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Der Israelit · 1904-07-07 · Heft 54 (7.7.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 54 (7.7.1904)
Date
1904-07-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1140 Vertreter der Stadt Hameln, worauf Stadtsnndikus Sertürner mit anerkennenden Worten des Vorstandes und der übrigen Vertreter der Gemeinde gedachte. Mit grober Freude wurde seine Versicherung ausgenommen, daß die städtischen Behörden auch ferner darauf bedacht sein würden, den konfessionellen Frieden zu wahren und das Einvernehmen zwischen den Glaubensgenossenschaften zu fördern. Frankreich. Parias, 4. Juli. Die Gebrüder Rothschild haben zehn Millionen Francs für den Bau von Arbeiterhäusern gestiftet. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, weist, wie hochbedeutend diese Frage für die Pariser Arbeiter ist. Wenn man bedenkt, das; in Frankreich alljährlich gegen hundertundfünfzig Tausend Menschen an der Tuberkulose sterben — eine viel blutigere Schlacht als Waterloo und Sedan! — und dast ein großer Prozentsatz dieser Opfer den ganz schrecklichen Wobnungsverhältnissen zuzuschreiben ist, wird man leicht ersehen, von welch' hohem Interesse sowohl in hvgienischer als auch in sozialer Beziehung, diese großartige Rothschildstiftung ist. Der Handclsminister hat auch den Gebrüdern Rothschild den lebhaftesten Dank der französischen Regierung für ihre so hochherzige Spende ausgedrückt. Auch der Generalrath des Seinedepartements hat einstimmig beschlossen, an die Gebrüder Rothschild eine Dankesadresse abzusenden. Unsere Gegner sind jedoch so engherzig und kleinlich, dast sie selbst in dieser rein menschlichen, jedes politischen Eharalters entbehrenden Frage ihre Verkleinerungsbemühungen nicht aufgeben. „Die Rothschild geben zelm Millionen, la helle affaire! Sie haben es ja auch dazu! ' Diese Leute bedenken nicht, dast es sehr viele Franzosen gibt, die es dazu haben und die es trotzdem nickt thun. Sie vergessen ferner, dast zchn Millionen eine sehr bedeutende Summe sind, selbst für einen Rothschild. Selbstverständlich werden sich die Leiter des berühmten Bankhauses durch diese kleinliche und gcbänige Undankbarkeit nicht beeinflussen lassen und den Grundsätzen ihres Hauses gemäß, auch ferner das Gute thun, zum Wähle ihrer armen, bedrängten Brüder und zum Wohle ihrer Mitbürger. Pi. Argentinien. VnenoS Aires, 11. Juni. Das „Argentinische Tageblatt" fährt in seinen Angriffen gegen die „I. C. A." fort und zwar richten dieselben sich in seiner heutigen Rümmer gegen die Erziehungsverhältnisse in den israelitischen Kolonien. Es wird hierbei geltend gemacht, daß die Schulen viel zu weit von den Wohnsitzen der Kolonisten entfernt liegen, daß daher die Kinder, die oft zehn Kilometer oder mehr zweimal täglich auf dem Wege zur Schule zu Pferde zurücklegen müssen, von Morgens bis spät in die Nacht zu hungern gezwungen sind. Dast hierbei auch bei dem Unterricht nicht viel herauskommt, ist bei. den geschilderten Verhältnissen nickt anders möglich, besonders da auch die Lehrer, die von Paris, wo sie ausgebildet .verden, ge» schickt sind, durchaus untüchtig sein sollen und Revisionen der Schulen fast nie stattfänden. Ferner wird behauptet, dast Nichtjuden den Religionsunterricht ertheilten, und der immer wiederkehrende Satz begegnet uns. dast die Kolonisten die „Sklaven" der Direktoren seien und nur von Gnade leben, daß auch nur der Lehrer bei der Direktion angesehen sei, der die Kinder zu ..tüchtigen Sklaven" heranbilde. Für alle diese schweren Angriffe hat die „I. C. A." bis jetzt kein Wort der Abwehr. Wir hoffen, daß sie doch noch sich vertbeidigen wird. Feuilleton. 8ine vereitelte Aochzeit. von W. Wahnev. i8 VIII. Der Greis erzählte dem Jüngling die Geschichte seiner Herkunft, wie wir sie bereits kennen, aber er fügte noch einiges bei. das auch uns bis dahin unbekannt war. Er leitete seinen Bericht damit ein. wie der Vater des Jünglings. Rabbi Mosche Schalem ein so frommer, thorakundiger Mann gewesen sei. Obwohl derselbe zur Zeit seiner Flucht erst wenige Jahre hier gelebt hatte, war er doch allgemein gekannt und geliebt. In noch höherem Grade galt dies von dem Großvater des Jünglings mütterlicherseits, der durch seine Wohlthätigkeit und, Gottesfurcht seiner ganzen Umgebung fast fünfzig Jahre als mustergiltiges Beispiel voranleuchtete. Sämmtlichen acht Genossen, durch deren opfermuthiges Wagnist die Flucht ermöglicht wurde, hatte der Großvater in früheren Jahren wesentliche Freundesdienste geleistet, welche die Empfänger, nachdem ihr Wahlthäter längst gestorben war. ihren Kindern nun heimzuzahlen sich verpflichtet fühlten. „Ich verdanke." so fuhr der Arbeiter fort, „dem Edlen nächst Gott meine ganze Existenz. Es war — jetzt sind es dreißig Jahre her — damals eine schwere Zeit. Ich hatte ein gutes Eisen- und Leder gcschäft, aber ich konnte durch harte, unvorhergesehene Krisen einmal meinen Verpflichtungen nickt Nachkommen. Viele Häuser, die größer und kleiner waren al§ das meinige, verfielen damals dem Ruin; ich wurde gerettet durch Gutsprache Ihres Großvaters, der sich für den ganzen schuldigen Betrag verbürgte. Die Krise ging, nachdem sie ihre Opfer gefordert hatte, rasch

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