Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-07-14 · Heft 56 (14.7.1904) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 56 (14.7.1904)
Date
1904-07-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450038--61017-2522053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1176 {wm cn» m nna rep emo rem nnc re» "> bv napi rrnar pp pfr wx voran prxm cn» nepn ex re rx na'» \hs 'iu^ prnbntei ptme mx 'um "er cm» vm "er bv rem owan bxe" pxb cm» voran ♦nna .nav na-x an^p vrap prnbnm perea R. Abahu leitete die Trauerklage des neunten Aw mit den Worten ein: „Und sie haben wie Menschen den Bund gebrochen." Gott sagt gleichsam: Wie ich einst den ersten Menschen in's Paradies führte, ihm einen Befehl gab. den er übertreten und durch diese Uebertretung aus dem Garten geschickt und vertrieben wurde, so habe ich auch seine Kinder in das Land Israel geführt, ihnen Befehle gegeben, die sie nicht erfüllten, so daß ich auch sie aus ihrem Lande schicken und vertreiben mußte, Und wie ich einst um Adam mit dem Wörtchen ne» klagte, so klage ich nun um seine Kinder mit demselben Worte na'»\ Wie Adam haben sie den Bund üke'treten. Wie einst der erste Mensch in den Garten Eden geführt wurde, in den Garten, in dem Alles, was des Menschen Sinne befriedigen konnte, in Hülle und Fülle da war. damit der Mensch lerne, in der Fülle sich nicht zu verlieren, über das allseitig pulsirende Leben den Sinn dieses Lebens nicht zu vergeffen. in dem beständigen Wechsel das Ewigbleibende nicht zu vergeffen, damit der Mensch erkenne, daß all diese Fülle und all diese Pracht nicht Selbstzweck sind, sondern bestimmt sind, den Menschen in seiner Aufgabe mcic’bi rrapS zu fördern, daß all der Segen der Erde nur Werth erhält, wenn er dem Menschen, der den Sinn seines Lebens und den Zweck seines Daseins in der Erfüllung der göttlichen Gebote erblickt, seine Pflicht erleichtert, daß Alles nur dazu da ist. den Willen und die Zweckt Gottes zu verwirklichen. Zu diesem Zwecke führte Gott den Menschen in den Garten und zeigte ihm all die herrlichen Bäume mit ihren köstlichen Früchten, die dazu bestimmt waren, ihn für seine Aufgabe zu starken und zu kräftigen. Und er zeigte ihm ferner einen Daum, der schöner war als alle anderen Bäume. deffen Früchte verlockender schienen und einen größeren Genuß versprachen als all die anderen Früchte und untersagte ihm den Genuß dieser Früchte, damit er lerne, daß er nicht nach dem Scheine wandten dürfe, wenn er keiner Menschenbestimmung gerecht werden wolle, daß er die Triebe seines Herzens einem höheren Willen unterordnen müsse, wenn er Mensch bleiben will, er zeigte ihm. daß die Sünde mit einem Schimmer von Schönheit ausgestattet ist. um den Menschen zu locken und zu verführen, das; aber der Mensch ihr widerstehen müsse, wenn er sein Leben leben will und nicht von der Stunde seiner Geburt an langsam dabinsterben soll. Und der Schein siegte, die Sünde triumpbirte und der Mensch verlor sich in der Fülle des Gartens, er war nicht mehr Gebieter über die Bäume, die Bäume dienten ihm nicht mehr, sondern er verschwand |an pp Pre, er war nicht mehr der Hüter des Gartens, denn er war seiner Menschenbestimmung untreu geworden und Gott fand in ihm nicht den Menschen wieder, den er in Seinem Ebenbilde erschaffen und in dem Wörtchen n3-£ „wo bist du?" liegt die erschütternde Klage Gottes, daß der Mensch sich verloren, daß Er in dem Menschen Seinen Diener verloren. Und Gott trieb den Menschen ans dem Garten, damit er in der harten Schule der Arbeit und der Leiden seine verlorene Menschenwürde wieder zurückgewinne, damit er durch das Leid gereinigt werde, daß die Arbeit ihn vor sich selbst schützen möge, damit er den Einflüsterungen seiner einmal erwachten sinnlichen Natur nicht ständig ausgesetzt sei. Und dieses Leid, „die Klinge des sich wälzenden Schwertes" hütet den Weg zum Baum des Lebens, sie führt den Menschen hin zu dem Baume des ewigen Lebens, daß er davon genieße und sich in seiner Sterblichkeit die Unsterblichkeit, in seiner Dergänglichkeit die Unvergänglichkeit, in seinem durch die Zeit beschränkten Dasein die Ewigkeit erringe. Dies war das erste Golusgeschick. das einen Menschen getroffen und in diesem ist das Golusgeschick des jüdischen Volkes vorgebildet. Und wie treu das Vorbild ist., werden wir gleich sehen. In einen Garten Eden führte Gott Sein Volk, das Er aus Egypten geführt. Das Land war ein gesegnetes Land, es floß von Milch und Honig über. Damit nun das Volk sich in der Fülle nicht verlieren möge, damit es den Zweck über das Mittel nicht vergesse, damit es keinen Augenblick sich der Täuschung hingebe, daß diese Fülle des Landes Selbstzweck ist, gab ihm Gott Seine Lehre, den Baum ewigen Lebens, mit. In dieser Lehre prägte Er den Söhnen Iißroills ein. daß sie nur zu dem einen Zwecke in das Land gekommen sind, .neyto .nnapb, daß sie dort Diener Gottes. Hüter Seiner Gesetze werden, daß die ganze Fülle, die sie dort umgeben wird, nur dazu dienen soll, die Zwecke Gottes zu verwirklichen, daß der ganze Segen nur dazu da sein soll, den göttlichen Willen zu fördern. Und ein jeder Jude sprach diesen Gedanken aus. wenn er die erste reife Frucht auf den Altar Gottes niederlegte. P** *rx v»a e Ppb» ->b cm vnm Heute, da ich die Früchte der Erde Gott weihe, heute verkünde ich. daß ich in das Land gekommen, um seinen Segen für die gottgeoffenbarten Zwecke fruchtbar zu machen, heute, da ich diese Pflickt erfülle, bin ich in das Land gekommen. so sprach jeder Jude, als er sich noch nicht selbst verloren, als er seine Bestimmung noch nicht vergessen batte. Aber dieke Erkenntniß hielt nicht lange an. sie übte nicht für lange Zeit bestimmenden Einfluß auf das Denken und auf die Handlungen der Söhne Iißroills. Die Sünde lockte und die Menschen unterlagen. Die Grundbedingung alles dessen, was Israels Leben und Wirken groß und erhaben machen sollte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.