Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 55 (11.7.1904)
- Date
- 1904-07-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1164 Der König stieg hierauf die Stufen bis zur heiligen Lade hinan und sagte zum Oberrabbiner, daß ' er im Orient, in Jerusalem und Saloniki taum je so - schöne Stickereien gesehen habe. Der Präsident Sereno ' begleitete hierauf den König nach dem Berathungs- > zimmer, wo folgender Vers auf Hebräisch angebracht 1 war: «Jede Versammlung, die das Gute im Auge hat, > thut das Gute." Bei dem Besuche des Raumes für Besucher ward Brugnoli wiederum für seine Gemälde Lob gespendet. Der König zeichgete sich mit vollem Titel in das aufliegende Fremdenbuch ein. Auf die Frage, ob die Juden geläufig Hebräisch sprechen und es verstehen würden, antwortete der Rabbiner, daß sie das Häbrische ungefähr so gut verstanden, wie die Italiener das Lateinische. Darauf meinte der König lächelnd: ..Nun auch damit hat es seinen Haken. Das Alte ist nur da. um halb verstanden, halb unverstanden verehrt zu werden." Der Monarch erwähnte darauf seine Reise nach Jerusalem und sprach über die dort in den Synagogen empfangenen Eindrücke; im Vergleich zu jenen Synagogen mache die hiesige einen viel freundlicheren Eindruck. Hierauf entfernte sich der König unter nicht endenwollenden Hochrufen, während eine große Menge die Synagoge besichtigte. Ueber den Bau selbst werden wir später berichten. MhellMM Ms dea W. Amesnerekrll vlld fit dkfeties. (GLmmMHe jap. Wanderbettelvereine uyv Kaste« für Durchreisende find gebeten, «nS LlittheUungen über Erfahrungen, die fie auf dem Gebiete ihrer rhLtigkeit mache«, zrrkomrnen zu taffen.) Nürnberg, 3. Juli. Seit acht Tagen ist ein angeblicher Ingenieur. A. Herz aus London, hier; er wollte sich als in Fürth geboren ausgeben, bei anderen Leuten will er aus Schlesien stammen, er will große Verluste gehabt haben, besitzt einen künstlichen Fuß. zeigt ein Zeugniß vor von der Klinik, daß derselbe verbessert werden sollte und außerdem hat er einen Kostenvoranschlag von 180 Mk. für ein neues Bein. Er sagte dem betr. Fabrikant, nur einen recht hohen Preis zu stellen. Hier wurde er von den Vereinen mit 42 Mark unterstützt, er sucht jedoch auch Private auf und in den Kaffeehäusern fordert er zum Kartenspiel auf. Man hat allseitig Zweifel, ob der Betreffende nicht Schwindel treibt. Verschiedenes hat gezeigt, daß er falsche Vorspiegelungen macht. Er gibt aber auch an, er wäre in den 70er Jahren in der Redaktion Ihres wertsten Blattes gewesen, nnter dem verstorbenen Herrn Rabb. Dr. Lehmann sel.*> Er citirt den Talmud etc., aber Fachkenner bezweifeln, daß er darin erfahren sei. *) Uni nicht bekannt. Red. d. «Irr." Wenn ich durch P. R. in Ihrem Blatte angegriffen, so werde ich mich doch nicht abhallen lassen, auf betretenem Wege weiter zu arbeiten; der betr. Einsender kennt n:ein Wirken eben nicht, sonst hatte er mir gegenüber nicht so geschrieben. Es wollten verschiedene Herren eine Erwiderung senden, ich habe selbe davon abgehalten. Hochachtungsvoll Martin L e b r e ch t, zweiter Vors. d. Jsr. Hilfsvereins. Sprechsaal. Albersweiler (Pfalz), 6. Juli. Wer kann mir mittheilen, ob man im wnp die Worte K/36 an yia zusammensagt oder sie trennt, da man die beiden Lesearten hören kann und auch in Gebetbüchern findet. I. H., Lehrer. Feuilleton. Wahrheit und Wichtung. Bon Friedrich Rott. <52 Sie sprachen noch über Verschiedenes, bis Frau Müller es an der Zeit hielt, sich zu erheben. Auch Frieda war aufgestanden und reichte ihrem Vormund die Hand, indem sie ihm in wenigen, aber warmen Worten ihren Dank aussprach. Er hielt ihre Hand einige Augenblicke in der seinen und war eben im Begriff ihr noch einige ärztliche Rathschläge zu ertheilen. als die seitwärts gelegene Thür sich öffnete und Frau Professor Keßler in das Zimmer trat; der Besuch hatte ihr augenscheinlich zu lange gedauert. Der Professor, ohne die Hand des jungen Mädchens frei zu geben, wandte sich zu ihr. „Erlaube, liebe Steffi, daß ich Dir meine Mündel. Fräulein Grünwald. vorstelle und ihre künftige SchwiegekNiutter, Frau Müller" — und dann sich zu. den andern wendend. ..Frau Professor Keßler". Die hochgeborene Dame erwiderte die höfliche Verneigung der beiden Damen mit einer überaus steifen Bewegung ihres Kopfes. Dann aber, wie sich erinnernd, sprach sie lebhaft: „Fräulein Grünwald — ach, da sind ja wohl jene beiden Knaben, die vor einigen Jahren ihren eigenen Vater angezeigt haben, daß er sie habe schlachten wollen, Ihre Brüder?" Wie von einer Viper gebissen, zuckte Frieda zusammen. mit weit aufgerissenen Augen starrte sie die Herzlose an. Der Professor warf ihr einen unwilligen