Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1904)
- Date
- 1904-06-30
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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1114 sichtigen, er konnte es (am Sabbat) zur Arbeit verwenden. — Soll er dies doch thun, sobald er es gekauft hat, gehört es ja ihm!? — Hierbei wurde das Verleihen und das Vermiethen berücksichtigt." Ich will ohne weiteres zugeben, daß der Ausdruck „Bestialität" für denjenigen nicht ganz klar ist, der das deutsche Strafgesetzbuch nicht kennt und der ferner nicht weist, um was es sich in diesem Tratiat handelt; § 175 des Deutschen Strafgesetzbuches bezeichnet mit Bestialität die widernatürliche Unzucht zwischen Mensch und Thier, und nur um diese handelt es sich im vorliegenden Falle, so daß der Ausdruck überhaupt nicht prägnanter gewählt werden konnte.''') Seite 852 monirt Referent wLr> 'vp arrz'ZT, **rx c für „gibt's denn beim Himmel eine Bevorzugung", während der Passus wörtlich lautet: „Was ist nun unter „grosse" zu verstehen, wollte man sagen, wörtlich, von der grohen Gattung. (Anmerkung 20 Großvieh) so sollte er doch sagen; Rindw: wollte man sagen, große Exemplare, so gibt es doch beim Himmel keine Bevorzugung, denn es wird gelehrt" . . ..Welcher verständig Urtbeilende hätte wohl an dieser gleichzeitig wort- und sinngemässen Uebersetzung etwas auszüsetzen?! --Es würde wirklich zu weit führen, wenn ich auf alle Einzelheiten, die der Referent als angebliche Mängel angeführt hat. eingehen wollte; ich glaube durch die vorstehenden Beispiele wirklich zur Genüge bewiesen zu haben, mit welchen Mitteln Referent kämpft, und dass er sogar nicht davor zurückscheut, in der Uebersetzung eine kleine, anscheinend unwesentliche Aenderung anzubringen, um den Eindruck der mangelnden Verständlichkeit oder übertriebenen Wörtlichkeit hervorzubringen. Im An^ schluh an meine obigen Ausführungen, betreffend unabsichtlich unrichtiger Wiedergabe der wörtlichen Uebersetzung. mache ich auf den anscheinend unerheblichen Unterschied aufmerksam, der darin liegt, dass Referent monirt und als in der Uebersetzung stehend anfübrt „gibt's denn beim Himmel eine Bevorzugung", während die-wörtliche Uebersetzung. wie ich es oben gezeigt habe, lautet: „so gibt es doch beim Himmel keine Bevorzugung/^) Der Unterschied zwischen der positiven und negativen Ausdrucksweise ist gerade in diesem Falle ein sehr erheblicher. Als ähnliches Beispiel verweise ich auf die bekannte Broschüre von Grassmann. Liguori's Moraltheologie, wo auch dieser durch eine anscheinend unwesentliche Umstellung, indem er anstatt Knabe, Mädchen setzte, einen wesentlich anderen Sinn hervorrief.-') Referent schreibt ferner: „Einige der interessantesten Belegstellen für die Unbrauchbarkeit der übertrieben wörtlichen Uebersetzungen seien nur noch hier citiri." Ich werde beweisen, dass diese Behauptung des Referenten ebenso unzutreffend ist. wie seine früheren: S. 897 wird die bekannte Mischnastelle, Aboda Zara, citiri, aber ohne Hinzufügung der Thatsache. dass in der Goldschmidt'schen Uebersetzung die verschiedenen - Stellen durch verschiedene Typen klar unterschieden und durch Anmerkungen deutlich gemacht sind?-) Die Stelle lautet nach der Goldsch nidt'schen Uebersetzung wörtlich: „Da lenkte ihn dieser auf eine andere Sache ab. indem er ihn fragte: Jismael, wie liest du (Anmerk. Cant. 1. 2): besser ist deine (Anmerk. Ob das Wort ■pn feminin ober masculin ist) Liebe als Wein, oder: besser ist deine (Anmerk, wie oben) Liebe? Jener erwiderte: Besser ist deine Liebe. Dieser entgegnete: Dem ist nicht so. der nächste (Vers) beweist dies (Anmerk. Cant. 1, 3): „Der liebliche Geruch deiner (Anmerk. Also masculin) Oele." Bernfcld übersetzt in seiner bekannten Bibelübersetzung die betreffende Stelle: „Lieblich an Geruch sind deine Salben, wie Oel von Thurak dein Duft, darum lieben dich die Jungfrauen." Ich will übrigens bei dieser Gelegenheit einschalten, dass z. B. der von allen Seiten anerkannte Kautzsch in seiner Uebersetzung des „Hohenliedes" wörtlich schreibt: „Er küsse mich seines Mundes Küssen." während Vernfeld klar überträgt: „Er küsse mich mit seines Mundes Küssen?^) Um aber auf den letzteren vom Referenten monirten Passus zurückzukommen, will ich nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, daß es sich andere Uebersetzer, wie z. B. Dr. Hoffmann in seiner „Mischnajoth" erheblich bequemer-') machen, indem dieser den Text Lber- 10) Wenn ..Bestialität" im Strafgesetzbuch der Aachausdruck für dasjenige wäre, was vier bezeichnet werden soll, so wäreer darum liier doch nicht in der Uebersetzung am Matze. Denn das Gros der Leser wird bei dein Worte an das denken, was man gemeinhin darunter versteht, und das ist eben etwas ganz Anderes: vergl. KonversationS» und Fremdwörter-Lexika. — UedrigenS.steüt -das Wort nickt einmal im Strafgc. setzbuch an der zitierten Stelle oder an einer anderen, die ich hätte smden können. Die Rechtfertigung nt also auch »n diesem Falle nach seder Richtung mißglückt. 20) Ich bitte zu entschuldigen. dag ich einmal vernrntbet habe. Herr Goldschinidt bätte. wenn auch nicht geschmackvoll und verständlich übersetzt, so dock wenigstens die Satzkomn.:ktwn richtig verstanden Niid wiedergeqebe>l.Äch widerrufe m aller Form. Herr Goldschmidt dat den Satz nickt nur schleckt, sondern auch falsch'übersetzt, denn es ist ei» Fragesatz und kein nega. . t l v>'C t. 2) c ö-a ii v tuntzSiatz. Ich hätte allerdums dagegen nichts ' einaeweiidef. ivciiN er d e rhetorische Frage, dem «inne entsprechend, ln einen Behanvtungssatz verwandelte, legte darum ans tnese seine .BbwciÄni-g vom Text so wenig Werth, daß ich sie unbeachtet Iicr; •mb nun kommt sein Verteidiger mit seinem Talmudkemier u,ü> verlangt vvil mir. ich solle die. ivie gesagt, unschuldige Abweichung vom Satzbau des Textes als allein richtige wörtliche Uebersetzung anerkennen, und die richtige ivörtliche Uebersetzung nicht mehr als solche.gelten lauen. 21) Zwischen einer rhetorischen Frage in positiver Form und einem Behauptungssatz in negativer Form ist dock wobl ein min« Ostens etwas geringerer Unterschied als zwischen Knabe und Mädchen bei Liguori. Difficile fst satiram n<>D scribere! 22) Die Unterscheidung durch verschiedene Typen beseitigt die Unnbersetzbarkeit und die Unverständlichkeit der Uebersetzung durchaus nickt: daß die Anmerkungen nicht ausreichen, erkennt der Leser aus der nachfolgenden Anfübruna derselben: ich muß also dem Herrn Antikritiker für seine BeweiSfnhrnttg zu meinen gunsten dankbar sein. 23) Die Uebersetzung »Deine Liebe" habe ich keineswegs an «ch als falsch bezeichnet, es hätte also kein Beweis für ihre Richtigkeit aus Bernfcld und Kautzsch erbracht zu werden brauchen. Ich hatte beanstandet und beanstande, daß hier, toü eS sich um -Laut und Klang" handelt, nicht das Tertwort im Orrgmalkaut beibehalten und die Uebersetzung etwa in die Anmerkungen oer» wmen wurde mid ich hatte eiqenS darauf anfmerksam gemacht, dag -verr G. die Unübersetzbarkeit einer ähnliche» Stelle erkannt hat. also auch hier hatte ebenst, verfahren sollen. £0 Das ist eben nicht „bequemer" sondern die einzige Mag-