Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 55 (11.7.1904)
- Date
- 1904-07-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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stürzten Thronen ihren Augen und laut schluchzend warf sie sich an seine Brust. „Verzeih' Otto, verzeihe!" rief sie, indem sie die Arme um seinen Hals schlang, „Du weißt, daß ich ohne Dich nicht leben könnte, aber Du mußt Nachsicht mit mir haben, denn ich liebe Dich so sehr." „Habe ich es je an Nachsicht fehlen lasten? — Aber alles hat seine Grenzen." „Nein. nein, nicht alles hat Grenzen, meine Liebe zu Dir hat keine Grenzen." Er athmete schwer auf. „Aber meine Ertragungsfähigteil hat Grenzen, und diese sind bereits erreicht, ich wiederhole, nur noch einen Schritt weiter — und wir sind getrennt, denn das. was Du mir bietest, darf sich kein Mann von Selbstachtung bieten lassen." „Aber Du verzeihst Deiner Steffi, nicht wahr?" Sie schmiegte sich an ihn und bedeckte sein Gesicht mit Hüffen. „Ich weiß es ja, Du bist kein Don Juan, im Gegentheil, Du hast Fischblut in den Adern, und so. wenig Du'mich liebst, so wenig wirst Du die Grünwald lieben. Aber dennoch kann ich's nicht sehen, wenn Du so freundlich mit ihr bist, so zärtlich besorgt für ihre Gesundheit." „Warum bist Du hereingekommen? Wenn Du drinnen geblieben wärest, hättest Du es nicht gesehen." „Ich wollte mich überzeugen, daß Du sie küssest." „Küssen? — ich, mit meinem Fischblut?" „Es ist wabr, ich habe Dir unrecht gethan; aber Du wirst sehen, von nun an werde ich vernünftiger sein. Du begleitest mich heute Abend doch in die Oper?" „Ich habe heute noch gar nichts gearbeitet. Habe ich vorher noch ein Paar Stunden Ruhe zur Arbeit, dann begleite ich Dich, sonst werde ich Dich abholen." „Nein, nein. Du mußt mich begleiten, ich werde dafür sorgen, daß Du nicht gestört wirst. Adieu, Du liebes, gutes Herzensmännchen!" Sie warf ihm eine Kußhand zu und verließ das Zimmer. Trübe sinnend blickte er ihr nach. Wie sie ihn liebte, heute noch eben so sehr, wie in den ersten Tagen ihres Brautstandes. Und er? Sie hatte ja recht, er hatte sie nie geliebt, hatte sie einzig und allein um ihres Geldes willen geheirathet. nicht weil er den Werth des Geldes über alles schätzte, sondern weil er geglaubt hatte, mit dem Verfügungsrecht über ihre Millionen Tausende und Abertausende beglücken zu können, weil er geträumt hatte, durch zu errichtende Stiftungen das Heil der Welt gründen zu können. Aber es zeigte sich sehr bald, daß sie nicht einmal die Macht besaß, ihm das alleinige Verfügungsrecht über ihr Vermögen zu übertragen und daß sie viel zu engherzig war. die Gründung der von ihm erträumten Stiftungen zu gestatten. Dennoch thaten beide viel für Arme, doch dafür hätte er sich nicht verkauft. Sein Lehramt gewährte ihm allerdings hohe Freude, seine Vorlesungen waren am meisten besucht, seine Hörer vergötterten ihn. Aber wenn er hin und wieder des Preises gedachte, den er für dieses Amt ge zahlt, dann überlies es ihn kalt, dann war ihm. als wolle das Blut in seinen Adern erstarren. (Fortsetzung folgt.) Wachen-Kalender. Mittwoch, 13. Juli. 1. Aw. SUN vnn. SretlLg. 15. Juli. 3. Aw. Sabbat-Anfang ln Mainu. Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Mia. Samstag, 10. Juli. 4, Aw. 71m 's .o'-qt. Sabbat-AuSgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr 25 Mn. - Berlin 0 Uhr 19 Min. — München 8Nhr 57 Min. — Stuttgart 9 Ubr 12 Min. — Stratzburg 9 Uhr 15 Min. — Dosen 9 Uhr 15 Min. - Stettin 9 Nhr 32 Min. — BreSlau 8 Uhr oO Min. — Nürnberg 9 Uhr 10 Min. — Wien 8 Uhr 43 Mn. — Dari« 8 Ubr 40 Min. — Prag 8 Nbr 80 Min. Der „Israeliterscheint «r5chentllch svelmal, Hontagn and Donneratags. jedesmal in mindestens Mei Doyen. Preis pro Vierteljahr bei der Post S Mmk ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt aanziahrlich. balbiahrlich oder vrertchährlich Alle Buchhandlungen nnd Postämter nehmen Bestellungen an. - Der Duchhlmdrl vrrkrhkl durch S. N. S l r r n a ck r v, Leipzig, Rastplatz )V. - Inserate 25 Pfennig die oi?rgespaltme Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclamctheil 75 Pfennig. - Dlrecte Franco,nsenduna unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen östcrr.. sür's Ausland 16Mmk an die „ , „ . c t Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Steücsuchenve und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Kreitaa erscheinende „Klei»- Mm Saat d-S Israelit vier Wochen lang qratis und franco erhalten. Wünscht mm! dm Empfang K'k.sokannmau sich für 25PfknnigedasViertestabr. indetz ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonnttm Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JuferttonSbetragS «m außer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solche». - Surcdifaal: Albersweiler. - Feuilleton: Wahrheit und TlchtunglForÜc^ung.) .Irmrnveremen und für dieselbm: Nürnberg. eÄÄS. r ISilE4"““'” ** D-Utk«-»»: Mal«. Scrlta. g?»a.^tl!ccew^.8grü<fte der Wter." - JnhaltS-Berieichnih. - Soenden-Berzeichnige. und Sktfaa der I oh. Wtrtb'fchen vofbuchdruckeret Acttea^elrllstbaft v» Mains. Hierzu vier BeMr-eu.