besonders im „Freischütz" frische deutsche. Waldluft an. deren Wesen man überdies in der treuherzigen deutschen Melodie dieses Stückes mit seiner dustiaen Hörnerbealeitung und seinem charakteristischen Rhythmus zn fühlen glaubt." Nun zuderDarmstadterPeriode deS Tonkünstlers. Giacomo Meyerbeer (eigentlich: Jacob Meyer Beer) wurde als der Sohn des reichen israelitischen Bankiers Jacob Herz Beer am 5. Sevtember 1791 in Berlin aeborcn. Wie dir meisten Bühnen, denen Meverbeers Odern Geld und Ehre einaebracht hat. gab dieser Tag im Jahre 1891 dem Höftbeater in Darmstadt Geleaenheit. seinen 100-iäbriqen Geburtstag durch eine Aufführuna von ^Robert der Teufel" festlich zu begehen, Für Darmstadt war diese Feier eine Ebrenpfickt und von besonderer Bedeutung. Lassen wir nun dem Chronisten der Darmstädler Hofbühne. Knispel, das Mort: ..Nicht nur. dass Meyerbeer? Opern, vornehmlich unter dem Grossherzoa Ludwig III. an unserem Hoftheater in einer Vollendung und Vracht in Scene gingen, wie wobl kaum an einer zweiten deutschen Vübne — Vrovbet". ..Nordstern". .Afrikanerin" sind Ereignisse in der Darmstadter Tbeatergeschichte — Meyerbeer stebt au ch in anderer Hinsicht unserer Vaterstadt nabe. War doch Darmstadt der Ort. an dem er unter Leituna des berühmten Tonqelehrten Abt Vogler mit unermüdlicher Schaffenslust weiterbaute ans der Grundlage, welche er b-reits in Berlin von Lauska «"b Bernhard Anselm Weber, seinen ersten Lehrern in der Mnstk erhalten hatte. Von ersterein im Klaviersviel, von letzterem in der Eomposition unterrichtet, folgte ibm der Ruf eines eminenten musikalischen Talents schon hierher. Bei Abt Doaler studirte er weiter. Seine Mitschüler waren Earl Maria von Weber und Gäusbacher. In der Bioaravhie über seinen Vater erwähnt Mar Maria von Weber, der Sobn Earl Marias mehrmals den iungen Meverbeer. Alles ist von hohem Interesse, was diele Schritt von ibm sagt, doch können hier nur einige Auszsioe folgen: Meverbeer war beiVoaler zum Zwecke desUnterrichts und bildete die Freude seine) Meisters durch seinen Eiker, seine rastlose Thatiakeit und seine nnglaubkiche Auffassungsgabe. Noch