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Der Israelit · 1904-06-30 · Heft 52 (30.6.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 52 (30.6.1904)
Date
1904-06-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1105 QcjtciQcricn Jfitilnc^nitr, fonbccn Dor äDcin in der Freudigkeit und in dem Eifer kundgibt, der sich beim Lernen entfaltet. Nachdem ein kleiner Abschnitt vorn Vortragenden übersetzt und erläutert worden ist. wird derselbe von einem der Jüngeren im Wortlaut und von einem der Aelteren dem Sinne nach wiederholt. Hieran schlicht sich eine lebhafte Diskussion, in welcher Fragen aufgeworfen und erörtert und vorhandene Schwierigkeiten dargelegt und beseitigt werden. Am Simchas Thora-Feste machten wir einen Sijum auf Massechet Beza. Es war ein Tag wirklicher Herzensfreude für alle diejenigen, welche aus dem ewig lebendigen Quell der Worte unserer Wnsen Belehrung und geistige Anregung geschöpft hatten. Wir haben nunmehr die Massechta Peffachim zu lernen an gefangen. Am Donnerstag Abend wird, seitdem wir die Lektüre der kleinen Propheten beendigt haben. Pentateuch mit Raschi und Sifse Chachomim vorgetragen. Das Bethamidrasch wird außer zu den obigen Borträgen, nach welchen maariv bismanau gebetet wird, zum Jugend-Gottesdienst am Sabbat Nachmittag und zum Chewre-Lernen am Sabbat Vormittag, bei welchem unsere 86 Sitzplätze selten ausreich-n, benutzt. Es war uns ein Vergnügen, das Bethamidrasch am Dienstag Nachmittag dem aus mehr als IM Mitgliedern bestehenden Malbisch Arumim- Vcrein für seine Thätigkeit zu Gunsten der Armen und am Montag den jungen Mädchen, die für das Waisenhaus nähten, zur Verfügung zu stellen. Viele durchreisende arme Leute, die sonst in Wind und Wetter aus der Straße hätten bleiben oder ein Wirthshaus aufsuchen müssen, fanden in unserm behaglich durchwärmten Bethamidrasch einen Zufluchtsort, an welchem Zeitungen und Bücher zur Lektüre einluden. Ungarn. Sarvar (Ungarn). Am ~rbr.z 's r.zv ist Frau Sali, geborene Proßnitz, Gattin des in den weitesten Kreisen verehrten Mitgliedes unserer Gemeinde, Herrn Samuel Schwär z. durch den eingetretenen Tod von den unsäglichen Leiden und Schmerzen, welche sie Monate lang an ihr Lager fesselten, befreit worden. Die Verblichene war eine Enkelin des berühmten pw brt psascs brrri vto, der in Preßburg unter dem *isis srn als p r: c»1 fungirte. und erreichte ein Alter von 60 Jahren. Tieferschütternd war es. als Tags darauf Se. Ehrw. Herr Rabbiner Tobias Fischer, anknüvfend an den r* ^•T0 's-.s*p "w' cvr tfw i-m die Verdienste der Verstorbenen Hervorbob und den Verlust schilderte, den nicht nur der schwergeprüfte Gatte, dessen treue und liebevolle Lebensgefährtin, nicht nur die Kinder, deren aufopfernde Mutier sie gewesen, nicht nur die Wittwen und Waisen und die Armen überhaupt, deren bedrängte Lage sie stets zu lindern trachtete, sondern die ganze Gemeinde, ja das ganze Judenthum erlitten. War doch die Entschlafene mit den herrlichsten Attributen, mit den besten Eigenschaften, mit den schönsten weiblichen Zierden ausgestattet. Was Wunder demnach, sprach der Rabbi, wenn die Zurückgebliebenen schier verzweifelt um ihre sterblichen Ueberreste versaminelt sichen. Aber, mahnte der Rabbi, beruhigt Euch, sie war eine rancn nnt. eine mw ne>», eine rurx und sie wird nun die Früchte ihrer Mühe genießen. Beruhigt konnte sie von dannen scheiden, weil man doch auf ihre Kinder sagen kann oto “ir c’irc e’anx, darum cj’J’y ora uw richtet Eure Blicke nach oben und merkt Euch den Anspruch' des göttlichen Propheten: „Verdorren muß das Gras, verwelken die Blume und Gottes Wort hat ewigen Bestand." Ergebt Euch dem unerforschlichen Rathschluß Gottes, der die Wunde geschlagen, Er wird Euch Kraft geben, dieselbe zu ertragen, und wird Euch wieder aufrichten. Unter Betbeiligung einer großen Menschenmenge wurde die Dahingeschiedene alsdann zu Grabe getragen, rraaun. I. P.. B. Rußland. Odessa. '(Oberbürgermeister Sel- . jonni an Herrn v. Plehwe.) Kurz vor den diesjährigen russischen Ostern . tauchte bekanntlich in der gelammten europäischen Presse das bestimmte Gerücht über bevorstehende Judenkrawalle in Siidrußland, speziell in Odessa, auf. Wie sehr dies Gerücht begründet war und welcher Gefahr die Juden von Odessa. Kischinew und Rikolajew entgangen sind, beweist ein Schreiben des Stadthauptes von Odessa, P. Seljonni. an Herrn von Plehwe, welches jetzt im Wortlaute bekannt wird. Das vom 30. Mär.; datirte Schreiben beginnt mit einer Schilderung der von der „Rowoje Wremja" des Herrn Suworin und der (inzwischen eingegangenen) „Snamja" des Ehrenkruschewan in Odessa betriebenen formten Judenhetze. Danach ist der edle Kruschewan Ende Februar mit einem ganzen Heer von Trabanten in Odessa erschienen, um sein Blättchen „Snamja" in Zehntausenden von Exemplaren zu verbreiten. Auf den Straßen, in Hotels und Restaurants, in Läden und in den Zeitungspavillous wurde das Blatt dem Publikum aufgedrängt, ja selbst als Wurst- und Käsepapier bei demselben eingeschmuggelt. Dann heitzt.es in dem Schreiben wörtlich: „Das Volk reißt sich um die „Snamja". ihr bluttriefender Inhalt wird lebhaft diskutirt. So wird der Pöbel mit dem Gift des Aufruhrs und des Kratpalls bis zur Uebersättigung gefüttert. Schon spricht man von dem zu Ostern bevorstehenden Judenkräwall als von einer feststehenden Thatsache, schon werden Bor*

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