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Der Israelit · 1904-06-27 · Heft 51 (27.6.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 51 (27.6.1904)
Date
1904-06-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1072 Nachkommen der Juden sind, daß die Juden mit den Japanern sraternisiren, sagt sich dann der große Troß selber. . . - Wenn daher jüdische Zeitungen von diesem neuesten tollen Zeitungsspuk Notiz nehmen, so sollten sie es mit ein wenig Verstand und kritischem Takt thun. Wenn Japan gegenwärtig auch in aller Mund lebt und wegen seiner Erfolge, seiner Tugenden, seiner geistigen und sittlichen Vorzüge vielfach gefeiert wird, hat man doch mehr der Eitelkeit, als der Wahrheit gedient, wenn man sich an der Verbreitung jener Ungeheuerlichkeit betheiligt, welche die Japaner als Nachkommen der Juden bezeichnet. Es gehört wahrlich nicht viel dazu, um das Leichtfertige und Unmögliche dieser neuesten Fabel auf den ersten. Blick richtig zu würdigen. Halten wir uns an einem beliebigen der uns vorliegenden Zeitungsberichte, welche die Frage behandeln: Sind die Japaner Nachkommen der Juden? „Eine überraschende ethnologische Theorie wird seit einiger Zeit in französischen und englischen Journalen.lebhaft erörtert. Ein französischer Gelehrter hat das Geheimniß des Ursprungs der Japaner, über das schon so. viel diskutirt worden ist, durch die Annahme zu lösen versucht, daß „die Japaner hebräischer Abstammung und ein Tbeil der verschollenen Stämme Israels sind, die nach ihrer Auswanderung aus Medien über das . asiatische Festland nach Japan gekommen sind.". So ungläubig man dieser Theorie zunächst gegenüberstehen mag, es werden so zahlreiche Thatsachen zum' Beweise beigebracht, daß es interessant ist. sie wiederzugeben, selbst wenn es sich nicht um mehr als eine seltsame Reihe von Coincidenzen handeln sollte." Wenn in diesen Windbeuteleien auch nur ein Körnchen . Wahrheit steckte, so wäre es ausfallend, daß der französische Gelehrte nicht mit Namen genannt wird, der. dieses Geheimniß durch seine Hypothese enthüllt hat. Aber ein Gelehrter, der diesen Namen aus Irgend einem Schein von Recht trägt, würde sich hüten, einen mongolischen Volksstamm, wie es die Japaner sind, von einem semitischen abstammen zu lassen. So vag, haltlos und in der Luft schwebend auch alles ist, was man über die Zehn Stämme weiß, so viel steht, fest, .daß sie keine Mongolen sind. Das hat der Erzähler dieses ganzen Märchens wohl auch herausgefühlt, uni), sich deßhalb sofort den Rückzug durch die Bemerkung gedeckt, sein Schwank bleibe interessant, wenn, er auch, nicht wahr sein und es sich um eine seltsame Reihet von Coincidenzen handeln sollte. Aber man braucht die letzteren nur ein klein wenig unter die kritische'.'Brille, zu nehmen, um auch diese Freude zu Wassel ^'..machen.. ... . , Die.japanischen Samurai haben eine .alte Ueberlieferung^däß. sie von einem fernen Lande im Westen Asiens gekommen sind, nachdem sie in einer Raths- Versammlung nbereingekommen waren, nach Osten zu ziehen und dort ein unbekanntes Land zu erobern. Man weist nun auf Vas Buch Esra in den Apokryphen hin, in dem es heißt: „Aber sie (die zehn Stamme) beriethen untereinander, daß sie die Mehrzahl der Brüder verlassen und in ein ferneres Land ziehen wollten, wo nie ein Mann wohnte"; und es war ein weiter Weg zu jenem Lande, nämlich anderthalb Jahre." Auch der Prophet Amos sagt, die Reise ging „von Meer zu Meer und vom Norden zum Osten." Das geschab höchstwahrscheinlich zwischen 670 und 663 v d. g. Z., in welcher Zeit die Stämme, wie die aus der Gefangenschaft nach Jerusalem zurückkehrenden Juden, ihre Muttersprache verloren hatten und chaldäische Namen annahmen. Dschimmu Tenno, der erste Kaiser Japans, landete'nach der langen Wanderung, die er und sein Volk' mit den Herden vom westlichen Asien machten, wie die Legende erzählt, um 660 v. d. g. Z. in Japan. Alte japanische Bilder, die sich auf dieses große Ereigniß in ihrer Geschichte beziehen, weisen einige seltsame Züge auf, die diese Geschichte zu bestätigen scheinen. Besonders ein altes Bild in der Form einer langen Rolle, das die erste Landung der Japaner auf ihren Inseln darstellt, zeigt Dschimnu Tenno, seine Fürsten und das Volk auf großen Holzflößen sitzend, die Männer mit Stangen die Küste entlang stoßen." Unter den hier aufgeführten Citaten ist die Stelle aus dem Propheten Amos das bekannteste. Diese soll also besagen, daß die Reise der zehn Stämme von Meer zu Meer und vom Norden nach Osten ging. Ob man daraus eine genaue Richtung und gar das heutige Japan folgern kann, bleibe einmal dahingestellt. Wie lautet aber die Stelle selber? „Siehe, es kommen Tage, spricht mein Herr, Gott, da werde ich Hunger senden in's Land, nicht Hunger nach Brod und nicht Durst nach Wasser, sondern zu hören die Worte Gottes. Sie werden sich vom Meer zum Meer bewegen und von Norden nach Osten streifen, zu suchen das Wort Gottes und werden es nicht finden." (Amos 8. 11. 12.) Wo ist da von einer Reise die Rede, die ging? Wo von den zehn Stämmen? Und aus diesen Worten will einer, der lesen kann, folgern, daß man Japan ausgesucht habe, um das Wort Gottes kennen zu lernen, Japan, in dem man noch heute, also 2500 Jahre später, ..ichis vom Worte Gottes weiß? Braucht man nach einer solchen Probe erst noch das Apokryph des Citats aus den Apokryphen darzuthun und aus den japanischen alten Ueberlieferungen. die kein Mensch auf ihre Richtigkeit kontrolliren kann? Und diese Reise, die keine war, erfolgte genau um 670 v. d. g. Z. Der erste japanische Kaiser landete nach derLeqendeum 660; wie das klappt? Und weil einige japanische Bilder Männer mit Stangen aufweisen und es unter den zehn Stämmen sicher sowohl Männer als auch Stangen

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