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Der Israelit · 1904-07-11 · Heft 55 (11.7.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 55 (11.7.1904)
Date
1904-07-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1161 einer Hütte im Laufe der Jahre von selbst ein Palast werden soll. Geben wir zu, und wir können nicht anders. dast wir aus der Zweckmäßigkeit in der Welt uns einen Weltbaumeister erschließen tonnen, so haben wir auch den Weltschöpfer gefunden. Denn wäre dieser Baumeister nicht zugleich der Schöpfer, so müßte Alles so bleiben, wie Er es gefunden bat, als Er daran ging, sich Seine Welt zu bauen. Woher hätte Er die Macht, den Stoffen Gesetze der Fortentwicklung einzuhauchen, wenn Er sie nicht geschaffen hätte? Ergibt also der teleologische Beweis nach Kant einen Wellarchitekten, so ergibt er auch einen Schöpfer, denn dieser Bau ist gar nicht mit einem anderen zu vergleichen. Dieser Vau lebt gleichsam, entwickelt und verändert sich nach einem bestimmten uns unbekannten Plane krakt der Gesetze, die in den Stoffen herrschen. Herrschen aber Gesetze in den Stoffen, vermöge deren sie die Bildungen und Formen hervorbringen müssen, so können sie diese Gesetze nur von ihrem Schöpfer baben, aber nicht von dem, der sie nur nach ihrem Vorhandensein zu seinem Bau benützte. Nur dasjenige, was mon selbst erschaffen, kann man ganz nach eigenem Gutdünken benützen. Und dazu noch eins. Die Welt steht ja auck heute nicht still. Wäre Gott nur der Baumeister, so hätte Er doch diese ewige Bewegung Seinem Gebäude nicht geben können. Nur dadurch, daß k*>2 wpbrr daß Gott erschaffen, daß Er als Schöpfer thätig war. konnte Er auch Sein im4) daß Alles weiter wird, sprechen. ..Nicht nur ward Alles durch Ihn, Alles ist auch durch Ihn v'pbn 1121« Mit dem Segen der Forterhaltung und Fortentwicklung segnete Er Alles. Sein Segen jede Knospe und Blüthe, Sein Segen jeder Keim und jede Frucht, Sein Segen das Junge, das die Mutter schützt. Sein Segen der Säugling, den die Mutter drückt an die liebende Brust. Und Er. der geschaffen, gebildet, geordnet, gesegnet — unsichtbar — wie die Seele Dir im Körper — zog Er sich zurück und hüllte — wie die Seele — Sich ein in Seine Schöpfung und wirkt, erhaltend und entwickelnd, unsichtbar weiter. Sein Werk siehst du. Seine Bildungen staunst du an. Seine Gesetze erspähst du. Seines Segens freust du dich — aber Ihn. den Schöpfer. Bildner. Segner der Welt — Ihn siehst du nimmer. Darum, wenn du siehst und staunest, erspähest und dich freuest, sinke hin und bete Ihn an. den Alleinen, der schuf und bildete, ordnete und segnete, und verehre Ihn als Allmacht. Allweisheit, Allgerechtigkeit und Allliebe.'"*) (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 4. Juli. (Sitzung der Repräsentantcn der jüdischen Gemeinde.) Herr Geheimr. Blumenthal bringt eine« ministeriellen *) Hirsch. Neunzehn Briefe S. 1& Bescheid zur Kenntniß. DaS Königt. Provinzialschulkollegium hat die Aufnahme des Hebräischen in den Lehrplan mit der Begründung abgelehnt, daß der Unterricht in diesem Fache über die Ziele der Volksschule hinausgehe. (Ausführlicher Bericht in der Donnerstag erscheinenden Pädagogischen Beilage. Red.)) ES folgen Abrechnungen. Die Kosten für den Neubau oer Mädchenschule beliefen sich auf 315,500 Mk.; die Ausgaben für die fesigottesdienstlichen Veranstaltungen im Jahre 1303 waren 95,714 Mk., an Einnahmen wurden erzielt 85,753 Mk., zugeschossen wurden Mark 35,000 Mk. Bei der Rechnungslegung für das Reichenheim'sche Waisenhaus, welche vertagt wurde, betonte hocherfreut Herr Kommerzienrath Friedländer, daß sich eine größere Zahl der Zöglinge dem Handwerkerstände zuwcnde als früher. Bei der Berechnung über Subventionen an die verschiedenen Religionsvereine ertönte der alte Schmerzensschrei hüben und drüben, durch Bau neuer Synagogen werden dieselben wohl allgemach aufhören. — Das Resultat der Subventionen ist Folgendes: Der Religionsverein Westen erhält auf ein Jahr 9700 Mk. Der Verein Ahawas Scholaum 2200 Mk. Bei dieser Gelegenheit bemerkte Herr Mannheimer, daß ein festes Reglement aufgestellt werden möge, nach welchem die nothwendigen Vereine kräftig unterstützt, allen übrigen aber die bisherige Subvention entzogen würde. Der Verein Adaß Jeschurun erhält 1200 Mk., der Verein Ahawat Thora 1000 Mk., der Religionsverein in Steglitz 1300 Mk. Ein zum Nachlaß der im Jahre 1870 errichteten Kaufmann Benedikt-Stiftung gehöriges Grundstück am Kottbuser Ufer ist für den Preis von 116,300 Mk. verkauft worden. Von dem Erlös sind 30.000 Mk. vertheilt worden, von der überschießenden Summe muß laut Bestimmung das Hospital drei Vierzehntel gleich 15,993 Mark erhalten, welche Zuwendung angenommen wurde. In geheimer Sitzung wurde Herr Oberlehrer Dr. Türk in den Schul- und Thalmud-Thora-Vorstand gewählt. Damit endete die letzte Sitzung vor den Ferien. E.. R. Berlin, 4. Juli. In den Leipziger „Grenzboten" erscheinen seit einigen Wochen „Erinnerungen des ehemaligen Kultusministers Dr. Robert Bosse," welche auf die intern-politischen Vorgänge der letzten drei Jahrzehnte interessante Streiflichter werfen. In der vorwöchentlichen Nummer, welche die „Tagebuch Hättet" des Jahres 1880 enthalt, lesen wir: 16. Nov. Bei einem Diner saß ich heute neben dem Geheimen Rath St. Er sprach sich ungemein feindselig und scharf gegen Stöcker und dessen Antijudenagitationen aus. Gerade jetzt tobt der Streit gegen die Juden sehr heftig aus Anlaß eines Skandals, den zwei Gymnasiallehrer mit einem jüdischen Destillateur Kantorowicz in einem Pferdebahnwagen gehabt haben. Anscheinend ist dabei auch das Verhalten der beiden Lehrer nicht einwandfrei gewesen. Von jüdischer und liberaler Seite ist aber dieser Fall gefliffent-

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