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Der Israelit · 1904-07-04 · Heft 53 (4.7.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 53 (4.7.1904)
Date
1904-07-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1123 schmidt herrscht, ist mustergiltig. Wenn nun die Kuranstalten an anderen Badeorten, im Vergleich zu dem Knrhospital in Kolberg, nur einer geringeren Anzahl Bedürftiger Rechnung tragen kann, so ist immerhin viel erreicht, wenn auch nur eine beschränkte Anzahl armer Kranker in denselben unentgeltliche Aufnahme findet. Zu meiner Verwunderung habe ich in Bad Salzbrunn, wo ich im vergangenen Sommer mehrere Wochen weilte, eine solche Kuranstalt für Arme vermißt. IH berührt sebr peinlich, jeden Tag für die dort weilenden armen Kranken die Mildthätigkeit der begüterten Kurgäste in Anspruch nehmen zu müssen. In Gemeinschafr aut dem Rabbiner Herrn Dr. Nordheimer in Schweiz. der ebenfalls in Salzbrunn vorigen Sommer zur Erbolunz war, ha: Schreiber dieser Zeilen den Entschluß gefaßt, den Gedanken anzuregen, auch in Salzvrunn eine Hei'.nstäKc für bedürftige Badegäste zu begründen. „Aller Anfang ist schwer," lautet das alte Sprichwort, aber auch nur der Anfang ist schwer, ist er erst gemacht, so wächst das Werk gar schnell zur Freude derer, die es geschaffen r.nd die es fördern. Breslau ist der Platz, von wo das Werk in's Leben gerufen werden muß, und wenn Männer, wie der bekannte Wohlthäter Herr Theodor Oschinski, unterstützt von den Herren Rabb. Dr. Gutmann und Dr. Rosenthal, sowie andere hochherzige Männer, stch für das edle Werk echter Menschenliebe interessiren, dann wird es mit Gottes Hilfe auch gelingen. Mögen diese Zeilen dazu dienen, schon in diesem Jahre den Anfang zu machen. München. Zu Beginn dieses Semesters hat sich hier eine Bereinigung jüdischer Akademiker konstituirt, welche den Zusammenschluß der gesetzestreuen, augenblicklichen und ehemaligen, Akademiker bezweckt. Hatte sich in Berlin schon zu Beginn des vorigen Winters bei der erfreulicherweise stets zunehmenden Zahl orthodoxer Studenten aller Fakultäten die Nothwendigkeit herausgestellt, eine Vereinigung gleicher Tendenz zu schaffen, trotzdem das Rabbinerseminar den betreffenden Kreisen einen gewissen Sammelpunkt bot, so war für München um so mehr di? Erkenntniß maßgebend, daß in einer geistigen Eentralc. wie der zweiten Universität des Reichs, ly alljährlich eine wachsende Anzahl jüdischer Studenten herbeiruft, für den Akademiker unserer Richtung ein Kristallisationspunkt geschaffen werden muß. Der Bereinigung liegt jede aggressive Tendenz fern. Doch unverzeihlich wäre es, den centrifugalen Kräften, welche fort und fort in verheerendem Kampfe den Kern des alten Judenthums aufzulösen versuchen, thatenlos zuzusehen. ohne ihnen auf positiver Grundlage in der Vereinigung aller Elemente, die noch treu zum Glauben ihrer Väter schwören, die natürliche Gegenkraft entgegcnzusetzen. Doch gicbt es heute nockganz andere Erscheinungen, die einen Zusammenschluß der Akademiker unserer Richtung viel dringender fordern, ass der Kampf gegen Feinde in unserer Mitte, deren Abwehr uns unsere großen Meister im vorigen Jahrhundert gezeigt und gelehrt. Abgesehen davon, daß es dem jungen Studenten an und für sich sehr schwer werden wird, ohne Aussprache mit älteren, gleichgesinnten Kommilitonen den Ruhevunkt im Kampfe von Glauben und Wissen zu finden, abgesehen davon ist beispielsweise eine neue Gefahr entstanden, durch die Verbreitung und wissenschaftliche Fundirung der Hypothesen der Bibelkritik, die heute von vielen schon als Axiome ausgestellt werden. Daneben begnügt man sich nicht damit, den Pentateuch in verschiedene, zu verschiedenen Zeiten entstandenen Urschriften zu zerlegen, sondern versucht auch, das Judenthum zu einem jämmerlichen Abklatsch einer weit höher stehenden babylonischen Religion herabzuwürdigen. Scheint es angesichts dieser und anderer Erwägungen nicht geradezu geboten, den jungen Studenten zu ermöglichen, durch Aussprache und den Verkehr mit älteren, das Gleichgewicht beizubehalten oder wieder zu gewinnen? Wir sind fest davon überzeugt, daß diese Bestrebung bei allen wahren Gesinnungsgenossen die rechte Würdigung erfährt und auf wohlwollende Förderung und thatkräftige Unterstützung r-chnen kann, zumal cs sich darum handelt. Männer heranzubilden, die naturgemäß dazu berufen sind, in den jüdischen Gemeinden eine sübrende Stellung cinzunehmen und Einfluß auf Kreise zu gewinnen, welche von den berufenen Verfechtern von Tbora und Glauben bisher leider so wenig beeinflußt werden konnten. L. Rußland. Petersburg, 29. Juni. (RussischerGroßf ü r st und Jude.) „Zur Zeit der Judenverfolgungen aus dem Moskauer Gouvernement". so erzählt man sich in Rußland, „hat sich folgende Episode zugetragen: Großfürst Sergius ließ sich in seinem Winterpalais und Wintergarten das elektrische Licht einführen. Zu dieser Arbeit war der renomnrirteste Elektrotechniker dieser Gegend berufen. Als die Probebcleuchtung stattsand. bei der der Großfürst zugegen ivar, ließ er den Elektrotechniker zu sich kommen. Nachdem ihm dieser über jedes einzelne Objekt genaue Aufklärung gegeben hatte, klopfte ihm der Großfürst auf die Schulter und sagte: „Sie haben Ihre Sache gut gemacht, Meister Jsackow. Ich ernenne Sic zu meinem Hoflieferanten, der.n ich bin sehr zufrieden." Hierauf schüttelte er ihm freundschaftlich die Hand. „Ich bin überglücklich, die hohe Anerkennung Eurer kaiserlichen Hoheit erworben zu haben," erwiderte Jsackow, „und ich werde stets bemüht sein, mich der hohen Auszeichnung, den Hoflieferantentitel führen zu dürfen, würdig zu erweisen. Nur gestatten mir kaiserliche Hoheit, eine unterthänigste Bitte zu Füßen legen zu dürfen." — Mas

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