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Der Israelit · 1904-07-11 · Heft 55 (11.7.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 55 (11.7.1904)
Date
1904-07-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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45. Jahrgang. Jß 88 sr Asram G» GenLrat Hrgan für das ortyodore Iudeulyum. Begründet vo» Itor. Detzrrrsrr« Ui Montag, de« 2 8. TharnuS 5664. iU Fuli 1904. W Wk»1hM io frintn falpp.') Bon Dr. Hermann Klein. (Fortsetzung.) Mainz, im Juli. Haben wir in unseren letzten Ausführungen dargethan. daß auch das Herz und das Gemüth zu Rathe gezogen werden müssen, wenn es gilt, die letzten und abschließenden Wahrheiten zu ergründen. — denn wie es einmal im nm, heißt mBpri6 w na van jianxi KruB’ma -a, daß der Mensch die Spuren Gottes in erster Reihe in sich suchen muß. daß er in die Tiefen des eigenen Herzens steigen muß, um sein Sehnen und Verlangen nach einem unendlichen Wesen, das das Weltganze umspanne und den Menschen schützend umfange, zu belauschen, so ist es auch klar, daß wir Gott nicht nur mit unserem Herzen suchen dürfen. rm jn ■px wird uns entgegenrufen, vernunftgemäßes Erkennen wird uns zur Pflicht gemacht, wobei uns gleichzeitig der Weg zu ihm angegeben wird. Denn auch das Herz allein ist nicht geeignet, uns zu den Höhen der Erlenntniß zu führen. Denn das Herz wird leicht zu einem Feuerherd, der die Phantasie erhitzt, welcher die Grenzlinien der Erlenntniß verrückt, das Auge trübt, das Ohr verwirrt, die 'Schärfe der Wahrnehmung abstumpft. Das Sehnen des Herzens sei Ausgangspunkt, sei Anregung — am xrxrji ucd v sagt ja der weise König — sei endlich auch Kriterium für die Ergebnisse vernünftiger Forschung. Gehen wir einmal von dem Grundsätze aus, daß die Stimme des Herzens nicht ganz trügen lann, so werden wir in unserem Forschen nicht früher innehalten, dis die Vernunft bestätigt, was das Herz ersehnt, bis wir auf dem Wege logischer Operationen dahin gelangen werden, wo uns das Herz haben will. Betrachten wir *) Bergs. unsere Ausführungen in den Nummern 44 und 47. uns nun einmal die sogenannten Beweise für das Dasein Gottes. Da ist zuerst der ontologische- Gottesbeweis. Dieser Veiveis besagt, daß wir Menschen den Begriff eines allerrealsten Wesens in uns vorfinden. Dieses Wesen hat alle Realität; nun ist unter aller Realität auch das Dasein mit inbegriffen, also liegt das Dasein in dem Begrisfe selbst. Gegen den Beweis in dieser Fassung hat der „Allzermalmrr* Kant schwerwiegende Gründe angeführt. Er sagt nämlich, daß hier logische und reale Wirklichkeit verwechselt werden. Verstößt ein Begriff oder ein U r t h e i l nicht gegen den Satz des Widerspruchs. so ist er logisch möglich, braucht aber darum noch lange nicht real wirklich zu sein. Gebe ich zu, daß ein allerrealstes Wesen existirt, so muß ich auch dessen Dasein zugestehen, leugne ich es aber, so fällt der Begriff mit allen seinen Konsequenzen fort. Der zweite Beweis ist der sogenannte kosmologische. Jede Wirkung muß eine Ursache haben. Gehen wir von irgend einem Gegenstände unserer Umgebung aus. oder betrachten wir uns selbst. Unser Dasein hat seine Ursache in dem Dasein unserer Eltern, die wir uns wieder nicht ohne das Dasein unserer Großeltern denken können, das führt uns dann von Geschlecht auf Geschlecht zurück, von Jahr zu Jahr, bis zu dem ersten Menschen, den Gott erschaffen. So führt uns Alles und Jedes zur ersten Ursache zurück und diese erste Ursache ist Gott. Ueberall sehen wir eine Kette von Wirkungen und Ursachen, Regelmäßigkeit im Entstehen oder Vergehen und nichts in der weiten Welt ist von selbst in den Zustand getreten, in dem es sich befindet, sondern eS weist immer nach einem anderen Dinge als seiner Ursache zurück, so daß Alles versinken müßte, nähme man nicht etwas an. das außerhalb dieser Welt, für sich selbst ursprünglich und unabhängig bestehend, dasselbe hklte und als die Ursache seines Ursprungs ihm zugleich feine Fortdauer sicherte. Gegen diesen Beweis hat Kant die ganze Fülle seines philosophischen GrimmeS ausge-

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