Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1904)
- Date
- 1904-06-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1096 und eine Einigung über die Prinzipien der Selbstverwaltung erzielt werden wird. Indessen sind Vertreter des Colonialtrust nach Ostafrika abgegangen, um das den Juden zur Verfügung gestellte Territorium zu besichtigen und zu sehen, ob es ihren Erwartungen entspricht. (Die Mittheilung ist eine Neuigkeit, von der die Ugandagegner'im zionistischen Lager wenig erbaut sein werden. Im zionistischen Lager hieß es immer, die Commission sei noch nicht abgegangen, weil die Kosten der Expedition noch nicht aufgebracht werden konnten. Nun erfährt man aus dem Munde der englischen Regierung, daß die Expedition schon langst unterwegs seil Red.) Ss lange diese Gentlemans ihren Bericht noch nicht erstattet haben, darf ich dem Hause keine Mittheilung machen. Dennoch darf ich jetzt schon sagen, daß weder die Rechte der britischen Unierthanen, noch die der Eingeborenen durch das ostafrikanische Projekt im geringsten geschädigt werden sollen. Den Interessen der britischen Unterthanen ist insofern Rechnung getragen worden, als das den Juden angebotene Land durchaus nicht an der Eisenbahn gelegen ist. (Die an dieser Stelle mitgetheilte Nachricht der „Jewish Chronic le", wonach der geplante Judenstaai in Ostafrika fünf englische Meilen südlich der Ugandabahn gelegen sein wird, wird also hiermit offiziell demcntirt. Red.) Das Land liegt ferner in der Provinz Naivasha, zwischen Victoria- und Rudolphsee, wo es faktisch keinen einzigen Eingeborenen gibt. Es ist ein absolut unentwickeltes Land, etwas von der Eisenbahn entfernt und die Juden werden da mit den Europäern kaum in nahe Berührung kommen können. (Die Juden werden sich vermuthlich für so eine Wildniß bedanken! Red.) Er müsse allerdings zugeben, daß die Regierung sich keineswegs, ausschließlich von financiellen Motiven, habe leiten lassen. Bis zu einem gewissen Grade haben da auch die Sympathien eine Rolle gespielt, welche jede christliche Nation, namentlich aber das englische Volk für eine Rasse hegen soll, das während einer Jahrhunderte dauernden Verfolgung mit wunderbarer Ausdauer an die Prophezeiungen seiner Propheten glaubte. Redner ging dann näher auf die Amtsniederlegung des Gouverneur Sir Charles Eliot ein. welcher viel mit der Frage der Eingeborenen, aber nicht mit dem jüdischen Ostafrikaprojekt.zu schaffen hatte, und fährt dann fort: Seit Bekanntwerden der Verhandlungen der Regierung mit dem jüdischen Colonialtrust hat der Strom der Ansiedler nach dem ostafrikanischen Protectorat, von dem bis dahin Niemand etwas wissen wollte, derartig große Dimensionen pngenommen, daß das ganze längs der Eisenbahn, zur Disposition stehende Land bereits vergeben ' ist und daß die Regierung sich genöthigt sah. weitere Concessionen in der Provinz Naivasha zu verweigern, da man sonst den Interessen der Masais nahe treten würde. Sir Charles Eliot war mit dieser Bestimmung zum Schutze der Rechte der Eingeborenen nicht einverstanden und legte sein Amt nieder. Sir Edward Grey: Mancher stößt sich daran, daß das Land grade für jüdische Ansiedler bestimmt ist. Wir alle wissen, was Antisemitismus ist und was diesen Antisemitismus veranlaßt hat. Allein es gibt noch Menschen, die über die Juden auch anders denken! Es ist das ein Millionenvolk, dessen Angehörige, eine lange Reihe von Generationen hindurch, über die ganze Erve zerstreut sind, ohne Heimath und ohne Hoffnung. Ich sage es frei heraus: Jeder Versuch, diesem Volke innerhalb der Grenzen des britischen Weltreichs eine Heimath und eine Zuflucht zu schaffen, besitzt meine volle Sympathie (Cheers). Es sprachen noch einige Redner hauptsächlich über die Amtsniederlegung des Gouverneurs Sir Charles Eliot, worauf der Antrag Mr. Wasons ohne Abstimmung abgelehnt wurde. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 22. Juni. Der Neubau der Synagoge der Jsr. Gemeinde „Adaß Jisroel", welcher in der Artilleriestraße 32 errichtet wird, geht seiner Vollendung entgegen. Er wird demnächst von den Baugcrüsten befreit werden; es fehlen dann nur noch die Malerarbeiten sonie das Aufstellen der Bänke. Auf dem ca. 1940 Quadratmeter umfassenden Grundstück wird nach den Plänen der Architekten Hoeninger und Sedelmeier vom Baugeschäft Jos. Frankel eine ca. 450 Männer- und ca. 350 Frauenplätze fassende Synagoge errichtet, welche neben allen erforderlichen Nebenräumen ein Rabbiner- und ein Kantorenzimmer vorsieht. Sie hat zwei Stockwerke, nämlich die Männersynagoge, zu welcher zwei Eingänge von beiden Seiten führen, im Erdgeschoß, und die Frauensynagoge auf den Emporen. Das Mittelschiff erhält eine Kuppel, so daß die gesammte Jnnenhöhe der Synagoge ca. 23 Meter beträgt. - Die gleichfalls von einer Kuppel überdachte heilige Lade wird mit einem feuerfestem Gewölbe versehen, ebenso der Raum unter dem Aufgange zu ihr für die Aufnahme der heiligen Geräthe. Im Vorderhause befinden sich außer mehreren Wohnungen, an der vorderen Durchfahrt im Erdgeschoß, die Bureau- und Sitzungsräume der Gemeinde auf der linken, sowie die Mikwah und zwei Schulzunmer auf der rechten Seite. Tie Mikwah (Badeanstalt) erhalt sechs Zellen, von denen eine jede eine Badewanne und ein rituelles Badebaffin enthält. Ein gesondertes Quergebäude Hot sich das Rabbinerseminar miethsweise eingerichtet, welches in drei Stockwerken fünf Hörsale und einen großen Bibliotheksaal (Aula) enthält.