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Der Israelit · 1904-07-14 · Heft 56 (14.7.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 56 (14.7.1904)
Date
1904-07-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1180 « sich fast gänzlich gewidmet hatte. Er arbeitete Tag und Nacht ohne mit seiner Gesundheit zu rechnen, bis seine Kräfte ganz aufgezehrt waren. Das Judenthum wird ihm anch stets ein treues Andenken bewahren, uns allen wird es aber zum Trost gereichen, daß das Wert, dem Julius Plotke sein Leben geopfert hatte, weiter leben und stets neue Männer zur frischen Arbeit an feuern werde. England. London, jo. Juli. (Das Fremdengesetz.) Die Fremdenbill von der Regierung selbst zurückgezogen worden. Das Schicksal des Gesetzes hat gezeigt. wie unendlich schwer in England die Einführung gewisser Mastregeln ist, die auf dem Kontinente Europas längst eristiren und als selbstverständlich gelten. Trotz des zeitweiligen Mißerfolges aber wird die Agitation für eine Fremdenpolizei in England fortgesetzt werden. bis das Parlament wieder einmal sein gesetzgeberisches Talent daran versucht. Die antisemitischen .Klagerufe aus dem Ostende von London werden sich immer wieder vernehmbar machen und ein Fremdengesetz fordern, llebrigens. gerechtcrweise muß man gesteben. dast der nächtliche Zustand der Straßen, auch des Wcstends. die allabendlich sich mit dem Auswurfe der Pariser und Berliner Prostitution füllen, und der übergroße Prozentsatz ausländischer Verbrecher in den Polizeigerichten eine Abhilfe thatsächlich nöthig machen. Amerika. St. LouiS. Mit dem Sonntags - Gottesdienst scheint es selbst in den „vorgeschrittensten" Ländern nicht recht vorwärts gehen zu wollen. So hat Dr. Harrison dahier seine Einführung vergeblich versucht. Er. der angesehenste und beliebteste Kanzelredner von St. Louis, beklagt sich über den schlechten Besuch am Sonntag. Er schreibt selbst, 90 Prozent der Anwesenden seien noch dazu Christen oder wenigstens keine Juden. Er sagt, äußerst entmuthigt und offenbar bitter enttäuscht, in einem Rundschreiben an die Mitglieder seiner Gen«einde: „Wenn Sie am jüdischen Sabbat nicht beten können, so kommen Sie am Sonntag mit Ihrer Familie. danken Sie Gott und ehren Sie Ihre Religion." Selbst die überzeugtesten Gegner des Sonntagsgottesdienstes sind überrascht, daß es so viele Leute gibt, die in dem Sonntagsgottesdienste keine Ehrung der jüdischen Religion erblicken. Sie sind jetzt überzeugt. daß seine Einführung für lange Zeit praktisch ausgeschlossen ist. da selbst Dr. Harrison damit einen entschiedenen Mißerfolg erlebt hat. Keuilleto«. Hine vereitelte Mochzeil. von M. Waynev. i9 ix. Als am anderen Tag Hirsch Pappenheim zur verabredeten Zeit durch die Weinberge hinauf zum Wächterhäuschen schritt, sah er schon von Ferne, daß ihn Graf Ignatius bereits dort erwartete. „Sie haben mich furchtbar erschreckt. Herr Graf," begann Pappenheim nach der ersten Begrüßung, „als ich Sie beim Aufstieg hier oben erblickte. Sie schauten durch die kleine Luke, wodurch ich nur Ihr Gesicht sah, aber nichts von Ihrem Körper sonst. Dieses Gesicht ist genau dasjenige Ihrer Mutter. Ich glaubte, sie müsse es selber sein, wie sie als Mädchen aussah. Diese Achnlichkeit hat mich mächtig ergriffen, denn ich habe sie noch nie so empfunden als gerade jetzt." „Aber da Sie auch meinen Großvater so gut gekannt haben." bemerkte der Jüngling, „so würde es mich im Augenblick noch mehr interessiren von Ihnen zu hören, wie e r ausgesehen hat. Trug er nicht einen langen, weißen, bis auf die Brust herabwallenden Bart und kurz geschorenes Haupthaar, von dem nur die beiden Schläfenlocken lang herabhingen, wie man es häufig bei Juden sieht? War er nicht in einen langen, wcißseidenen Kaftan gehüllt und hatte das Haupt mit einer feinen Zobelmützc bedeckt?" „So sah er aus." erwiderte erregt der Greis, „wenigstens an Sabbaten und Feiertagen. Ich habe nicht zum zweiten Male eine so stattliche Erscheinung gesehen. Auch ist es mir sonst noch nicht vorgekommen, daß Jemand, wie er. ganz weiß gekleidet war. Er that es wegen der Heiligkeit des Sabbat. Nach unserem Gesetz ist es verboten. Staub. Sand u. dgl., der sich leicht an Kleidern setzt und bei dunkler Bekleidung besonders in die Augen fällt, am Sabbat zu entfernen. Deßhalb trug er weiße Kleidung. Wenn er damit über die Straße ging, schaute ihm jedermann nach. Gewiß hat Ihnen Ihr Pflegevater davon erzählt?" „Niemals." entgegnete der Gefragte. „Seit vielen Jahren sehe ich dieses Bild in meinen Träumen; ich könnte seine Züge abmalen, so genau kenne ich sie. Noch nie hat aber dieser Mann im Traum ein Wort mit mir gesprochen, bis auf vergangene Nacht. Da rief er mir zu: „Josef! Josef!" Ich trat vor ihn hin. er legte segnend die Hände auf mein Haupt und sprach 'dabei einige Worte, in einer fremden Sprache, die ich nicht verstand. Dann schwebte er in die Höhe zurück 'und rief mir aus hoher leuchtender Ferne dreimal ein

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