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Der Israelit · 1904-06-30 · Heft 52 (30.6.1904) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 52 (30.6.1904)
Date
1904-06-30
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1106 bereiturigen dazu ganz ungemrt auf offener 3tra&«; betrieben. Dieselbe Katastrophe wie in Kischinew wird ■ von demselben Kruschewan jetzt für Odessa vorbereitet. ' Auf den Straßen tauchen in kleinen Gruppen von 20 . bis 30 Mann sehr verdächtig aussehende Gestalten auf. - welche angeben, nach Odessa gekommen zu sein, nur die j Stckdt zu besichtigen. Ich kann mich noch am den! Odessaer Judenkrawall von 1881 besinnen, und die > große Aehnlichkeit in der Volksstimmung und den zum j Krawalle getroffenen Vorbereitungen von damals und jetzt veranlaßt mich, an Ew. Excellenz das gegenwärtige Schreiben zu richten. Auch damals wurde gegen die Juden in gewissen Blättern systematisch gehetzt, wenn auch die damalige judenfeindliche Presse auch nicht im Entferntesten das drucken durfte, was jetzt in der „Snamja" ungestraft erscheinen darf. Die Wirkung einer solchen Presse im Anstedlungs-! rayon ist eine ganz andere als in Petersburg, Moskau und sonstigen Gebieten mit einer verschwindenden jüdischen Bevölkerung, und was für jene Gegendni unschädlich sein mag. ist für unser Gebiet äußerst gefahrvoll. Der hiesige Pöbel kennt die Folgen der Judenkrawalle und weiß aus eigener Erfahrung, daß die Tbeilnehmer und Veranstalter von Judenexcessrn in Neunzehntel der Fälle völlig straflos ausgehen. Ich höre auch, daß die von den Behörden atierkanntc antisemitische Studentenverbindung „Einheit ist Macht" in aller Offenheit den Judenkrawall organisirt. Ich bin — schließt das Schreiben des Herrin Seljonni — Stadthaupt von Odessa und habe als solches die Interessen der meiner Fürsorge anvertrauten Stadt, ohne Rücksicht auf Religion und Rationalität, zu vertreten. Ich weiß am besten,-wie schwer Odessa an den Folgen der Pest und den vorjährigen Strikes gelitten hat. Würde jetzt noch ein Krawall ausbrechen, so ist die Stadt um Jahrzehnte in ihrem Gedeihen zurnckaeworfen." Nun, der Krawall wurde von Herrn v. Plehwe schließlich noch in der elften Stunde abgewinkt, d?s geschah aber keineswegs etwa aus Furcht, den Fortschritt von Odessa zu hemmen, sondern weil die Sozialisten im Vereine mit dem jüdischen „Bund" mit eineu: Gegenkrawall gedroht, und weil ferner die Juden den Behörden erklärt haben, im Falle man in ihre Häuser eindringen sollte, dieselben sofort und unbekümmert um die etwaigen Folgen in Brand zu stecken. Einem Herrn v. Plehwe gegenüber sind Bitten und logische Vorstellungen verlorene Liebesmühe und nur die Drohung, Gewalt mit Gewalt zu vergelten, konnte ihn einigermaßen zur Raison bringen. Palästina. - Jerusalem. Man berichtet der „Kölnischen Volkszeitung" aus Jerusalem: Von hier sind zwei Begebnisse mitzutheilen. Zunächst, daß die Stadt eine wöchentliche einmal erscheinende Zeitung erhalten hat. Sie führt den Titel „El-Kuds esch-csheruf". und wird in türkischer und arabischer Sprache herausgegeben. Sie ist vor allem ein Regierungsblatt und kennzeichnet sich durch einen stark lobhudelnden Ton gegenüber allen höherstehenden und einflußreichen Personen in Verwaltung, Rechtsprechung, Polizei u. s. w. Di« Vorsteher der Dorfschaften, die oft genug nicht lesen und schreiben können, sind gezwungen, das Blatt, das den Herausgebern unter allen Umständen einen entsprechenden Gewinn bringen muß., zu halten. An Verfügungen, die mit großem Pompe ausgeführt werden, kehlt es in der neuen Zeitung nicht. Die Uebertretungen der Verordnungen sind aber dadurch noch zahlreicher geworden. Eine in Wirklichkeit sehr notwendige Verordnung, die das Abhauen der Bäume und das Ausroden noch lebensfähiger Wurzeln verbietet, scheint die Folge zu haben, daß die Wald.- und Baum- und Wurzelvertilgung nur noch eifriger betrieben wird. Der arme Bauer in Palästina muß eben etwas verdienen; und die Gesetze werden gegeben, damit sie übertreten werden! — Das zweite, und Zwar recht erfreuliche Ereigniß ist die Auffindung einer Quelle lebendigen Wassers. Das Geschick eines englischen Quellenfinders hat am Wege nach Bethlehem in der Nähe des Bahnhofes den Besitzer eines Grundstückes, einen Griechen, auf eine Wasser verheißende Stelle aufmerksam gemacht. Der Grieche begann dort Zu graben und ist so glücklich gewesen. in einer Tiefe von 35 Meter gutes, frisch aufsprudelndes Wasser zu finden. Schon nach einigen Tagen klärte es sich mehr und mehr ab; die feinen Mergeltheilchen. die es zufolge seiner Bodenbeschaffenheit mit sich führte, schlugen sich nieder, und das Wasser erwies sich als rein und trinkbar. Darob große Freude in Jerusalem! Bisher hatte man. so viel bekannt, keine Quelle in Jerusalem gefunden. Man will durch weitere Bohrungen den Sprudel vergrößern und hofft sogar gemäß Versicherung des englischen Entdeckers, noch an anderen Stellen in der Umgebung der heil. Stadt Quellwasser aufzufinden. Dies wäre eine wahre Wohlthat für alle, die jetzt nur auf das in Zisternen gesammelte Regenwasser angewiesen sind. 0«benSv,rücherungS-««selNchaft ,« LeipUg. auf Gegenseitigkeir errichtet 1830 lalte Leipziger). Die un verflogenen Jahre erzielten Resultate sind, soweit sie sich zur Zeit, da der Rechnungsabschluß noch nicht vollendet ist. übersehen lassen, wiederum sehr erfreuliche gewesen. In der TodeSfallabiheilung sind 6060 Versicherungen über M. 57.502.300 Dersichcrungssuinme beantragt und 5006 Bersiche rungen über M. 47.868.800 abgeschlossen worden. daS find 433 Ber stcherungen niit M. 3.009.500 Versicherungssumme mehr a!S im Vorjahre. Ebenso war in der LebenSfallabtheilung der Zugang gröber als im Jahre 1902. so daß daS Jahr 1003 mit einem Geammtzugang an neuen Versicherungen in Höhe von rund 50 Millionen Mark alle früheren Jahre Ahertrisst. -

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