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Der Israelit · 1904-07-14 · Heft 56 (14.7.1904) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 56 (14.7.1904)
Date
1904-07-14
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1194 halb Knabe, war er damals schon einer der ersten Partiturspieler, die es je gegeben bat: seine Fertigkeit alsPianist wurde ihn befähigt haben, erfolgreiche Kunst reisen alsVirtuose zu.unternehmen, wenn ihn seinReichthum nicht über diese bittere Noth - wendigkeit hinausgehoben hätte. Der knabenhafte, junge Künstler, von unscheinbarem Ae »Heren, aber ungemein liebenswürdiger, freundlicher, geselliger Umgangsform, schloß sich rasch an die älteren, von Mannheim heriibergekommenen, etwas lärmenden, lustigen Halbmeister an (es sind damit C. M. v. Weber. Gottfried Weber und Durst gemeint). Die Wettkämpfe, die zwischen den beiden genialsten Köpfen und Klavierspielern der Gesellschaft, C. M. v. Weber und Meyerbeer inDarmstadt v e ran stallet wurden, erregten die größte Bewunderung. Meist war es ein beliebiges Thema, das eine Dame gab, und es galt, auf zwei Pianosorten darüber zu phantasiren, und zwar unter den neckischsten Bestimmungen, z. B. unerwartete? Abbrechen des Einen und augenblickliches Fortfahren des Andern. Verbinden gewisser, sehr gebräuchlicher Uebergänge und Formen. Einflechten der heterogensten Themata u. s. w. Unter Voglers Leitung componirte der junge Meyerbeer eine Cantate „Gott und Natur" und die Oper „Jephtas Tochter". Für erstere erhielt er von» Großherzvg Ludwig l. den Titel eines Hofcomponisten. Auch eine weitere kleine Composition, die er während seines Darmstadter Aufenthaltes und zwar im Verein mit Weber und Gäusbacher zur Feier des 61-jährigen Geburtstages des verehrten Meisters Abt Vogler schrieb, sei erwähnt. Sie wurde, wie der Biograph sagt, an Wärme und tiefer, einfacher Innigkeit kaum jemals von einer seiner späteren Comvositionen übertroffen. Wir können von der an Triumphen reichen, weiteren künstlerischen Entwicklung Meyerbeers absehen und wollen auch hier nur die Beziehungen seines immensen produktiven Schaffens zu Darmstadt und dessen Bühne schildern. Kaum ein Componist des 19. Jahrhunderts war so erfindungsreich an musikalischen Ideen und so fruchtbar an schöpferischer Thätiakeit als Meyerbeer. Namentlich als derselbe in Paris mit dem Dichter Scribe in Verbindung trat, fand er das seinem Talent entsprechende Terrain, von wo aus sein Ruhm, durch Werke wie „Robert der Teufel". „Hugenotten". .Nordstern". „Prophet". „Dinorah". ..Afrikanerin" gekrönt, sich bald über den ganzen Erdkreis verbreitete. Letztere Oper war auch sein Schwanengesang, bei deren Vorbereitung zur Aufführung er am 2. Mat 1864 plötzlich starb. In Darmstadt wurden seine sammtlichen berühmten Werke stets mit hervorragendem Erfolg gegeben. Als Beweis für Meyerbeers Volksthumlichkeit an den deutschen Bühnen und speziell am Därmst ä d t e r Hoftheater sind folgende Aufzeichnungen Knispels in seinem Werke „Bunte Bilder aus dem Kunst- und Theaterleben" von hohem Interesse: „Im ganzen beziffert sich die Zahl der Meyerbeer-Ausführungen bis zum Jahre 1899 (von der ersten Aufführung des „Robert" i. I. 1835) auf 391. Wie an den meisten Bühnen wurden auch hier „Die Hugenotten" am häufigsten gegeben. Ihre 100. Aufführung war nach dem Theaterzettel in Darmstadt am 12. Januar 1879. Dieses große Werk, in welchem sich Poesie, Musik und Malerei erfolgreich vereinigen, erzielte schon bei seiner ersten Aufführung in Paris, im Februar 1836, einen tiefgewaltigen Eindruck. Heinrich Heine schrieb über Meyerbeer für die „Augsburger Allgem. Zeitung" in heller Begeisterung:*) „Er ist wohl der größte, jetzt lebende Contrapunktist, der größte Künstler in der Musik. Er tritt diesmal mit ganz neuen Formschöpfungen hervor, er schafft neue Formen im Reiche der Töne, und auch neue Melodiken gibt er. ganz außerordentliche. aber nicht in anarchischer Fülle, sondern wo er will und wann er will, an der Stelle, wo sie nöthig sind. Von diesem Manne gilt wahrlich das orientalische Gleichniß von der Kerze, die, während sie anderen leuchtet, sich selbst verzehrt." Geradezu großartig war inDarmstadt der Erfolg bei Meyerbeers letztem Werke „Die Afrikanerin". Hören wir darüber den Hoftheater-Chronisten: „Am 19. November 1865 hielt diese Oper auf unserem Hoftheater ihren Einzug und erwies sich als ein Kassenmagnet. Im Laufe der Saison 20 Mal wiederholt, war das Theater trotz der erhöhten Eintrittspreise stets überfüllt. Die Begeisterung und der Jubel des Publikums stiegen mit jeder Vorstellung und kannten keine Grenzen. Namentlich ragte die Aufführung der „Afrikanerin" in Darmstadt durch ihre prachtvolle Einrichtung weit über alle Theater der ganzen Welt hervor, denn in derselben erwies sich der berühmte Darmstadter Maschinenmeister Carl Brandt — (dessen eminent schöpferische Kraft selbst Richard Wagner bei seiner Anwesenheit in Darmstadt nicht genug rühmen konnte, und dessen Schüler, wie Lautenschläger - München, Kranich-Dresden und Bayreuth die Einrichtungen der ersten Buhnen der Welt leiten) — nicht allein als der bedeutendste und genialste Maschinenkünstler Deutsch- *1 Kohut. »Derühmte^jüd. Männer «..Trauen."

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