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Der Israelit · 1904-07-14 · Heft 56 (14.7.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 56 (14.7.1904)
Date
1904-07-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1192 aus den'30er Zähren schildert eine Opernprobe unter Ludwig I., d',r er beiwohnen durfte, in folgenden Worten: „Unb so hörte ich denn unter der Ober- Direktion des alten kunstbegeisterten Großherzogs und der Unterleitung zweier Kapellmeister, bon denen der eine die Instrumental- und der andere die Vokalmusik dirigirte, den .Wasserträgervon Cherubini. Das Orchester war wohl gegen 80 Mann stark. Ein Flug des Spiels, eine Präzision, eine Delikatesse im Ausdruck, ein Feuer, genug eine Virtuosität ohne Gleichen! Und da den fürstlichen, vom Alter gebückten Greis zu sehen, der jedem Kapellmeister an musikalischem Gehör gleichkam, wie er mit jugendlichem Feuer in der edlen Kunst lebend und webend bemüht war, auch die kleinste Unvollkommenheit durch wiederholtes Ueben zu beseitigen! — O, es hatte ein seltenes Interesse! .Die Bässe stärker!- — .Die erste Geige die Triole schärfer angeben!- — .Nicht retardirt!" — .Allmähliches Anschwellen bei dem crescendo!" — .Die erste Note muß stets die schwächste und die letzte die stärkste sein!" — .Haben Sie hier zwei d?" —- So tönte die Stimme des erhabenen Kunstfreundes beständig ermunternd, belehrend, tadelnd, lobend und zu erneutem Streben begeisternd! Von dem hohen Kunstsinn des verdienstvollen Fürsten zeugt ferner die Berufung des weltberühmten Abts und Gehet m - raths Vogler an seinen Hof. Dieser Heros der Tonkunst, der Lehrer eines Meyerbeer und Carl Maria v. Weber, welcher von 1807—1 814 in Darmstadt weilte, war der hervorragendste Orgelspieler undTongelehrte seiner Zeit.*) Sein Ruhm gründete sich nicht nur auf seine Tonschöpfungen. sondern auch auf die souveräne Beherrschung der Com positionslehre. Auf diesem Gebiete machte er.Schult, deren Ruf weit über Hessens Gauen drang, daß sogar aus den fernsten Ländern kunstbegeisterte Jünglinge nach Darmstadt zogen, und hier die größten Meister der Tonkunst den Grund zu ihrer Ausbildung legten. Vogler's musikalische Werke finden sich in allen musikalischen Künstler- und Conversationslexikons aufgeführt. Ludwig l. hatte dem berühmten Coinponisten, ohne ihm ein eigentliches Amt zu übertragen, nur um denselben an seinen Hof zu fesseln, den Charakter eines Geistlichen Geheimen Raths verliehen und seine Stelle mit 2200 Gulden Gehalt, freiem Mittag- und Abendessen aus der Hofküche, freiem Holz und täglich vier Wachslichtern dotirt. *) In eritcrfc HinNlüt berichtet der Thronist (TbomoS. die Groschrrjogl. Hofkaprlle unter Ludwig l.): .Wenn er diesem Niesenlnstrument die tiefsten Nlängr des SarmerZes und Tiubels entlockte, dann lauschte olles voll ticiner Leiviuldernna. und er selbst ivnr öfters von seinem eigenen «viel so ergriffen, daß es ihm Tbräneu auSprebtk. die er sich verstohlen von den Augen wischte." Vogler, geboren am 15. Juni 1749 in Würzburg, Innerer Graben Nr. 9 (woselbst sich eine Gedenktafel befindet), war 1804 nach Darmstadt gekommen, und war am Großherzoglichen Hofe der tägliche Tafelgast Ludwigs 1., wo er sich sehr behaglich fühlte und .sich besonders den Burgunder auf das reichlichste munden ließ-. Seine Erscheinung war eine sehr auffallende. Von Gestalt war er klein und korpulent, mit langen Armen und Fingern, die so groß waren, daß er beinahe zwei Oktaven in ihrer vollen Ausdehnung damit umspannen konnte. Seine Kleidung bestand aus einem kurzen, weitschötzigen, schwarzen Frack, schwarzatlaßnen Beinkleidern, rothen Strümpfen und Schuhen mit goldnen Schnallen. Ludwig I. hatte ihm das Großkreuz des Ludwigsordens verliehen, dessen Stern er doppelt, den einen vorn auf der linken Brust, den anderen hinten auf der rechten Oberseite des Rückens trug, lvo er an seinem schwarzseidenen Abbömäntelchen (Vogler hatte Theologie studirt, daher auch der Titel Abt Vogler), das ihm bis an die Kniekehlen reichte, angeheftet war. Nie ist nach ihm eine Erscheinung in Darin stadt gewesen, die in jeder Beziehung ein gleiches Aufsehen wie Abt Vogler erregt hätte. Von seinen Opern, ist namentlich das große Musikwerk „Samori" berühmt. dessen Darstellung er selbst vorbereitet hatte, und dessen Aufführung am 30. Juni 1811 er persönlich mit außerordentlichem Beifall leitete. Vogler starb in Darmstadt am 6. Mai 1814. Sein Grab befindet sich auf den; früheren Friedhof, in der Nähe der Stadtkopelle (jetzigem Kapellplatz). woselbst ihm sein fürstlicher Gönner ein Denkmal errichten ließ. Am 15. Juni 1890 wurde ihm auf dem Mathildenplatze, wo der Tongelehrte einst gewohnt hatte, ein neues Denkmal errichtet und in Gegenwart des Großherzogs Ludwig kV., enthüllt. Die Geschichte des Denkmals ist bezeichnend für die hohe Bedeutung des Künstlers in der Musikgeschichte. Die Anregung zu dem neuen Denkmal ging von dem berühmten „Kölner Mannergesangvereinaus, welcher vier Mal nach Darmstadt gekommen war. um hier Concerte zu veranstalten, aus deren Ertrag jenes Denkmal errichtet wurde (1867, 6S, SO u. 85). Letzteres, von dem Dresdener Bildhauer. Robert Henze, geschaffen, besteht in einer Büste des Abts Vogler auf hohem Postament, während zwei Seiten des Postaments die Reliefbilder der beiden talentvollsten Schäler des Tongelehrten, C. Maria von Weber und G. Meyerbeer aufweisen. V. MegerSeev in Darrnftadt. Eng mit der erfolgreichen Thatigkeit Voglers in Darmstadt ist die Persönlichkeit des berühmten Componisten Giacomo Meyerbeer verknüpft, welcher in Darmstadt als Schüler Voglers den Grundstein zu

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