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Der Israelit · 1904-06-30 · Heft 52 (30.6.1904) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 52 (30.6.1904)
Date
1904-06-30
Page
– (sequence 30)
Language
German
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1116 wären. Sagt doch selbst Schiller „auf ein e r (?) Bank von Stein will ich mich setzen/ eine Wendung, bei der er sich trotz aller von seinen Kommentatoren gesuchten philologischen Spitzfindigkeiten meines Erachtens doch geirrt hat, und Goethe sagt, „Wer ruft mir" (Faust) und ferner „Rusen Sie meiner Frau" (Goetz v. Berlichingen); trotzdem wird es aber niemand einfallen, Schiller oder Goethe den Vorwurf mangelnder grammatikalischer Kenntniß zu machen. Wenn Referent Goldschmidt einen Vorwurf aus der Ausdrucksweife macht „man lege ihn zurück, bis diese Zeit beranreicht, ohne während dessen Erecutionskraft zu haben", so ist das nur ein Beweis, daß dem Referenten juridische Begriffe und Ausdrucksweise gänzlich fremd sind?') denn, wenn man sich vielleicht bei ausführlicherem Ausdruck auch in einem besseren Deutsch' hätte ausbrücken können, so ist doch, was gesagt werden sollte, vollkommen klar und verständlich. Aber, wer Fehler finden will, findet ste bekanntlich immer, und ich will mich verpflichten, in irgend einem anerkannt hervorragenden Werke der Gegenwart oder Vergangenheit so viele Febler oder Undeutlichkeiten, oder tbeilweise ungenügende Verständlichkeit zu finden, wie Jemand verlangt. Man lese unsere großen Philosophen, Kant. Hegel, Fichte, Nietzsche und nur derjenige wird sie begreifen. der sich in sie hineingearbeitet und sie studirt hat. Wenn Referent beute an eine Uebersetzung des Talmuds den Anspruch stellt, daß diese sich "lesen müßte, wie ein Roman, oder ein Feuilleton, so sind das eben durchaus unberechtigte Ansprüche, die gar nicht scharf genug, zurückgewiesen werden können?") Der Talmud ist nur für solche bestimmt, die ihn studiren und in seinen Geist eindringen wollen. Von diesem wirklichen Studium kann den Leser eben so wenig das Original, wie die Uebersetzung entbinden, die letztere soll nur demjenigen das Verständniß erleichtern, dem das Original nicht verständlich ist: die Uebersetzung eines derart schwierigen, wohl des in der ganzen Weltlitteratur am schwierigsten zu übersetzenden Werkes kann und wird aber niemals den Anspruch erheben, das Studium des. Talmuds überflüssig oder auch nur entbehrlich zu machen. Referent hat e? nicht fiir angezeigt erachtet, aus den absolut korrekten Tex t31) und die ganze außerordentlich korrekte Ausführung des Werkes hinzuweisen: er wird vergeblich nach erheblichen Druckfehlern, 29> tfüt dens-nigen. welcher normales Den tick zu lvrecheu imh zu lesen vlleqt, ist Goldsch nidtS Ausdrncksweise aber wckt verständlich. Oder letzt Herr G. als Leser seines Werkes nur Tturisten voraus? Dann.würde ick mich wiederum, di Lina! im Interesse aller Richturltzen. herzlich freueiu , , 30) Eine Talmndübersetznng braucht sich noch immer nicht w»e ein Roman oder wie ein Feuilleton zu lesen: aber ne mutz, wenn sie überhmwt aeschricben werden soll. wenigstens lesbar s in. 31> Ueber den Text bade ick mich aus dem in mcmem Referat angegebenen Grunde nickt ausführlich allsgesprochen. Wenn Herr Block meine Ansicht aber kenilen lernen mm,. Io diene ihm. daß ick mit dem Urtheil der sämn,Nicken Krit-^r ilbcrclnstimnle. welche die Korrektheit und Zuverlässigkeit der Goldschmidtschen AuLgabe entschieden bestreiten. besonders im Originaltext, gesucht und wird auch solche nur in verschwindend geringer Anzahl in der deutschen Uebersetzung, wenn überhaupt, gefunden haben?*) Wenn man ein derartiges Lebenswerk in seiner Gesammthe'it und nach seinem ganzen Umfange würdigen will, genügt es auch nicht, zwei einzelne Traktate einfach abzuurtheilen") und Mängel darin zu suchen, um ste schließlich mit Mühe u. Roth zu finden/*) sondern man muß sich in die Arbeit des Nebersehers selbst hineinzudenken und zu vertiefen suchen, um dann erst einzusehen, welche enorme Leistung der Herausgeber und Uebersetzer uns mit dem Werke gegeben hat. Wenn Referent nur ein einziges Mal aus einer fremden Sprache ein ganz einfaches Schriftstück in die deutsche Sprache zu übersetzen versucht hätte?") würde er die ungeheuren Schwierigkeiten begreifen, die sich der Uebersetzung orientalischen Schriftthums in unsere deutsche Ausdrucks- und Gedankenweise entgegenstellen, und er würde sicher nicht eine derartig ungerechtfertigte und niemals zu Recht bestehende Kritik geübt haben. Um mich nicht dem, wenn auch rühmlichen Verdachte auszusetzen, als sei ich selbst ein Talmudkenner, bemerke ich nur noch zur Klarstellung, daß ich die oben angeführten Stellen mit einem Kenner des Talmuds durchgearbeitet habe, während ich bezüglich der deutschen Passus wohl das Recht in Anspruch nehmen darf, meine Meinung zugleich mit der aller objektiv Denkenden der Ansicht des Referenten gegenüber zu stellen. Im klebrigen bemerke ich. daß ich im Interesse der Klarstellung und der Gerechtigkeit mich hierdurch gern bereit erkläre, jedem Interessenten eine oder mehrere beliebige Bogen der Goldschmidt'schen Talmudausgabe und Uebersetzung frei und unentgeltlich zur Verfügung zu stellen', soweit disponibel auch diejenigen Bogen, die den betreffenden Leser interessiren sollten, um Jeden von der Ungerechtigkeit und Willkür der Kritik des Referenten zu überzeugen. 32) Weil ich nicht kleinlich lein wollte. Hab-» ick Uber die Druckfehler geschwiegen: auf Wnnsck will ich dem Herrn Verleger aber eine ganz stattliche Anzahl zusammentzellen. 33) Aber ivarnm bat d in» der Herr Derleg r und nunmehrige Antikritiker mir. brzw. der verehrlichen Redaction nne »zwei eirnclne Traktate" zur Beurt' .-ilui'g vorg-legt? Oder sollten diese etwa aenügen. um das Werk zn loben und nur zu einem abfälligen Urtheil nicht nnsreicken? Ich erkläre, daß ein einzelner Bogen zur Festst Üunq der Thatsache genügt, dair das Werk nicht o rdient. m t einem solchen Altfwand v.m Kotzen bergestellt zu werden. 34) Woher weiß denn Herr B.. wieviel Mi!he ich aufgewendet habe, um die Fehler zu finde? J-ü kann ihn auf Ehrenwort de» Gegentl'eiis versichern: die große Zabl von Stellen, von denen eiiicn kleinen Bruchtheil zu rechtfertigen versuchte und im ganzen zwei, sage und schreibe: zwei, ganz bezw. einigermatzen rechtfertigen konnte, habe ich meist mir so beim Blätter» gesunden, ehe ich on« eigentliche Lesen ging, und da habe ich d»e allrdäuflgsten. weil sie schon in anderen Kritiken angeführt waren, nicht nochmals aufzahlen wallen lind ferner aus Rücksicht auf den Leser viele notirte Stellen im Referat wegqelall-m. 3ö) Ob ich :a§ noch nie gethan habe, dürste dem Herr« Verleger «md Antikritiker kaum bekannt sein: wenn - eS ihn aber interessiert, werde ich mit Vergnügen bereit sein, ihm da» Gegen» theil zu beweisen.

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