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Der Israelit · 1904-07-07 · Heft 54 (7.7.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 54 (7.7.1904)
Date
1904-07-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. ßrste Aeikage zu jß 54 des „Zsraekit". Dr. Theodor Herzl. Mainz, im Juli. Mit tiefem Bedauern geben wir unseren verehrten Lesern Kunde von dem Hintritt des bekannten Zionistenfiibrcrs, Dr. Theodor Herzl. Im besten Mannesalter, im Alter von nur 45 Jahren ist er aus dem Leben geschieden, aus einem Leben, das reich an Glück und Ehre, reich an Thätigkeit und Erfolgen war. Dr. Herzl wurde im Jahre 1860 in Budapest geboren. Nach Absolvirung seiner Univerfitätsstudien widmete er sich der journalistischen Laufbahn. Er vertrat in Paris die „Neue Fnie Presse", deren Feuilleton-Redakteur er bis zu seinem Tode geblieben ist. Auch mit Büchern ist Herzl hervorgetreten, die sich durch eine ausgesuchte Eleganz des Stils und durch einen nur ihm eigenen Humor, der eine Mischung von Weltschmerz. Lebensgier und Phantasterei ist. auszeichnen. Am bekanntesten indessen wurde er als Hauptleitec der zionistischen Bewegung. Durch die Hochfluth des Antisemitismus in Oesterreich gelangte er zur Ueberzcugung, daß sich die Juden niemals assimiliren könnten, daß ihrem Streben, unter ihre Wirthsoölker aufzugchen, von Seiten dieser Völker unüberwindbare Hindernisse in den Weg gelegt werden. Er sann nach einem Ausweg und glaubte ihn in seinem Plane, einen jüdischen Staat zu gründen, gefunden zu haben. Im Jahre 1896 veröffentlichte er seine Broschüre „Der Judenstaat", in der die Gründung' eines jüdischen Staates in Palästina unter türkischer Oberhoheit gefordert wird. Der Erfolg dieser Broschüre ist bekannt. Kaum ein Jahr nach der Abfassung gelang es ihm. einen .Kongreß nach Basel einzuberufcn, an dem einige hundert Delegirte aus allen Weltgegenden theilnahmen. Dr. Herzl wurde zum Präsidenten des großen Aktionskomitees gewählt und seiner rastlosen Thätigkeit ist es gelungen, die Bewegung zu einem bedeutenden Faktor im jüdischen Leben der Gegenwart zu gestalten. Er scheute keine Mühe und keine Opfer, um die Verwirklichung der zionistischen Ideale herbeizüfuhren, er setzte für diese Ideale, die den Inhalt der letzten Jahre seines Lebens bildeten, feine ganze Persönlichkeit, seine bedeutenden Fädigkeiten und seine nicht gewöhnliche agitatorische Kraft ein und sein Erfolg war vom Gesichtspunkte der zionistischen Propaganda aus geschen, ein bedeutender. Es glückte ihm von einer Reihe von Staatsoberhäuptern persönlich empfangen zu werden. So wurde er vom deutschen Kaiser in Jerusalem, von dem Sultan, von dem Zaren, von den englischen und italienischen Königen, von dem Großherzog von Baden und endlich vom Papste empfangen. Positives hat er nicht erreicht und so wurde er noch im letzten Jahre seines Lebens dem eigentlichen zionistischen Programm untreu, indem er bei der englischen Regierung um eine LandkonZession in Ostafrika nachsuchte, was zu großen Zwistigkeiten im zionistischen Lager führte. Wir haben seine Pläne vielfach bekämpft, weil wir sie für schädlich halten, aber wir haben es nie verkannt, daß Dr. Herzl es ehrlich mit dem jüdischen Volke gemeint hat, daß ihn in seiner Thätigkeit nur reine und ideale Motive geleitet haben. Er war ein Idealist im besten Sinne des Wortes und hatte ein warmes Herz für die leidenden Brüder. Der Zionismus, den er nicht erfunden, aber doch in die Höhe gebracht hat, hat seine Erfolge im Wesentlichen ihm zu verdanken. Seine ehrliche Begeisterung entflammte die Menge, die in Verehrung und Bewunderung zu ihm wie zu einem höheren Wesen aufblickte und sein durch und durch edles und vornehmes Wesen erwarb ihm die Achtung auch derjenigen Kreise, die seine Ideen bekämpften. Seine Ideen waren verfehlt, denn er hatte kein Vcrständniß für die wirklichen Bedürfnisse des jüdischen Volkes, aber daran war er nur zum Theil Schuld. Er kannte das eigentliche Judenthum nicht und es ist möglich, daß, wenn er erst in das Wesen des Judenthums eingedrungen wäre, er die Bewegung, die er zur Höhe und die auch umgekehrt ihn in die Höhe brachte, in ganz andere Bahnen gelenkt hatte. Für sein Judenthum, wie e r es verstanden, wollte er Großes und wir gestehen es gerne ein, daß sein Leben trotz der vielen Jrrthümer einen Zug von Größe und Erhabenheit aufweist. Möge er in Frieden ruhenl./ ,r ..•• ' ,iVVi ri" i

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