Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1904)
- Date
- 1904-07-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1142 leicht enthalten dieselben noch Miltheilungen meiner Ellern und über sie. Ihr tonnt sie jedenfalls leicht lesen, mir sind sie unzugänglich; mein Vater gestattet nicht, daß ich Hebräisch lerne. Aber jetzt wollen wir gehen. Geht Ihr voraus und ich folge in einigen Minuten nach. Es ist nicht nöthig, daß uns Jemand zusammen die Hütte verlassen sieht." Der Alte freute sich über die Vorsicht des Jünglings und beide verabschiedeten sich mit einer Herzlichkeit. als ob sie langjäbrige Freunde wären. Als Ignatius in's Schloß zurückgekehrt war. war sein erster Gang in die Bibliothek um das hebräische Buch mit auf sein Zimmer zu nehmen. Er tonnte es jedoch nicht inehr finden und überhaupt keine? der hebräischen Bücher, die früher an derselben Stelle standen. Er stöberte alle Bücherreihen durch, bis er sie hinter einer hohen Reihe von in Schweinsleder gebundenen Kirchenvätern versteckt fand. Er nahm das Buch, mit den Skripturen, das er schon früher in der Hand hatte, wickelte es sorgfältig ein und brachte es auf sein Zimmer, indem er leise zu sich sagte: „An diese Bücker habe ich ein größeres Anrecht als mein Pflegevater, sie sind vielleicht das einzige, was von allen reichen Besitzthümern meiner Pflegeeltern mir allein rechtmäßig zusteht." Ignatius wollte nun das soeben Erfahrene noch einmal im Geiste Revue passiren lassen, als es zum Abendbrod läutete. Er eilte in das Speisezimmer und traf seine Pflegeeltern bereits bei Tische. Es war ihm auch nicht entgangen, daß beide ein Gespräch, das sie geführt hatten, bei seinem Eintritt plötzlich abbrachen. Die erste Frage, die sein Pflegevater an ihn richtete, ließ ihn auch den Gegenstand des Gesprächs vermuthen. „Hast Dü dem Arbeiter meine Drohung mitgetheilt?" lautete diese Frage. „Er war betrunken, es thut mir leid, daß ich Dich mit der Geschichte behelligt habe," antwortete Ignatius. „Weißt Du nicht wie er heißt? ES wäre mir doch von Interesse, den Namen des Menschen zu erfahren." Glücklicherweise hatte Ignatius gesehen, wie diesen Nachmittag der Arendar einen Arbeiter aus dem Schloßgut wegen Trunkenheit fortgewiese» hatte, ein Vorkommniß, das sich allwöchentlich einige Male ereignete. „Er ist nicht mehr da, der Arendar hat ihn mitten aus der Arbeit aus Rimmerwiederkommen fortgejagt," bemerkte Ignatius. „Das ist gut," warf sichtlich erleichtert der Graf hin, „solches Gesindel soll man nicht einen Augenblick auf dem Schloßgute dulden." Die Gräfin bestätigte das und damit war der Zwischenfall erledigt. Nach beendigter Abendmahlzeit begab sich Ignatius auf sein Zimmer. Der Graf machte mit der Gräfin einen Spaziergang durch den Schloßhof und ging direkt auf die Wohnung des Arendars los. „Wer war der Arbeiter," fragte der Graf, „dem Er heute wegen Trunkenheit den Abschied gegeben hat?" „Das war ein frecher, lüderlicher Bursche," erwiderte der Arendar, indem er sein Notizbuch aus der Tasche zog, um ben Namen des Gemaßregelten daraus zu ersehen. „Adalbert Hajek heißt er. aus Königsmark in Böhmen, evangelisch; mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen." Der Graf promenirte weiter und die Gräfin raunte ihm in's Ohr: „Siehst Du. wie Deine Iuoenfurcht Elephanten erblickt wo nur Mücken sind! Ich dächte, es wäre doch endlich Zeit, diese Furcht abzulegen." „Ich fürchte gar nichts; nur das ungewöhnliche Begegniß. von dem Ignatius heute berichtet hat, hat mich, ich gestehe es. ein wenig scheu gemacht; ich meine, dazu wären wir berechtigt, wenn nicht gar verpflichtet." „So lange der Junge selber diejenigen denunzirt, die ihn für einen Juden halten, ist wahrlich nichts zu besorgen." meinte die Gräfin. Da trat eben der Hofjäger durch das Schloßthor, er hatte einen prächtigen Sechzehnender erlegi, der die Aufmerksamkeit des gräflichen Paares auf sich zog. — Auf diese Weise fand der unerquickliche Streit ein harmloses Ende. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Eeatags und Donnerstag«, jedesmal in mindestens zwei Bogen. PraS pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganuahrluh. halbjährlich oder viertehLhrlich. 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