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Der Israelit · 1904-07-07 · Heft 54 (7.7.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 54 (7.7.1904)
Date
1904-07-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1145 das Bedürfnitz zur Abhaltung der Mittagsmahlzeit geltend gemacht und hiermit begann die Glanzleistung des Komitees seinen Gästen gegenüber. An acht Tischen in dem weiten Speisesaal, war die Festtafel wie zu einer fürstlichen Hochzeit hergrrichtet. Herr Hirsche! und Frau aus Hamburg mit einem Heer von Lohndicnern und Gehilfen, waren bereits am Freitag vorausgceilt. um für die Bedürfnisse des Magens die nörhigen Vorbereitungen vorzunehmen. Küche und Keller waren vorzüglich, was allseitig anerkannt worden und dadurch zum thatsächlichen Ausdruck gelangte, daß sowohl die Schüsseln wie die Flaschen leer ausgingen. so oft sie auch gefüllt hereinkamen. Soll ich Ihnen auch noch den Inhalt der Tischreden und Toaste sowie ihre Autoren nennen, die theils belehrend, theils erheiternd wirkten, so würde dieses einen Band für sich ausmachen. Das Bedürfniß der Redner war jedenfalls größer, wie das Verlangen der Zuhörer. Herr Dr. Pels war der Tischberold und ließ in dieser seiner Eigenschaft mit forensischer Beredsamkeit den Kaiseruno Senatstoast, um mich seemännisch auszudrücken, vom Stapel. Ihm folgte der jugendliche Greis, Herr Gorthelf. Der Rav brachte den Baumeister zu Ehren, indem er ausführte, daß König Salomon zum Tempelbau einen fremden Baumeister berufen mußte, Hyram, während wir zu diesem Bau einen Stammesgenossen und GeineindemiigNed gefunden. Herr Gumperh toastete auf den Rav und Herr Katzenstein auf den Gemeindevorstand. Herr Dr. Loewenthal, Prediger der Reuen Dammthorsvnagoye, feierte die Wohlthätigleit. Herr Alfred Cohn auf die Hausverwaltung und Herr Sam. Cohn aus das Komitee. Herr Pardo vrachte Grüße von der Portugiesischen Gemeinde und vom Bürgerverein vor dem Dammthor. Ihr Referent — meine Wenigkeit — kam an die Reihe, als die Aufnahmefähigkeit für geistiae Genüsse bereits iy's Wanken gcrathen war. Ich mochte meine Rede aber nicht „ungehalten" sein lassen und sprach tapfer darauf los. anknüpfend an die Betrachtung, die der Dberrabbiner genommen irt*» r* rrrn^ w Es gibt eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, es gibt ein beredtes Schweigen, aber auch ein nichtssagendes Reden. Reden ist Silber und Schweigen iss Gold; ich bin so bescheiden, das billigere zu wählen und rede. Unser Standpunkt sei momentan derselbe, wie derjenige, den unsere Voreltern nach ihrem Auszuge aus Egypten eingenommen, sie standen am Meere und hofften auf die Hilfe Gottes. Angesichts des Ergusses der mächtigen Elbe in die weite Nordsee paßt das Eitat bv s6e wn cm e\“i b* e'sSn. Alle Ströme ergießen sich in's Meer, das Meer aber wird nicht voll. Das sei das Bild der nicht rastenden Wöhlthätiqkeit. der sich immer neue Bedürfnisse aufthun, die allemal ihr: Befriedigung fänden. Mir befinden uns auf deni Boden der Enxhavener jüdischen Gemeinde und sind eigentlich ihre Gäste, trinken wir daher auf das Wohl der hier anwesenden Cuxhavener Vorstands- und Ge-. meindemitglieder und ihres Geistlichen, Herrn Salomon Marens. — Menuschluß mit Eis — Benschrn — Händeschütteln —■ Kaffee. Ungetrübte Stimmung, nur der Himmel vergoß Thränen. 7 VI» Uhr fuhren die Wagen vor. Srn der Zug, und nach einer fröhlich:» Fahrt landeten wir glücklich am Dammthorbahnhofe Als Gemeindepalriot freue ich mich allemal, derartiges mitmachen und vielleicht etwas breiter, als erwünscht, darüber berichten zu können. Hamburg ist doch immer noch eine schöne nS’ip. H. B. Hannover. (Die Gedächtnißfeier für Alphons Jacobson in der israelitischen Erzieh ungsan st alt Ahlem.). Am Sonntag. 26. Juni, fand in der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem die Gedächtnißfeier für Herrn Alphons Jacobson statt. Rach einem einleitenden Chor der Anstaltszöglinge hielt das Vorstandsmitglied. Herr H. Z u ck e r m a n n , die Gedächtnißrede. die auf alle Zuhörer tiefen Eindruck machte. Rach dieser Ansprache wurde von einem Zögling ein von einem ehemaligen Lehrer der Anstalt verfaßtes Gedicht vorgetragen, in welchem die gemeinnützige, selbstlose Thätigkeit des Dahingeschiedenen beredten Ausdruck gefunden hat. Sodann ergriff Herr Conful Simon, der Vorsitzende unserer Anstalt, das Wort und beleuchtete in herzlicher Weise das innige Verhältniß zwischen ihm und dem Verstorbenen. Redner führte aus, wie er vor einigen Jahrzehnten, nachdem er bei seinem längeren Aufenthalt in Amerika die Ueberzeugung gewonncn habe, daß das Elend der osteuropäischen Juden nur zu lindern sei. wenn die Heranwachsende Jugend in wirksamer Weise zu körperlicher Arbeit erzogen, werde, und daß eine solche Hilfsaktion das nothwendige Erforderniß im Judenthume sei, sich an die verschiedenen, ihm namhaft gemachten Philanthropen in Deutschland gewandt habe. Damals war es der Verstorbene, der sofort die ganze Tragweite dieser Ideen begriffen und mit thatkräftigem Eifer an ihrer Verwirklichung mitgcarbeitet habe. Das Land, auf dem die Anstalt er richtet wurde, hat er vorher milbesichtigt, und nach seinem Rath ist es erworben worden. Als das Haus fertig war. — war er zur Stelle. Als die Anstalt im Anfang auf Vorurtheile und Anfeindungen stieß, und man die Zöglinge, die man vorher zugesagt batte, nicht geschickt wurden, weil man — wie es hieß — erst Erfolge sehen wollte, war er es. der aus Leipzig sechs Knaben sandte, mit denen die Anstalt eröffnet wurde. Ihm, im Verein mit einigen anderen Freunden,.gelang es. durch unermüdliches Arbeiten der Anstcilt immer weitere Sympathieen bei den deutschen Glaubensgenossen zu erwerben. Trotzdem er mit geschäftlichen Arbeiten überhäuft war, fand er stets Zeit, sein In-

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