Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 55 (11.7.1904)
- Date
- 1904-07-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1160 schüttet. Mit unnachsichtiger Scharfe zieht er gegen ihn los, den ganzen Reichthum philosophischer Dialektik wendet er auf. um ihn zu entkräften. Witz. Satire, alle seinem großen Geiste zugänglichen Mittel läßt er spielen. um nur diesen Beweis in Mißkredit zu bringen. Dieser Eifer hat mir immer als sicherer Beweis gegolten, daß an diesem kosmologischen Gottesbeweise doch etwas ist. Denn der Einwand Kants ist nur von seinem Standpunkte aus berechtigt, der aber nickt nur nicht allgemein getheilt. sondern gerade in der letzten Zeit als allgemein überwunden betrachtet wird. Kant stellt nämlick den Satz auf. daß der Satz der Kausalität ..jede Wirkung muß eine Ursache haben", nur in der Sinnenwclt von Bedeutung ist, während der kosmologische Gottesbeweis den Grundsatz der Kausalität dazu benützt, um über die unseren Sinnen zugängliche Welt hinauszukommen. Die Kausalität ist ein Gesetz, das überhaupt erst, wie Kant gegen Hume geltend macht. Erfahrung ermöglicht. Run beruht aber das Eharakteristiscke eines Naturgesetzes auf der „Ausnahmslosigkeit seiner Geltung". Führt uns dieses Gesetz über unsere Welt binaus. so sehe ich nicht ein. mit welchem Reckte wir das Vorhandensein dieses etwas, das uns das Gesetz der Ursächlichkeit unzweideutig darthut, bestreiten dürfen. Der Satz Kants, daß die Kausalität nur in der Sinnenwelt von irgendwelcher Bedeutung sei. ist ein Glaubenssatz Kants, den man aber nicht acceptiren kann, wenn man nicht einem unfruchtbaren Sceptieismus verfallen will. Es ist hier nicht der Ort zu zeigen, wie Kant selbst diesem seinem Glaubenssatze untreu geworden ist- Für unsere Zwecke genügt das bereits Gesagte, um zu zeigen, daß es nur ein Dogma ist. das Kant verhindert hat. die Wahrheit dieses Beweises zuzugeben. Diel milder lautet das Urtheil Kants über den teleologischen Gottesbeweis, der von der in der Natur herrschenden Plan- und Zweckmäßigkeit, von der Ordnung und Schönheit der Welt, auf eine lenkende und leitende Hand schließt. Mit herrlichen Worten weist der königliche Sänger uns aus diese wunderbare Schönheit im All hin. Die ganze Schöpfung ist für ihn das Kleid Gottes, in welchem sich seine Wesensherrlichkeit offenbart. Don dem kleinsten Stäubchen bis zum kunstvollsten Gebilde, von dem leblosen Atom bis zum herrlichsten Kunstwerk preist und lobt alles die Allmacht Gottes. .TapnS pvdpo . *>rt. In Allem ist Seine Land sichtbar, in Allem gibt sich Sein machtvoller Wille kund. Zu diesem Zwecke läßt Er die ganze Fülle der - Erde an dem menschlichen Auge vorüberziehen und zeigt, wie die verschiedensten Rädchen ineinandergreifen. damit die wunderbare Harmonie. Welt genannt, bestehe. Die schäumenden Wellen der Tiefe laßt Er uns sehen, die Berge und Hügel bedecken, wir verfolgen den friedlichen Lauf der Bäche und sehen, wie die Thiere an den frischen Quellen ihren Durst stillen, wir böreu das Rauschen der gewaltigen Schwingen unserer Luftbeherrscher. das Gebrüll der Löwen; Er führt uns ferner hinaus auf die Fluren und zeigt uns. wie die Erde für ihre Geschöpfe sorgt; für die Thiere wächst Gras, Korn für den Menschen, und all diese Töne und Farben werden in uns zur Harmonie, die in die Worte ausklingt, *]vjo 3*» .10 wie groß und zahlreich sind doch die Werke Gottes. Alles ist mit Weisheit geschaffen, denn trotz der Fülle doch nirgends Mangel, trotz der Unendlichkeit doch weise Beschränkung und trotz der Zahllosigkeit doch überall Maß und Ordnung. Dieser Beweis, sagt Kant, verdient jederzeit mit Achtung genannt zn werden. „Er ist der älteste. klarste und der gemeinen Menschenvernunft am meisten angemessen. Er belebt das Studium der Natur. so wie er selbst von diesem sein Dasein hat und dadurch immer neue Kraft bekommt. Er bringt Zwecke und Absichten dahin, wo sie unsere Beobachtung nicht von selbst entdeckt hätte und erweitert unsere Naturkcnntnissc durch den Leitfaden einer besonderen Einheit. deren Prinzip außer der Natur ist." „Es würde daher." so fährt er fort, „nicht allein trostlos, sondern auch ganz umsonst sein, dem Ansehen dieses Beweises etwas entziehen zu wollen." Und trotz dieses Bekenntnisses verwirft er doch diesen Beweis, weil durch ihn nur das Dasein eines Mellbaumeisters, nicht aber das eines Weltschöpfers dargethan wird. Nun ist ja sicher wahr, daß derjenige, der ein Haus baut, noch nickt das Material dazu erschaffen haben mich. Aber stimmt denn der Vergleich? Die Stoffe, die zu einem Bau verwendet werden, sind da. bevor zum Bau geschritten wird, und der Stoff bleibt immer der- - selbe, der er war. er hat nur die Lage geändert. Tragen , diese Stoffe den Keim zur Fortentwicklung in sich? Würden die Steine von selbst je zu einem Palaste geworden sein? Betrachten wir aber die Bildungen in der Welt, so sehen wir. daß die fortwährenden Bildungen und Formungen im Universum durch die den Stoffen innewohnenden Gesetze erfolgen. Täglich und stündlich sehen wir neue Formen erstehen, ohne daß der , Grund zu den Veränderungen dem Auge sichtbar i wurde. Wir schreiben diese Veränderungen den Natur- 1 gesehen zu. die in den Stoffen wirksam sind. Wir bekennen also selbst, daß die Stoffe den Keim zur Forterhaltung und Fortentwicklung seit der Stunde ihres Entstehens in sich tragen, vermöge dessen Alles so geworden ist. wie etz sich unseren Äugen darbietet. Verfolgen wir nur das Entstehen eines Baumes. Ein Samenkörnch-n wird in die Erde gesenkt, das dort verwest. aber bald in anderer Form seine Auferstehung feiert. Kleine Blättchen, an einem dünnen Stengel hängend, werden ans der Erde sichtbar, die Blatter verschwinden. der Stengel bleibt, er wird stärker und starker. bis er zu einem Baume wird. Man zeige doch üns ' den Baumeister, der es fertig bringen soll, daß auS