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Der Israelit · 1904-07-04 · Heft 53 (4.7.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 53 (4.7.1904)
Date
1904-07-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1128 die Naubthiere in der Wildniß zerstreuten Volksstämme fanden sich zusammen und einigten sich. Jetzt stand dem Reöm und seinem kühnen Reiter ein „Löwe" gegenüber. rpc N'-rr rn'v *P wb »Sie reißen gegen mich ihren Rachen auf. ein Leu. reißend und brüllend*. (Ps. 22, 14.) Das Reüm, vor dessen Hörnern dem Reiter bange geworden war, scheut jetzt vor dem Löwen zurück, es lagert sich und will fast erliegen. Doch der Gott, der vor dem Ungestüm Reöms bewahrt und vor seinem Horne errettet, Er rettet auch aus Löwenrachen. Zu Ihm erhebt David seine Stimme, und sie findet Gehör. David ruft zu Gott empor, und Gott erhört sein Flehen. Dies ist der küne Ritt durch's Leben, den David gewagt, der Hirtenknabe, der in der Wüste das schlafende Reöm gefunden, bestiegen und bezwungen hat. II. Erklärung: Roch ein anderer Vorgang aus dem Leben König Davids stellt sich uns in der Allegorie von „Reöm* und „Löwe" dar, und dieser Vorgang hängt noch mehr, als der im Vorhergehenden bezeichnete, mit dem seelischen Innenleben unseres „Helden auf hohem Reöm" zusammen. Die Zeit kam, da es dem Könige auf seiner Reömshöhe, oder, um ohne Bild zu reden, auf seiner Ruhmes höhe schwindlig wurde. Bei aller Verehrung unseres gekrönten Psalmisten müssen wir zugeben, daß es im Leben dieses Herrlichen Momente gab, in denen ihm seine glanzvolle Stellung moralisch gefährlich, ja verderblich wurde. Bei Gelegenheit Urija's und dann wieder bei der Volkszählung „von Dan bis Beer scheba" übermannte ein Gefühl der Selbstüberhebung einmal den dem Sinnreiz unterworfenen Menschen, das andere Mal den der Ruhmesgier ausgesetzten König. Der reumüthige König hat seine Schuld nicht zu verdecken gesucht, sondern das Bewußtsein derselben tief im Busen getragen sein Leben lang, wovon so viele seiner Lieder rührendes Zeugniß geben. Da geschah es. bei der „Tenne von Arawna*, daß David seinem verzeihenden Gotte einen Altar erbaute und an diesen das Gelöbniß knüpfte: „Dies sei das Haus des ewigen Gottes und dieser der Altar zum Ganzopfer für Israel* (n ra xn m k 2*3 '2 n*t. bxivH nhvb N2W nn c^xn) Hier nahm der von David gewidmete und von Salomo ausgeführte bp'N-Bau seinen Anfang. In diesen beiden Momenten, in welchen für David mit der Ruhmeshöhe, mit den ctn 'Zip, die Ueberhebungsgefahr so sehr gewachsen war. trat ihm in den Propheten Nathan und Gad, der Geist der Prophetie, warnend und strafend gegenüber. Der Geist der Prophetie wird aber in den heiligen Schriften wiederholt allegorisch nix Löwe genannt. Jesajas erschaut den Propheten Chabakuk, wie er muthig auf seiner Warte steht und nennt ihn „den Löwen auf der Warte* ('X ncjßa -bv mst Kipn Jes. 21, 8 vgl. Raschi). Der Prophet Amos ruft: „Brüllt der Löwe, wer wollte sich nicht fürchten? Der Herr, der Ewige redet,' wer wollte nicht prophe,zeihen? .tix) (n 2 d*cp ,scr x? ’o 121 x xi" ’a iva? Und der Prophet Jechcskel geißelte die ihre Kraft mißbrauchende Prophetenschaar, indem er ausruft: „Ihre Propheten, die in Rotten Zusammenhalten, sind wie ein brüllender Löwe, der auf Raub ausgeht, fressen Seelen, reißen alle Macht und Herrlichkeit an sich, häufen Witwen in ihre Mitte (Jech. 22. 25 uo nawa mro itvp> '2i Der Löwe auf der Warte — David hatte ihn vernommen und war von Schrecken erfaßt worden, denn Schreckliches ward ihm verkündet. Höher und gewaltiger als Reiun ist der Löwe, den Gott auf seine Warte gestellt, daß er den Machthabern der Erde Seinen Spruch entgegendonnere. David vernahm den Spruch: er beugte sich ihm und betete: „Herr! Schütze mich vor dem Löwen, wie Du mich vom Horne ReSms errettet hast!* Zeitungsnachrichten und Correspon-enzen. Deutschland. Benthe« (D.-Schl.), 26. Juni. Ein imposanter Trauerkondukt bewegte sich heute nach dem israelitischen Friedhofe, um dem verstorbenen Kantor Julius B e r n st e i n die letzte Ehre zu erweisen, dem treuen Beamten, der — ausgestattet mit schönen Stimmmitteln — die liturgischen Gesänge weihevoll und verständnißinnig so vorzutragen verstand, daß sie die Gemeinde zur Andacht stimmten. An seiner Bahre, die auch viele Amtsgenossen umstanden, schilderte Rabbiner Dr. Kopfstein die unbestrittenen Verdienste des Verstorbenen in der hiesigen Gemeinde und sprach erhebende Worte der Anerkennung im Namen des Vorstandes dem Heimgegangenen für treues und hingebendes Wirken während seiner 2l jährigen Amtsthätigkeit. Möge dem Verstorbenen die Erde leicht sein! TonderShausen, 28. Juni. Ein schönes und würdiges Fest haben wir hier am 14. d. Mts. gefeiert. Wie schon bereits berichtet, war an diesem Tage der 90. Geburtstag unseres verehrten Rabbiners Professor Heidenheim, sowie sein 7Ojähriges AmtFjubiläum. Schon am frühen Morgen häuften sich die Gratulanten, Hunderte von Briefen und Depeschen aus allen Welttheilen, eine Unzahl von Blumenspenden schmückten bald das sonst so stille Heim. Als erste offizielle Deputation erschien der Vorstand der Kultusgemeinde. Der Sprecher derselben. Herr Kaufmann H. Redelmeyer, feierte den Jubilar als wirklichen Vater der Gemeinde, als Freund der Familie und jedes Einzelnen und übermittelte die Glückwünsche der Mitglieder und die gespendeten Ehrengaben. Hierauf erschien der Staatsminister Petersen im Aufträge

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