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Der Israelit · 1904-07-14 · Heft 56 (14.7.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 56 (14.7.1904)
Date
1904-07-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1179 Hauptverthcidiger in die Mysterien der Blutanklage eingedrungen ist. bietet einen Spiegel des großen Prozesses und seines Werdeganges. In dieser Chronik nimmt der Verfasser auch pro domo das Wort. Cr wurde nämlich seiner Zeit beschuldigt, der Prozeß habe ihm Millionen eingetragen und Millionen habe er zur Bestechung der Richter, der Zeugen etc. verwendet. Cr widerlegt die Anklage mit einigen interessanten Daten. Die jüdische „Landcskanzlei". das Zentralorgan der Kultusgemeinden Ungarns, stellte ihm als Hauptvertheidiger 33,000 Gulden für Vorarbeiten, Recherchen etc. zur Verfügung. Für Reisen im Interesse der Sache, für Nachforschungen, für Honorare an seine Mitarbeiter verausgabte er etwa 18,000 Gulden, so daß ihm noch 15,000 Gulden blieben. Dieser Betrag und das ihm nach Beendigung des Prozesses überreichte Honorar im Betrage von 20,000 Gulden waren die ganze Belohnung für die unermüdliche Arbeit eines ganzen Jahres. Der Vertheidiger Horanßly erhielt ein Honorar von 3000 Gulden. Der Rechtsanwalt Dr. B. Friedmann. der bei der Schlußverhandlung seine Stelle vertreten mußte, bekam einen gleich großen Betrag. Die Vertheidiger Alexander Funtak und Janaz Heimann, die bei der Schlußverhandlung mit Cötvös die Bertheidigung leiteten, wurden mit 19.000 Gulden honorirt. Der Vertheidiger Sz^kely verzichtete auf jedes Honorar. Die Bertheidigung beanspruchte demnach einen Aufwand von etwa 60,000 Gulden. Holland. Amsterdam. (DieReise desMinisterS von Witte.) Die Reise des Ministers von Witte nach Norderney, um mit dem deutschen Reichskanzler über einen deutsch-russischen Handelsvertrag zu unterhandeln. hat zu allerhand fantastischen Berichten Veranlassung gegeben. Cs liegt einigermaßen auf der Hand, daß dieser Besuch des Herrn von Witte in Berlin mit neuen russischen Anleiheplänen in, Beziehung steht. Der ..Figaro" kommt aber mit einem Bericht. daß französische Finanzhäufer der russischen Negierung zwei Milliarden Francs zu 3^» Prozent leihen wollen, unter der Bedingung, daß die Israeliten Rußlands mit den übrigen Unterthanen des Zarenreiches gleichaeftellt werden. Sowohl der Herr von Witte als der Minister von Plebwe waren mit diesem Vorschlag einverstanden. Die Cnischeidung des Zaren ist jedoch noch nicht bekannt. W i r theilen diesen Bericht mit (Handelsblad), so wie wir ihn finden, ohne ihm aber einigen Werth beizulegen. Daß man in den Regierungskreisen in Rußland die Nothwendigkeit einer mehr freisinnigen Politik anfänqt einzukehen. auch in der Behandlung der Juden, ist nicht unwahrscheinlich. Aber daß die russ. Reaieruna si4 zu derartigen Concessionen wollte herbeilassen wollen, um billiges Geld zu leihen, sollte so sehr unter ihrer Würde sein, daß wir diesen Bericht des „Figaro" für eine „Ente" halten. ' Frankreich. Paris. ^Generalversammlung der „I. C. A.") Am 3. Juli fand im Hause der Verwaltung der „I. C. A." die ordentliche Generalversammlung der Aktionäre dieser Gesellschaft statt. Anwesend waren: Narcis Leven. Präsident, und Franz Philippson-Brüssel. Vice Präsident des Verwaltungsrathes der „I. C. A." Ferner die Verwaltungsräthe Leonhard Cohen und Herbert G. Lusada aus London, S. Reinach-Paris, Charles L. Hallgarten-Frankfurt a. M. und Paul Ferrera-Brüssel. Endlich die Vertreter der Gemeinden Justizrath Eduard Lachmann für Berlin. Rechtsanwalt Dr. I. Blau für Frankfurt a. M. sowie Grand Nabbin Zadoc Kahn als Vertreter der Pariser Alliance. Von den höheren Würdenträgern der Gesellschaft wohnten der Generalversammlung die Direktoren Dr. Svnnenfeld und Emil Meyerson.'sowie der Sekretär Dr. C. Schwarzschild bei. Präsident Narcis Leven eröffuete die Versammlung gegen 1V/U llhr Vormittags. Der vorgelegte Jahresbericht sowie die Bilanz lür das verflossene Jahr 1903 wurden genehmigt und der Verwaltung Decharge ertheilt. Darauf ergriff Herr Charles L. H a l l g a r t e n , der mit den amerikanischen Verhältnissen ebensogut vertraut ist wie mit den deutschen das Wort, um dem kürzlich verstorbenen Richter Jsaacs aus Newyork einen warmen Nachruf zu widmen. Der Verblichene hat seine ganze freie Zeit dem Judenthum gewidmet und noch kurz vor seinem Tode eine Reise nach New-Jersey unternommen. um da die jüdische Stadt Woodbine, die ihm sehr viel zu verdanken hatte, zu besuchen. Präsident Narcis Leven schloß sich diesem Nachruf an. Richter Jsaacs besaß ein warmes Herz und glühende Liebe zum Judenthume. Cr war stets ein treuer Mitarbeiter der „I. C. A." getvesen. Cs schmerzt einen zu sehen, wie «n treuer Mitarbeiter nach dem Andern von der Bühne abberufen werden. Nebst Richter Jsaacs hat die Gesellschaft und mit ihr das gesammte Judenthum den Verlust zweier weiteren treuen Mitarbeiter zu beklagen. Ich meine die Herren Alfred Louis Cohen und Julius Plotke. Alfred Cohen war stets mit ganzem Herzen bei der Sache, der er sich einmal gewidmet hatte. Selbst . die tödtliche Krankheit, der er zum Opfer kiel, konnte . ihn nicht davon abharten, für die „I. C. A." thätig zu sein. Rechtsanwalt Julius Plotke. starb im. besten. Mannesalter, bedauert und beweint, von allen, die ihrr, - bei der Arbeit gesehen haben. Voller Gute und SaiCtmuth und großmüthig im edelsten Sinne des Wortes, war er voller Enthusiasmus für das Judenthum, dem

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