Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-06-30 · Heft 52 (30.6.1904) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 52 (30.6.1904)
Date
1904-06-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450034--60929-2521961
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1092 ist ein Monument echt jüdischer Wohlthgtigkeit und die kolossalen Ausgaben werden fast ausschließlich von der jüdischen Bevölkerung Johannesburgs bestritten. „The Jewish Board of Deputies for the TrMsvaal and Natal" wacht über die tieferen Interessen unserer Glaubensgenossen in den zwei Kolonieen. Es existieren hier noch weitere philanthropische Vereine, die Ihnen beschriebenen werden jedoch beweisen, daß in dieser Stadt unsere hülfsbediirftigen Glaubensgenossen nicht vernachlässigt werden. Es mangelt mir leider an Zeit, auf die verschiedenen Punkte ausführlicher einzugeben, ich will deshalb nur noch über die Gotteshäuser und Schulen sprechen. Die zwei Haupt-Synagogendieser Stadt sind täglich für Morgen- und Abendgottesdienste geöffnet. Der einen Synagoge steht Rabbiner Tr. I. L. Landau vor, ein jüdischer Gelehrter, der auch in Europa ruhmlichst bekannt ist und der keinen Gottesdienst versäumt. In der anderen Synagoge amtir4 Rabbiner Dr. Jos. Hert, der sich einer großen Popularität erfreut. In der Stadt gibt es ferner verschiedene Miujonim und Bot^-Hamidrasch, tu denen natürlich täglich Gottesdienste abgehal-en werden. In einer Vorstadt befindet sich bereits eine Synagoge und in einem anderen Vororte soll demnächst ein Gotteshaus erbaut werden. Daß für dir heiligen Tage Säle gemiethet werden, ist ganz richtig, meine persönliche Erfahrung lehrt mich aber, daß dieses auch in Berlin, Wien und besonders in London geschieht, da es unmöglich ist, für alle Juden Synagogen zu errichten. Es befindet sich hier eine große jüdische Regierungsschule, in der über 600 Kinder frei unterrichtet werden und eine Talmud Thora, in der ca. 60 Kinder freien Unterricht erhalten. In verschiedenen neutralen Schulen wird täglich jüdische Religion u. s. w. gelehrt, außerdem findet in den Synagogen jeden Schabbos und Sonntag freier jüdischer Unterricht statt, diese letzteren Klassen werden von den Predigern selber geleitet. Ich habe mich im Vorhergehenden bemüht, mich genau innerhalb der engen Schranken des Artikels zu halten und möchte noch hinzufüge',r, daß in keiner Stadt mehr für die armen Juden gethan wird, als wie in Johannesburg — in jeder Weise; sie' werden, so weit es irgend möglich ist, mit Rath und That unterstützt. Reich und Arm gibt seinen Beitrag, und noch nie hat nran an die Wohlthätigkeit der hiesigen Juden vergebens appellirt. Ihr Artikel ist einer russischen Zeitung entnommen, sonderbarer Weise sind es fast ausschließlich die Juden des östlichen Europas, die von den Tausenden von Pfunden profitiren. Im Interesse des Juden- .thums und aus Gerechtigkeit gegen Ihre hier wohnen- ' den Glaubensgenossen, ersuche ich Sie. diesen Brief zu veröffentlichen. Achtungsvoll Wilh. Saphra. Koresp. d. „Jew. Ehr." (London.) Feuilleton. Mine vereitelte Wochzeit. von N. xsahnev. n VII. lieber die große Aufregung, welche die Entführung des gräflichen Arendars und seiner Frau, sowie die Zurücklassung ihres Kindes allenthalben hervorgerufen hatte, waren Jahre hingegangen und diese hatten längst die erregten Gemüther wieder beruhigt. Das Kind war zum Knaben herangewachsen, zur großen, sich täglich steigernden Freude seiner Pflege-Eltern. Ignatius zeigte zwar echt jüdische Gesichtszüge, aber er hatte sich schon in den ersten Jahren so in christliches Denken und Empfinden hineingelebt, daß der Graf und die Gräfin nach dieser Seite hin stolz auf ihre Erziehung waren. Dabei hatte er einen lebhaften, alles leicht erfassenden Geist, verbunden mit guten Maniren, was ihn zum Liebling seiner ganzen Umgebung, besonders aber seiner Lehrer machte. Der Knabe hatte von seiner Abstammung keine Ahnung und noch als sechszehnjähriger Jüngling wußte er nicht anders, als daß er der leibliche Sohn des Grafen und der Gräfin, war. Mit besonderem Eifer hatte der Jüngling sich auf das Studium der Sprachen geworfen und hatte es vor allem im Lateinischen und Griechischen zu einer für sein Alter ungewöhnlichen Fertigkeit gebracht. Einmal stöberte er in der Bibliothek des Grafen und fand da ein Buch, dessen Schriftzeichen ihm völlig freund waren. Er fragte den Vater, was es mit dem Buche für eine Bewandtniß habe und dieser antwortete ihm, das sei ein hebräisches Buch. Et habe einmal einen jüdischen Arendar gehabt, der wegen Schulden flüchtig geworden sei. und dieser habe das Buch und noch einige andere hebräischen Bücher zurückgelaffen. „Gestattest Tn, daß ich auch Hebräisch, lerne?" fragte der lernbegierige Jüngling. „Wozu soll Dir das?" fragte der Vater. „Es muß doch hochinteressant sein, die Sprache kennen zu lernen, mit welcher Gott die Welt in's Dasein rief, die Sprache, welche die Stammväter und alle Propheten gesprochen, kurz die Sprache der Bibel in ihrem Urtexte." „Wenn Du Theologe werden wolltest," entgegnete ökr Graf, „so mußtest Du auch hebräisch lernen, und ich würde dann diese Wissbegierde freudig begrüßen. Aber ich finde, daß Du schon zu viel Zeit, und Kraft auf Sprachen verwendet'hast und daß dasjenige,-was Dir am nothwendigsten ist, die genaue. praktische Kenntniß der Landwirthschaft, darunter leidet Du mußt jetzt anfangen. Dich in Haus und Hof umzusehen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.