Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1904)
- Date
- 1904-07-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1144 ZettüngSuachrrchle» und Correspoudenzen Deutschland. Berlin, 5. Juli. Ueber die Feier des 25-jährigen Amtsjubiläums des Hauptlassirers der jüdischen Gemeinde. Herrn Jacob Rosenberger, habe ich Ihnen in Ergänzung des Berichts in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes noch Folgendes zu berichten: ^.Bei seinem Eintritt in die Bureauräume, welche mit Blumen geschmückt waren, ertönten die von Herrn Oberkantor E v st e i n in Musik gesetzten Verse 7—9 des 122. Psalms. Im Nomen der Beamten und in Vertretung des Herrn Bureaudirektors Budwig. schilderte Herr Gustav Simon in kernigen, von Herzen zu Herzen gehenden Worten die Verdienste des Jubilars. welcher ja wisse, wie die Kollegen es mit ihm meinen. Am Schluffe seiner Rede überreichte er ein: von Herrn Bureaudirektor Budwig verfaßte, und von Herrn Felix Stern kunstvoll ausgeführie Adresse, und als Geschenk einen Silberkasten. Etwas später erfolgten die Glückwünsche des Gemeindevorstandes. dessen Vertreter, Herr Martin Simon, besonders betonte, der Jubilar sei ein so vortrefflicher Arbeiter gewesen, daß er schon nach 9-jähriger Thäiigkeit seine lebenslängliche Anstellung erhalten habe. Als Anerkennung seiner Pflichttreue überreiche der Gemeindevorstand ein Geldgeschenk. In später Abendstunde fand ein Festessen statt. Eine von verschiedenen Beamten verfaßte Gedichtsammlung erregte die Heiterkeit der Anwesenden, denen die schöne Feier noch lange in Erinnerung bleiben wird. E. R. Hamburg, 4. Juli. (Einweihungsfeier des Jsr. Kinderhospiz in Duhnen bei C u x h a v e n.l Ein schöner Tag war es. der uns gestern hinaus nach den Gestaden der Nordsee geführt. Vom neuen Danlmthorbahnhof fuhr eine vornehme Gesellschaft. an deren Spitze der Oberrabbiner und zwei Herren vom Gemeindevorstande. welcher ich mich auf sperielle Einladung gerne angeschloffen hatte, nach Cuxhaven. nm das in Duhnen, unmittelbar am Nordseestrande errichtete Kinderhospiz in weihevoller Weise seii,er Bestimmung zu übergeben. Cuxhaven halten wir noch einer interressanten und schnellen Fahrt in etwa zwei Stunden erreicht und von hier aus führten uns eine genügende Anzahl Breaks nach Duhnen, wo wir sogleich an die Arbeit gingen, indem wir dem vorbereiteten opulenten Frühstück mit Getränken und Behagen — ohne Reden und Toaste — tapfer zusprachen.' Nachdem wir diese nicht »^bedeutende Leistung hinter uns hatten, begann auf ein gegebenes Glockensignal die eigentliche Feier. Im Vestibüle nahm die Gesellschaft. * etwa 120 Damen und Herren. Aufstellung, um hier vom Vorsitzenden des Komitees, dem toackeren Herrn Ludwig Mathiason. der sich hierbei ganz außerordentlich verdient gemacht hat. die Begrüßungs- und Eröffnungsrede entgegenzunehmen. Herr Mathiason entwickelte in seiner würdevoll zum Vortrag gebrachten Ansprache die Geschichte des Vereins, widmete den edlen Spendern des Baukapitals, insbesondere dem sel. Herrn Jacob Plaut, Jerem. Tannenbaum und Frau, sowie Herrn Jacob Nordheim, der persönlich anwesend gewesen, ehrende Worte und empfahl die weitergehenden Bestrebungen des Vereins dem Wohlwollen der Gemeinde und ihren mit Glücksgütcrn gesegneten Mitgliedern. Diese Rede hatte einen »wohlthuenden" Eindruck aus die Versammlung gemacht, denn nicht lange währte es, da hatten sich die Seiten deS aufliegenden Spendenbuches mit ansehnlichen Beiträgen bedeckt. Hierauf stimmte der Knabenchor. unter Leitung unseres trefflichen Oberchasan, Herrn Dreyblatt, einige dem Zwecke angemessene Gesänge an, Präludium zur Weihcrede, die die nunmehr von Seiner Ehrwürden Herrn Oberrabbiner gehalten wurde. Der Text lautete in Rücksicht auf die mit rcra •wv nvzv begonnene nationale Trauerzeit;ior? ry . . . pvn Sa*? rjn so» SaS “ipi ny< ted ry prt?S rr. Der Redner sprach mit bekannter Meisterschaft über jene Zeit der Zerstörung und über dasjenige, was uns im Golus zusammenhält und vereint unserer Erlösung entgegenführt, erinnerte an die Episode, wie man um Schonung flehend den, Tempelstürmer Titus die drei Heiligthümer n-n» nSen nira entgegengetragen und wandte diese drei «mp.1 >Sa auf die jüdischen hervorragenden Tugenden an. So sagte einst '«ar (a pnv t : ist auch vjr.ya der naio zerstört, so gelangen wir doch durch n&as dhdti unsere Versöhnung. Die andächtig lauschende Gesellschaft, sie bestand aus allen Schattirungen vom tiefsten Schwarz bis zum fast sogar germanischen Blond — alle empfanden den Eindruck, den ein jüdisches Herz bei solcher Anregung in sich aufnehmen muß. Nochmals Gesang und der Liturgie war genüge geschehen. Jetzt ging es an die Besichtigung der Anstalt, die unter Führung der Kommiffionsmitglieder recht gründlich vorgenommen wurde. Ein imposanter Bau, überall hell und luftig, mit 130 Betten in sechs herrlichen Schlafsälen. Wasserleitung sowie Entwässerung nach neuester technischer und hygienischer Vollendung, ebenso Koch- und Kücheneinrichtnng. H:rr Regicrungsbaumeister Friedheim, ein Mitglied unserer Gemeinde, hat hier nach dem Urtbeil von zuständigen Behörden und Fachleuten etwas Hervorragendes geleistet: nicht nur prächtig, sondern praktisch war hier die Losung. Die Bausumme, die zur Verfügung gestanden, war etwa 130.000 Mk.. fite die Unterhaltung und Oeconomie genügen einstweilen die Beiträge, Zinsen von Legaten und voraussichtlichen Schenkungen. Nachdem in der Anstaltsspnagoge das Minchageät abgehalten worden, hatte sich bei der Gesellschaft mehr oder minder