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Der Israelit · 1904-07-11 · Heft 55 (11.7.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 55 (11.7.1904)
Date
1904-07-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1163 Oesterreich. Wie«. (Oesterreichischer Liberalismus.) Die „Wiener Allgem. Ztg." meldet: „An die juridische Fakultät der Wiener Universität trat die Aufgabe heran, dem Unterrichtsministerium einen Vorschlag behufs Besetzung einer der Lehrkanzeln für römisches Recht zu machen. Wäre bei der Frage, wer römisches Recht in Wien tradieren solle, nur der Nechtsstandpunkt ausschlaggebend gewesen, dann wäre die Frage, auf welchen Gelehrten sich die Stimmen der Wiener Professoren an der juridischen Fakultät vereinigen müßten, wohl rasch gelöst gewesen. Herr Professor Lenel aus Stratzburg ist unbestritten heute eine der allerersten Kapazitäten auf dem Gebiete des römischen Rechts; Herr Professor Lenel ist aber ebenso unbestritten nicht arischer Abstammung. Und so mag cs gekommen sein, daß er zwar ein Auserwählter, ober kein Berufener ward. Und in diesem Falle trat das unseres Wissens noch nicht dagewescne Errigniß ein, daß ein Mitglied, des Professoren-Kollegiums selbst das konfessionelle oder, wenn man lieber will, das Rassenmomcnt bei einer rein wissenschaftlichen Frage offen in den Vordergrund stellte. Selbstverständlich war es einem „Liberalen" Vorbehalten, diese Neuerung in unserem akademischen Leben einzusühren. Wohl ist es früher schon vorgekommen, daß im Geheimen das Motiv des Antisemitismus bei Vorschlägen des einen oder des anderen Professoren-Kollegiums ein? Rolle spielte; aber daß ein Vertreter der „voraussetzungslosen" Wissenschaft ungescheut und offen sich auf den Standpunkt der „Wiener Bewegung" stellt, in. Gegenwart aller seiner Kollegen die Nicht-Opportunität, einen Nicht-Arier vorzuschlagen, vertritt — diesen Fortschritt hat der Antisemitismus Herrn Hofrath Professor Czyhlarz zu verdanken. Herr Hofrath Czyhlarz. wie gesagt, eine Stütze des „Liberalismus", wie er bei uns so herrlich gedeiht, sah sich nämlich veranlaßt, im Professoren-Kollegium auf den Umstand aufmerksam zu machen, daß Herr Professor Lenel. dessen wissenschaftliche Bedeutung Herr Hofrath Czyhlarz nicht bestritt, jüdischer Abstammung sei. Und Herr Hofrath Czyhlarz meinte, es sei dock: sehr schwer, einen Juden für die Lehrkanzel des römischen Rechtes in Vorschlag zu bringen. Das Professoren- Kollegium aber fand dieses Argument des Herrn Hofrathes nicht stichhaltig. Mit allen gegen vier Stimmen ward Herr Professor Lenel in Vorschlag gebracht: nur die Herren Professoren Czyhlarz. Lammasch, Zallinger und Groß fanden Herrn Professor Lenel nicht für würdig, an der Wiener Universität römisches Recht zu tradiren. Die Mehrheit des Professoren-Kollegiums war offenbar noch nicht vorgeschritten genug, den abgeklärten Liberalismus des Herrn Hofrathes Czyhlarz zu begreifen. Sie verstand nicht daS Junktim, welches Herr Hofrath Czyhlarz zwischen Abstammung und wissenschaftlicher Bedeutung schuf, ebensowenig, wie eS die großen Juristen verstanden halten, deren Lehren zü interpretiren der Beruf des Herrn Hofrath Czyhlarz ist. Da erschien Se. Durchlaucht Prinz Alois Liechtenstein beim obersten Chef der Unterrichtsverwaltung, Sr. Exzellenz Herrn Dr. Härtel, um in offizieller Mission im Namen seiner Partei dagegen zu protestiren, daß eventuell die Unterrichtsverwaltung einen Gelehrten nicht arischer Abstammung an die Wiener Universität berufe, um an dieser Hochschule römisches Recht zu tradiren. Die Antwort des Ministers lautete dahin: der Straßburger Professor trage gar keine Sehnsucht, die Bekanntschaft des Wiener Antisemitismus oder des ihm gleichwerthigen Wiener Liberalismus zu machen. ' Wien, 7. Juli. Das zionistische Aktionskomitee erhielt heute ein Telegramm aus Racconigi-Reggia. worin der König von Italien sein aufrichtigstes Beileid zu dem schweren Verluste ausspricht, den. das Komitee durch den Tod feines hervorragenden Führers, des Dr. H e rl, den der König persönlich zu kennen das Vergnügen hatte, erlitten hat. Italien. Rom. (Der Köniz im israelitischen T e m p e l.) Die israelitische Gemeinde hatte Se. Majestät den König zu einem Besuche.in der neuerbauten Synagoge am Einweihungstage eingeladcn, worauf die Antwort erfolgte, daß der König die Einladung gerne annehme und am 2. ds. Mts. besuchte er. wie bereits kurz gemeldet, den Tempel. Punkt S Uhr fuhr der Monarch im. Wagen, begleitet von einer Eskadron Kürassire. vor. ynd ward von der Menge mit enthusiastischen Hochrufen empfangen. Se. Majestät ward von dem ersten Vorsteher S e r e n o begrüßt. Der König trug eine heitere Miene zur Schau und betrachtete mit großem Interesse die Architektur des Baues und die Dekoration, die. von Brugnoli und Brach! ausgeführt waren. Der Vorsteher sprach zu ihm: „Der heutige Tag wird uns ewig unvergeßlich bleiben. Wir drücken Ew. Majestät unseren unendlichen Dank aus, indem wir hierdurch auch unsere ewige Schuld dem erlauchten Hause Savoyen gegenüber bekennen." - . .• »Nicht um mir meinen Dank zu holen," antwortete der König, „bin ich hierhergekommen." ’; Hierauf vertiefte er sich in die.Betrachtung des Gebäudes und, stellte Vergleiche mit dem. ulten Ghetto an. - „Ich erinnere mich noch wenig an es,, aber ich denke noch daran." sagte er. Als ihm die Architekten- Costa und Armänns vorgestellt wurden, beglückwünschte er sie zu dem guten Gelingen ihres Werkes und zu dem auserlesenen Geschmack, den sie bei Erbauung der Synagoge bewiesen hätten. ....

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