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Der Israelit · 1904-07-14 · Heft 56 (14.7.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 56 (14.7.1904)
Date
1904-07-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1177 rvas seinem Glauben, Hoffen. Thun und Schaffen Blnthe und Frucht verleihen tonnte, die Thora, war in ihren Grundfesten erschüttert worden. Da hatte sich in Israel jene Weisheit eingefunden, die ihren Besitzern Unheil und der ganzen auf Sittlichkeit und Recht gegründeten Ordnung in der Gesellschaft Vernichtung dringen mußte. Geistessruchte auf Erkenntnitzbaumen gereist, die uns zum Genüsse verboten waren, wurden seilgebot« und wir atzen von ihnen rtex bat ~i*m unc jvn und vergifteten unser öffentliches und privates Leben. Aus den wechselnden und trügerischen Zeiterscheinungen schöpften wir unsere Weisheit, die Produkte menschlichen Forschens, Ergebnisse beschränkten Mrnschengeistes, die in der Zeit entstehen und in ihr verschwinden, befriedigten unseren Drang nach Wissen und Erkennen. Anstatt ans der ewigen, untrüglichen und unversiegbaren Quelle unserer nrr zu schöpfen, schöpften wir aus zerbrechlichen uimciucu, vir rein reines Wasser uns bieten konnten. Wir wurden unselbstständig und unsicher und weil wir keine Wahrheit hatten, hatten wir statt der einen mehrere. Aus Unselbstständigkeit und weil es zu vielem diente, ging Jehudo in's Exil, klagt der Prophet. Und weil wir von den Früchten eines Baumes genossen, der uns zum Genuß verboten war, weil »vir in der Fülle des Landes uns selbst verloren, lixil wir nicht verstanden den Segen des Landes für die Zwecke Gottes fruchtbar zu machen, mußten wir. wie unser erster Ahn den Garten Eden verlassen. Und wie Gott einst den ersten Menschen nicht als den Menschen erkannte, den Er für Seine Zwecke erschaffen, und m der Klage rc*x seinem Schmerze Luft machte, so erkannte Er auch in uns nicht das Volk, das Er für Seine Zwecke erwählt, gehegt, gepflegt, denn auch wir haben uns verloren und Er in uns Seine Diener, und tiefschmerzlich klingt die Klage rc** Und wie der erste Mensch aus dem Garten vertrieben wurde, damit er in der Schule des Leides und der Arbeit seine Menschenwürde wieder finde, so wurden auch wir vertrieben aus dem Lande, damit wir in der Fremde lernen, das Volt Gottes zu werden, damit wir!m Leide erstarken. Und dieses Leid, die Klinge des sich walzenden Schlvertes, zeigt uns den Weg zu dem Baume ewigen Lebens, es führt uns zu unserer mm durch die wir allein wieder das Volk Gottes werden können. Als wir aus unserem Lande ziehen sollten, als n»r als schwache Menschen den Bund, den Gott mit uns geschloffen, gebrochen haben, da ließ uns Gott sagen cnx w *6 ihr seid nicht mein Bolkl Zn dem Golus könnet ihr es erreichen — nicht nur t i n Volk zu sein, denn das wäre verzlveifelt wenig, — sondern mein Volk z« werden. — Haben die Leiden schon diese« Erfolg gehabt? Sind wir schon zuruckgekehrt auf den Weg zu dem Baume des ewigen Lebens? Oder stehe» noch immer unsere Sünden als zürnende Cherubim vor den Pforten unseres Paradieses, unseres Landes? Wollte Gott, wir könnten mit ruhigem Herzen sagen, daß die. Leiden uns schon gebessert haben, wollte Gott, wir könnten mit ruhigem Gewissen behaupten, daß wir reif für die Erlösung sind! Wir haben auch jetzt nichts als unsere Thranen. Dunkel ist's um uns her, kein Licht erhellt diese Dunkelheit, denn was vielen von unseren Brüdern als Licht, als das beginnende Morgenlicht der Erlösung erscheint, wir wissen es, o Gott, daß es nur ein Irrlicht ist; schwarze Nacht umgibt uns und aus der Nacht dringe unser Seufzen und Weinen zu Dir, himmlischer Dater, daß es doch endlich Tag werde, daß wir, unsere Brüder, die uns nicht kennen wollen, die ganze Menschheit. die Dein Volk mißachtet, endlich Dich erkennen; damit die Pforten unseres Gartens, unseres Landes geöffnet werden und wir und die ganze Menschheit von den Früchten des ewigen Lebensbaumes genießen und Dich erkennend und verherrlichend ewig leben mögen. Zetturrgsnachrrchlen und Eorrespondenzen. Deutschland. Mainz, 13. Juli. (T r a u e r s e i e r.) Die zionistische Ortsgrupve Mainz veranstaltete gestern Abend in der „Liedertafel" eine Trauerfeier für Dr. Theodor H e rl. Herr Kantor N u ß b a u m sang ein jüdisches Trauerlied, nach dessen Beendigung Herr Dr. S ch a u e r das Wort ergriff zur Gedächtnißrede. Mit betvegien und allen Anwesenden tief zu Herzen gehenden Worten schilderte Redner das Wesen des genialen Führers der Zionisten. Insbesondere verstand er es. die nach innen und außen groß angelegte Persönlichkeit Herzl's der Versammlung lebendig vor Augen zu führen und dessen große Herzensgüte in rührender Weise zu schildern. Herr Rabbiner Dr. S a l f 11 b widmete dem Andenken des Verstorbenen gleichfalls warme Worte des Nachrufs. El mole rachamim und Kaddisch beschloß die einfache und würdige Feier. Aschaffcirbrrrg. Zn der Nacht vom Sonntag, 3. Juli, verschied hier nach kurzem Krankenlager, im Alter von 81 Jahren. Herr Joseph F e l d m a n n. Der Verblichene war ein äußerst frommer Jehudi, der es mit allen Pflichten eines solchen sehr streng nahm. Er war stets bereit, für die Interessen der Thora energisch einzutreten und scheute keine Mühe, wenn er in dieser Beziehung etwas leisten konnte. Er zählte zu den aufrichtigsten Verehrern und Anhängern unseres, seligen Rabbiners psn und bot stets gern alles auf, um ihn thatkraftig zu unterstützen bei den schweren Kämpfen, denen er im Interesse der Thora ausgesetzt war. Zu der rr& hatte sich, wie es bei dem großen Ansehen, das der Verlebte genossen, zu erwarten war.

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