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Der Israelit · 1904-07-07 · Heft 54 (7.7.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 54 (7.7.1904)
Date
1904-07-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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dort die Mehrzahl der dichten, jüdischen Bevölkerung schmachtet, bildete Len Resonnanzboden für die Führer des Zionismus. Die Assimilationsbestrebungen bemächtigten sich vor allem auch der Darstellung der jüdischen Geschichte, und was auf diesem Gebiete die Tendenz, aus der Bedeutung und dem Wirken unseres Volkes gemacht hat. gehört zu den dunkelsten und beschämendsten Partieen dieser Strömung. Auch hier seht die Reaktion des Zionismus ein. aber auch hier konstatiren wir mit Bedauern die Fehlgriffe der onaan paf? w» »;wn Das Fehlen einer tendenzlosen, wissenschaftlichen Darstellung der Geschichte unseres Volkes wird anl meisten von gesehestreuer Seite bedauert, je klarer die jüdische Vergangenheit vor aller Augen liegt und geistiges Eigenthum der heutigen Generation wird, umsomehr erstarkt wieder die altjüdische Pflichttreue, die opferfreudig das Erbgut der Gemeinde Jakobs hütet. Eine wissenschaftliche Darstellung der jüdischen Geschichte fehlt aber vollständig. Herr Dreyfus glaubt in seinem Artikel in der „Welt" für Grätz' Geschichtswerk eine Lanze brechen zu sollen; wir sind überzeugt, seine Entrüstung über Herrn Dr. Samuel ist ehrlich gemeint, aber Herr Dreyfus weiß nicht, dass Grätz auf die erste und notwendigste Voraussetzung eines Geschichtsschreibers, auf Wissenschaftlichkeit, keinen Anspruch machen kann. Wir wollen ganz von der Tendenzmacherei Grätz' absehen — kein Erzeugnis; der Reform hat dem Abfall vom Judenthum und der Assimilation mehr Vorschub gleistet, als Grätz' Geschichtswerk — wir wollen von dem Mangel an Obiektivität absehen. der uns in Gratz' Darstellungen allenthalben entgegentritt — nur das sei betont, daß Grätz' nicht über die Wissenschaftlichkeit und klare Auffassung verfügte. die das erste Erforderniß eines Geschichtsschreibers sind. Einige Beweise werden genügen, um unsere Behauptung zu erhärten, dieselben ließen sich aus dem genialen Werke Dorot Horischonim um unzählige vermehren. — In einer Rote 22 zum vierten Bande spricht Grätz über die Reihenfolge der Patriarchen aus dem Hillelschcn Hause; .diese Rote strotzt geradezu von Unwissenschaftlichkeit. Es heisst da: „Gamaliel ll. di Jabne c. SO—117." das heißt Gamalliel ll. hat Hadrians Regierung und Verfolgungen nicht mehr erlebt. Dieser Behauptung zuliebe wird eine gegentheiliqe Stelle im Talmud als ..Einschiebsel" erklärt. Weiter-heisst es da? „Simon b. Gamaliel I." der Sohn des Vorangegangenen. „Beim Falle Betors war er noch jung und ist wohl erst mehrere Jahre nach dem Tode Hadrians .... in seine Wurde eingesetzt'worden, also etwa 140." 'Im Jahre 117 iss also Gamaliel TL, der von 80—117 Patriarch war, gestorben und sein ältester Sohn war bei Betors Fall im Jahre 135, achtzehn Jahre nach seines Vaters Tod, noch ein Kind. So schreibt Grätz (in Rote 18 das.) betreffs R. Simon b. Gamaliels: „daß R. Simon b. Gamaliel dem Blutbade in Betör entgangen ist, erzählt er selbst. Bon den vielen Kindern, welche sich in Betör befanden, fei nur er selbst anl Leben geblieben." — Darf ein Romanschriftsteller solches wagen, vom Vater an verschiedenen Stellen zu betonen, er sei im Jahre 117 schon gestorben, und achtzehn Jahre später, 135, den ältesten Sohn noch ein Kind sein zu lassen. Natürlich hat Grätz die Quellen gänzlich mißverstanden, wie dies glanzend in Dorot horischonim nachgewiesen wird, und kann als Geschichtsschreiber nicht ernst genommen werden. Eine zweite Probe: Im 12. Kapitel desselben Theils und ebenso in der schon erwähnten Note 22 führt Grätz aus: Rabbi sei um 160 geboren und um 210 gestorben. In demselben Kavitel spricht er über die Frage, wer der römische Kaiser Antonius gewesen, der nach dem Talmud mit Rabbi verkehrt hat. Rapoport nimmt an, es sei Marc Aurel gewesen, der zweite der acht Kaiser, die den Namen Antonius trugen. Dagegen wendet sich Grätz mit folgender Argumentirung: „Mark Aurel war kein sonderlicher Freund der Juden .. . Die Freundschaft R. Juda's mit diesem Kaiser hat demnach keinen geschichtlichen Anhaltspunkt. Mit den übrigen unechten Antonien hat R. Juda umsoweniger persönlich verkehren können, als er deren Lasterregierung schwerlich erlebt hat." — Grätz hat scheinbar veraessen, dass Mark Aurel im Jahre 180 starb und er selbst schreibt, daß Rabbi erst zwischen 210 und 215 gestorben sei. also eine ganze Reihe sväterer Antonincn noch überlebt hat! Infolge seiner ..Beweisführung" kommt dann Grätz zu dem Schlüsse, daß nicht Rabbi, sondern dessen Enkel mit einem römischen Kaiser verkrhrt habe. Herr Drevfus wird zugesteben. dass er sich in Kräh geirrt hat und dass in der Tbat eine aktenmässiae Darstklluna der jüdischen Geschichte noch seblt. Hoffen wir, dass es de»" Streben ehrlicher und befähigter Forscher gelingen möae. eine solch? w schaffen, die segensreichen Folacn derselben werden unübersehbar fein, zur Ebre und iur Stärkung des Judenthums nach außen und vor Allem nach innen. Hameln. 4. Juli. Am 26. v. Mts. feierte dir bicssoe jüdische Gemeinde die Wiederkehr de« Tages, an dem vor 25 Jahren die Einweihung der Svnagoge stattgefunden hatte. Unter Theilnahme von Mitgliedern der städtischen Kollegien wurde Mnraens in der festlich geschmückten Svnaaoqe ein feierliche Gottesdienst abaebglten. Nachmittags versammelten sich die Festtheilnehmer auf Drevers Beraqarten stti* einem gemeinsamen Mahl. Nach Deorüssdna der Gäste durch den ersten Vorsteher. Herrn Michaelis, der auch schon vor 25 Jahren dieses Amt bekleidete, brachte - Siebter Bachrach den Kaisertoast aus. Rechtsanwalt R o f e n b e r g begrüßte hierauf die anwesenden

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