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Der Israelit · 1904-07-04 · Heft 53 (4.7.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 53 (4.7.1904)
Date
1904-07-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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des regierenden Fürsten und überbrachte die Glückwünsche mit dem Bilde desselben mit eigenhändiger Unterschrift. An diesen schloß sich Oberbürgermeister Rößler mit Geheimen Steuerrath Heinburger — Vorsitzender des Gemeinderaths — die die Glückwünsche der Stadt überbrachten. Bis zur späten Mittagsstunde erschienen noch Staatsminister a. D. Reinhardt. Oberhofprediger Bahn und noch andere Gratulanten. Es war erhebend mit anzusehen, wie selbst der Mann aus dem Volke, der einfache Arbeiter es nicht unterließ, dem Jubilar Aufmerksamkeiten zu erweisen. Allgemeine Bewunderung erregte der alte Herr, der mit seltener Geistcsfrische im Stande war,, jedem Gratulanten geistreich und witzig zu antworten. Auf Wunsch des Jubilars war von einer größeren Festlichkeit abgesehen worden. Ungarn. Budapest, 28. Juni. Hier hat dieser Tage eine Schulkonferenz getagt. Anlaß hierzu gab der neue Volksschulgesetz - Entwurf des Unterrichtsminiasters v. Berzeviczy. An der Konferenz nahmen auch einige Abgeordnete theil, die zufällig Juden sind. Der Gesetzentwurf tangiert in manchen Punkten auch die Autonomie der Konfessionen und die Selbstständigkeit der Konfessionellen. Man mußte sich also auch mit den jüdisch-konfessionellen Schulen beschäftigen und da bot sich das in Ungarn nicht mehr ungewohnte Schauspiel, daß der Regierungsvertreter die. Talmud-Thora-Schule unter Berufung auf den Liberalismus gegen zwei „jüdische" Abgeordnete in Schutz nehmen mußte. Der Abgeordnete Edmund Barta beantragte nämlich, daß die Talmud-Thora-Schulen, sowie alle diejenigen Schulen, in welchen vor und nach den gesetzlichen Unterrichtsstunden Unterricht ertheilt wird, als Winkelschulen zu bezeichnen und demzufolge zu verbieten sind. Sektionsrath Franz Halasz erklärt hierauf, daß es mit dein Liberalismus nicht vereinbar sei, den Eltern ihr gutes Recht, die Kinder auch außerhalb der Unterrichtsstunden lernen zu lasten, zu verkürzen. Hierauf ruft Abg. Josef Beszi dazwischen: „Wir Juden haben nichts dagegen!" Barta und Beszi sind beide Juden. Beide verdanken ihre Mandate den Juden, der erstere sogar ausschließlich orthodoxen und chassidischen Juden, denen die Talmud-Thora Lebensbedürfniß ist. Barta hat allerdings seine Kinder bereits taufen lassen, dafür war Beszi der Schleppträger des gewesenen Ministerpräsidenten Szell, der für das Aufblühen des Antisemitismus in Ungarn verantwortlich ist. Zum Schluß sei erwähnt, daß der Universitäts- Professor Zsolt Beöthn (Ehrist) im Namen vieler hauptstädtischer Juden an den Minister das Ersuchen stellte, den Unterricht der hebräischen Sprache im Religionsunterricht zu verbieten. Rußland. Moskau. (Wolf Wissotzti'- BermLchtniß.) Der am 24. Mai in Moskau verstorbene jüdische Philanthrop K. W. Wissotzti hat sein gcsammtes Privatvermögen in Höhe von einer Million Rubel unter gewissen eigenartigen Bedingungen dem jüdischen Volke vermacht. Das in Staatspapieren und . in Antheilscheinen der großen Theegesellschaft^ K. Wissotzki & Co. bestehende Kapital soll in Beträgen von je 20.000 Rubel jährlich realisirt werden. Alle fünf Jahre tritt das Kuratorium zusammen; um über die Verwendung der inzwischen realisirten 106,000 Rubel zu beschließen. Zu Kuratoren wurden testamentarisch bestellt der Schriftsteller Ascher Ginzburg (Achad Ho'om), der Moskauer Kronrabbiner Hasje und der ehemalige Direktor der Moskauer Internationalen Bank, Herr Schmelkes. Herr Achad Ho'om weilt zur Zeit in Moskau, .um mit den Erben Wissohki's über das große Vermächtniß das Nähere zu besprechen. Ein gleiches, erst nach vielen Jahren realisirbares Vermächtniß hat . der Verstorbene schon bei Lebzeiten und zwar bereits im Jahre 1886 der Pariser Alliance hinterlassen. Damals hinterlegte er bei dieser Gesellschaft 10.000 Frs. mit der Astimmung, Kapital und Zinsen nicht eher anzutasten, bis die 16,000 Frs. im Laufe der Jahrhunderte sich durch Häufung von Zins und Zinseszins auf 260,000,000 ausgewachsen haben. Mit diesem Gelde solle dann eine hebräische Universität errichtet werden. Inzwischen kam die Zeit dem Testator selber etwas zu lang vor, denn er begann einige Jahre vor seinem Ableben das Kapital durch eine Zuwendung von monatlich 1000 Rubel lebhaft zu vergrößern. Leider hat Wissotzki nicht lange genug gelebt. um die 10,000 Frs. selber künstlich auf die gewünschte Höhe von 250 Millionen zu bringen. Es gelang ihm nur den Fond für die hebräische Universität auf 700,000 Frs. emporzuschrauben. Palästina. Jerusalem. (Archäologisches aus Palästina.) Bei den Ausgrabungen in Tel Mutesellim, das wohl die Stätte des biblischen Megiddo ist, und da, wo die alte Verkehrsstraße von Egypten nach Babylonien aus dem Hügelgelände am Karmel in die Ebene Jesreel eintrat, lag. ist jüngst ein Jaspis-Siegelstock gefunden worden, der einen Löwen mit offenem Rachen und die Inschrift trägt „gehörig Sema' (Schima), dem Diener Jcrobeams". Der Eigenname Sema' ist biblisch bezeugt, die Schrift ist althebräisch. Nach der Orientalistischen Litteraturzeitung vom 16. Juni, der wir diese Nachtricht entnehmen, gehörte das Siegel wohl einem Beamten Jerobeäms II. (783 bis 742) und tritt zeitlich ziemlich nahe an die gekannte Mesa-Jnschrift (842). Dr. Schumacher, ein Angehörlger ver schwäbischen Kolonie Haifa, hat die Ausgrabungen von Tel Mutesellim geleitet, dir im Mai wegen der Oe-

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