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Der Israelit · 1904-06-30 · Heft 52 (30.6.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 52 (30.6.1904)
Date
1904-06-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1094 Aber der finstere Trotz und die Verbissenheit war aus seinen Zügen geschwunden und eine feste, ruhige Milde sprach so sichtbar aus den Mienen des Alten, daß der Jüngling ohne jede Erregung oder Bitterkeit die Frage wiederholte: „Warum habt Ihr mich Jude genannt?* „Weil Ihr einer seid!* entgegnete ruhig der Gefragte. „Ihr seid nicht der Sohn des Grafen und der Gräfin Esterhazy, unseres erlauchten Herrn, sondern der Sohn des jüdischen Arendars Mosche Schalem, der vor sechszehn Jahren entflohen ist. Ihr seid ein Jude." Der Jüngling sah den Sprecher starr an, einen Augenblick meinte er doch an dessen Zurechnungsfähigkeit zweifeln zu sollen. Aber da kam ihm wie eine Erleuchtung von oben der Gedanke an das hebräische Buch, das er neulich gefunden und an die Geflissentlichkeit, mit welcher sein Vater es ihm fortnahm, sowie an die väterliche Abneigung gegen die Erlernung des Hebräischen. Das Buch rührte, wie ihm sein Vater sagte, von einem entflohenen Arendar her. Damals hatte sein Vater verlangt, er solle sich selber mehr in Feld und Wald umschauen. Die Befolgung dieser Mahnung hatte ihn mit diesem Arbeiter zusammen geführt, sollte dieses Zusammentreffen ihm ein Geheimniß enthüllen, das Niemand so nahe berührte, als gerade ihn? — „Aber woher wißt Ihr das alles?" fragte fiebernd vor Aufregung der junge Graf. „Ich bin nicht der Einzige, der es weiß," erwiderte mit gedämpfter Stimme der Gefragte. ..Im Schlosse wissen es außer dem Grafen und der Gräfin die Acltesten der ganzen Dienerschaft. Im Kloster weiß man es und in der jüdischen Gemeinde Veßprim ist es bekannt, daß Ihr durch Geburt ein Jude seid. Aber Wenige wissen alle Einzelheiten so genau als ich." „Und von wem stammt Euch diese genaue Kunde?" forschte der Jüngling. „Eure Durchlaucht --verzeiht, ich bringe das Wort nicht über die Lippen, ich kann Euch nur als einen gewöhnlichen Bürgerlichen anreden. Ihr habt mir zur Sühne die Gewährung eines Wunsches versprochen. Wenn ich verlangen darf, daß Ihr Euere Hand zum Handschlag in die meinige legt und mir so eidlich versprecht. ohne mein Wissen und Wollen keinen Gebrauch von diesen meinen Mittheilungen zu machen, so will ich Euch alles erzählen." Der Graf legte seine zarte, weiße Rechte in die schwielige Arbeiterhand und sprach: „Ich verspreche es." „Aber überlegt es noch einmal," sagte der Arbeiter, „Ihr seid Jude, und ich bin es auch. Nach jüdischem Recht hat der Handschlag Eideskraft^ Ihr seid also durch Euer Wort mit einem Eid gebunden!" „Ihr könnt Euch auf meinen Handschlag wie auf einen Eid verlassen," bemerkte der Jüngling, „ich werde mich Eueres Vertrauens würdig erweisen. — Aber Ihr seid ein Jude? Das hätte ich nicht gedacht. Ihr tragt ja einen feschen Schnurrbart wie ein achter Magyar, wie heißt Ihr denn?" „Ich heiße von Haus aus Hirsch Pappenheim,* erwiderte seufzend der Gefragte. „Hier heiße ich Arnim; ich werde von mir noch zu sprechen haben, denn meine Lebensgeschichte ist mit der Eurigen sehr innig verknüpft. Aber es ist nicht gut, wenn wir hier die Geschichte erzählen, die lange Zeit in Anspruch nehmen wird. Wenn uns Vorübergehende so lange beisammen stehen sehen, muß es ihnen auffallend Vorkommen. Ich schlage Euch vor, uns in die Hütte da oben in den Weinberg zu setzen, da stört uns jetzt Niemand." Ignatius willigte ein und begab sich mit dem Besitzer seines Lebensgeheimniffes in das Wächterhäuschen in der Höhe der Weinberge. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich ewelmnl, montags nnd Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Polt 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehr! durch D. Z?. Slrinarkrr, Leipzig, Rohplah J8. — Inserate 25 Pfennig die viergespalten« Nonparcillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclamctbeil 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, au die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 5932. Telephon 1015. Stellcsuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und strcitag erscheinende »Kleine Ausgabe des Iöraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe* längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indcß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren Auf Wunsch stunden wir die Zahlung des ZnfertionSbetragS au außer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solchen. Berlin. elngegangene Bücher. VerantworÜtche Ocdactlon: OSear Lehmann ln Mainz. — Expedition der ^raelit". CchotKraße Nr. 2. Mainz. DruS und Leüaa der I ob. Dtrtblchea Hosbuchdruckeret Nctien-Sesellichaft ln Mainz. HLerzrr drei Beilagen.

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