Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-06-30 · Heft 52 (30.6.1904) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 52 (30.6.1904)
Date
1904-06-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450034--60928-2521960
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Fremden sich einfanden, und ist der Verlaus desselben ein glanzender zu nennen. Bis zur frühen Morgenstunde waren alle Festtheilnehmer beisammen und wolle Golt uns die Gnade geben, das 80jährige Jubiläum in ebenso fröhlicher Stimmung begehen zu lassen. A. B. Oesterreich. Wien, im Thamüs. Jipin ew waren wir Zeugen eines n pn',-, der uns Wiener Juden von einem Alv befreit. Bekanntlich hatte sich Magistratssekretär Demel in der Spiritusausstellung erlaubt zu äußern, „alle Juden find Betrüger", was ihm eine kleine Arreststrafe eintrug, die in zweiter Instanz in eine Geldstrafe umgewandelt wurde. Am Freitag fand die Generalversammlung der Kaufmannschaft statt, bei welcher Herr Demel als behördliches Organ (Gewerbekommissär) wirkt. Ein großer Theil der Mitglieder sind Juden, auch der Präsident ist Jude. Aber ein Jude, der das Unglück hat. zu seinen nächsten Angehörigen Täuflinge zu zählen und sich dadurch verpflichtet glaubt, der herrschenden Antisemiten-Clique gegenüber zumindest eine wohlwollende Neutralität zu bewahren. Bor Eingang in die Verhandlung verlangte Herr Bernhard Hofbauer, Chef der renommirten Firma Adolf & B. Hofbauer (bekannt in ganz Wien, da er 100 Angestellte hat und Schabbos und Jomtof geschlossen hält). Präsident des Vereins zur Wabrung der Interessen des orthodoxen Judenthums das Wort. Als Jude u. Kaufmann, sprach er mit vibrirender Stimme, muß ich dagegen protestiren, daß wir unter Assistenz eines Mannes tagen, der trotz seiner amtlichen Stellung in solch' schnöder Weise seinem Hasse gegen die Juden Ausdruck zu geben gewagt. An Sie. meine christlichen Kollegen, richte ich einem Appel, es nicht zu dulden, daß die Eintracht und gegenseitige Hochachtung, die unter uns geherrscht, durch gewissenlose Wühler in Haß und Verachtung verwandelt wird. Lebhafter Beifall, auch von christlicher Seite, bewies. wie lehr Herr Hofbauer den anständigen Elementen aus der Seele gesprochen. Auf die Erklärung des Vorsitzenden, er könne den Antrag auf Vertagung nicht zur Abstimmung bringen, entfernte sich Herr Hofbauer, mit der Erklärung, es sei unter seiner Würde, mit Herrn Demel zu sitzen.' Eine größere Anzahl Mitglieder folgte seinem Beispiele. Wir wollen hoffen, daß diese Probe von Mannesmuth und Manneswürde, die Juden Wiens zu energischer Abwehr der antisemitischen Uebergriffe aneifern und in absehbarer Zeit den christlich-sozialen Helden das Handwerk gelegt wird. Afrika. FohanneSbura, 0. Juni. Geehrter Herr Redakteur! Meine Aufmerksamkeit wurde auf einen Artikel in Ihrer Zeitung gelenkt, der dem Jargon-Tageblatt „Fraind* entnommen war und der es sich zur Aufgabe machte, über hiesige Verhältnisse Bericht zu erstatten. Gestalten Sie mir. gleich im Anfänge darauf hinzuweisen, daß. obwohl die Schilderungen interessante Lektüre bilden, solche jedoch in jeder Weise der Wahrheit entbehren. Seit ca. zehn Jahren in dieser Stadt ansässig, darf ich mir erlauben, da ich während dieser Zeit ein aktives Interesse an lokalen jüdischen Verhältnissen nahm, mit Autorität über solche zu sprechen. Als Schriftführer im Derwaltungsrath des größten jüdischen Vereins in Südafrika, der Chewra Kadischa (Witwatersrand Jewish Hesing Hand and Burial Society), bin ich niit dem Wirken dieses Vereins intim vertrant und ich werde Ihnen deßhalb zunächst die Thatigkeit dieses Vereins vorlegen. Mit über 1500 Mitgliedern hat die Chewra durch Beiträge und Spenden ein Einkommen von über 5000 Lstr. (100,000 Mk.) pro Jahr. Die Verwaltung macht e; sich zunächst zur Aufgabe. Juden nach streng-jüdischem Ritus zu beerdigen und bei Unbemittelten gänzlich kostenfrei; jüdische Aerzte, du ihre Dienste unentgeltlich hergeben, sowie kostenfreie Medizin stehen den armen Juden zu jeder Zeit zur Verfügung. Dieser Verein spendet ferner in Almosen u. s. w. monatlich einen Betrag von 250 Lstr. <5000 Mk.) an unsere Glaubensgenossen und diese Summe wird den Applikanten, solange dir Fälle bona fide sind, ohne irgendwelche Bedingung überwiesen. Das Hospital wird regelmäßig jede Woche von einigen Mitgliedern des Komitees besucht und ein Register von jüdischen Kranken wird gehalten. Obgleich das Krankenhaus für Bedürftige frei ist. überweist der Verein dennoch der Verwaltung jährlich die Summe von 200 Guineas <4200 Mk.), um den jüdischen Kranken volle Pflege angedeihen zu lassen. Das Comitö gibt seine Dienste frei, die Mitglieder desselben verrichten die Tahara und ähnliche Dienste, ' und die sonstigen Pflichten nehmen, wie leicht verständlich ist, viel Zeit in Anspruch. Für Peßach wurde von diesem Verein ein besonderer Fonds eröffnet, um unseren armen Glaubensgenossen die ordentliche Feier des Festes Zu ermöglichen. Für diesen Zweck wurde eine Summe von 600 Lstr. (12,000 Mk.) ansgegeben. Zwei Vereine existieren hier, die es sich zur Aufgabe machen, hülfsbedürftigen Juden Geld ohne Zinsen zu leihen. Diese Vereine haben große Summen unter ihren Klienten, welch letztere wöchentlich den Betrag von 6 Pence (50 Pfennig) für jedes geliehene Pfund zuriickzuzahlen haben. Zwei jüdische Frauen-Vereine besuchen die Hospi-. taler und arme Familien regelmäßig, in unzähligen Fällen wird geholfen und besondere Aufmerksamkeit. wird armen Wöchnerinnen zugewandt. Ein anderer jüdischer Frauen Verein verwaltet das hiesige israelit. Waisenhaus. In dieser Anstalt sind momentan ca. 20 Kinder, die vorsichtig und gewissenhaft von kompetenten Angestellten erzogen werden. Dieses Waisenhaus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.