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Der Israelit · 1904-07-04 · Heft 53 (4.7.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 53 (4.7.1904)
Date
1904-07-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1120 seine Schuldigkeit hielt, „das Wichtigste* tzewachen. Diel Muhe kostete ibn ferner die Besorgung von Zellen für die wenigen verhafteten Mordbuben, damit ste nicht etwa irgendwo auf dem Hofe unter freiem Himmel wärien mußten. Ergingsogar soweit, für sie telephonisch Brod zu bestellen, denn sie sind ja auch Menschen und sollten nicht hungern. Er hätte eigentlich noch mehr der schonen Handlungen ausfindig macken können, da alle in der That in sein Restart hinein gehörten und genügend Arbeit verschaffen konnten, Wahrend vor seinem Hause die Leute in Blutlachen ertranken. Ich will aber diese Thatigkeit von Raabens verkästen. Ich glaube kaum, daß irgend ein Gericht diesen — den größten — Theil seiner Vertheidigungsschrift ohne Mscheu lesen, geschweige denn als wirkliche Entlastung binnebmen wird. Ich gehe darüber hinweg zum kleineren Tbeile der Schrift. Webster die Maßregeln zur Unterdrückung der Meuterei schildert. Herr von Raüben schildert die beiden Tage getrennt, aber beiden Theilen ist eines gemein: weder am ersten noch am zweiten Tage hat er sein- Zimmer verkästen, den ersten wie den zweiten Tag hat er am Telephon zugebracht. Herr von Raaben überlegte: „Wenn ich auf die Straße hinausgehe, so kann ich doch in jeden: Augenblicke nur an einer Stelle sein und es konnte gerade geschehen, daß ich mich an einer weniger wichtigen aushalte.' während an einer anderen was Wichtiges vor sich geht. Es wird also am vernünftigsten sein, wenn ich in meinem Zimmer bleibe und harre der Dinge, die mir telephonisch gemeldet werden.* * So blieb er da am Televbon. Er übersah nur die KleintakcU, daß 'in derartig wichtigen Augenblicken seine Hauvtkrast in dem unmittelbaren, Persönlichen Zugreifen besteht: seine Blicke, seine Ausfastung. seine Stimme — das sind die Hebel, welche ihm zu Gebote stehen, um die schwere Last zu bewältigen. — Deßweaen ist auch sein Sitz dort an Ort und Stelle. Woru sollte denn sonst der Gouverneur in Kisckinew sitzen? Warum sollte nicht lieber ein zentrales Televbon in Detersbura sein, welches mit dem ganzen lveiten Rußland Verbindung hätte und überallhin die Weisungen des Leiters hinaüstruae? Man würde dann nirgends einen Gouverneur brauchen. Aber Herr von Raaben faß am Televbon und wartete, was Augenzeugen ihm über den Zusammensturz des ihm anvertrauten Gebäudes beachten werden. — Er nahm wohl an. daß die Mördbuben an jeder Straßenecke und vor jedem Hauke erst e'tn Telephon anlegen werden und keiner von ihnen einest Schlag ausüben wird, bevor er davon den am Telephon itz' seinem Arbeitszimmer sitzenden Gouverneur''deMddig^''. ^''So chra^t^ ber Gouverneur hie Heiden ersten Tage zu? DäM koMneü die Details nach der SÄrldkrunq de8 Herrn v. Raaben. Um 5 Uhr Nachmittags wurde ihm gemeldet, daß die Krawalle begonnen haben. Er ließ sofort anspannen und bestellte eine Schwadron Kavallerie und eine Kolonne Infanterie. Der Wagen fährt vor, das Militär kommt an. Herr v. Raaben ruft den Polizeipräsidenten an, er hört, daß dieser draußen ist, und nun kommt jene klastische Ueberlegung. Das Hörrobr wird an den Halen gehängt und der Gouverneur bleibt am Telephon sitzen. Draußen steht der Wagen, die Schwadron Kavallerie und die Kolonne Infanterie, drin sitzt Herr v. Raaben. Und das ist alles, was der Gouverneur von Beffarabien am 6. April zur Beilegung ver Krawalle gethan bat. Er behauptet allerdings, er habe noch was geleistet, aber ich behaupte, daß das nicht wahr ist. Herr v. Raaben schreibt' „Ich erkannte sofort die Nothwendigkeit, Militär zu fordern: ich forderte es beharrlich und kategorisch und es begann auch, sich zu sammeln und die von mir bestimmten Positionen einzunehmen. Dabei gab ich die . Weisung, alles anzuwenden, und im Nothfalle von der Waffe Gebrauch zu machen* u. s. w. Man mußte danach annebmen, daß schon am ersten Tage alles Kischinewer Militär mobilisirt wurde, und zwar auf die Forderung des Gouverneurs hin. Das Oberhaupt der Kischinewer Garnison, Generalleutnant Beckmann, und der Hauptmann des dortigen Regiments. Rauch, sagen dagegen aus. daß das Militär nicht alarmirt worden ist. von Mobilisation war leine Rede. Positionen wurden vom Gouverneur nicht bestimmt (wie sollte er sie auch bestimmen, der nichts von ihnen, wußte?), Verordnungen über den Gebrauch der Waffe waren nicht erfolgt, sondern Herr v. Raaben saß zu Hause und wartete. Am Marktplatze war eine halbe Schwadron Kavallerie ihätig, an einer anderen Stelle eine oder zwei halbe Schwadronen Infanterie, aber kein Mensch. wußte, auf westen Veranlassung, und gar bald wurden auch sie vom Polizeipräsidenten heimgeschickt. So verstrich der 6. April. Der Wagen wartete, die Schwadron Kavallerie und die Kolonne Infanterie bewackten den in seinem Arbeitszimmer sitzenden Gouverneur, und der Gouverneur saß und wartete. Herr v. Raaben schreibt bei der Schilderung des zweiten Taaes. er habe das ihm zu Gebot gestandene Militär ohne Verzögerung dorthin diriqirt. wobin Hilfe verlangt wurde. Ich behauvte und übernehme den Beweis dafür, daß nicht einmal die Schwadron und die Kolonne, welche vor dem Hause des Gouverneurs standen, irgendwohin diriqirt wurden, daß sie vielmehr am ersten.wie am zweiten Tage bis zum Schluß der Ereignisse dablieben und den im Zimmer sitzenden Gouverneur bewachten. — Bevor ich jedoch zum zweiten Tage übergehe, will ich noch einmal die reiche Thätigkeil des Herrn von Raaben am ersten Tage zufamwensaffen..— Sie ist - ebensowohl in der Anklageschrift, wie in der Resolution..- .. des,.Odessaer Strafaerichtes zum Kischinewer Kriniitz-H nalprozesse charakterisirt. Beide erklären^ daß die Kral ,

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