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Der Israelit · 1904-06-23 · Heft 50 (23.6.1904) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 50 (23.6.1904)
Date
1904-06-23
Page
– (sequence 31)
Language
German
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1069 Gutmann'schen zu veröffentlichen und so die beiden der Lehrerschaft vorzukegen, zu Schanden geworden. Gut selbst Kat als Mitglied jener „Lehrer-Bildungs-Kom-- Mission" des Verbandes ein solches Expose ausgearbeitet und mußte es nun erleben, daß dieselbe Kommission, die ihn hierzu beauftragt hatte, die Veröffentlichung seiner Arbeit ablehnte. Der Vorsitzende jener Kommission richtete an dieselbe die Frage: »Soll die Arbeit des Herrn Gut veröffentlicht werden?", worauf diese Kommission die Antwort verweigerte. So zu lesen in dem Bundesorgan: »Blätter für Erziehung und Unterricht," Nr. 20 d. I. Auf die von Gut (a. a. O.) hiergegen erhobene Beschwerde: »Warum hat man die Arbeit des Herrn Dr. Gutmann okrne Befragen der Kommissionsmitglieder veröffentlicht?" und: „Me Kommission hat doch überhaupt keine Befugniß, meine Arbeit todtzuschweigen," erwidert Herr Realschullehrer Feiner aus Hamburg: „Seinen Seitenhieb unter Bezugnahme auf die Arbeit des Herrn Dr. Gutmann parire ich mit denr Hinweis, daß unser Auftraggeber, der Verbandsvorstand, die Veröffentlichung dieser Arbeit beschlossen hatte; die Kommission brauchte nicht mehr gehört zu werden, nachdem die Arbeit zirkulirt hatte und von keinem Mitglied der Kommission schwerwiegende Bedenken geltend gemacht worden waren. Nach dieser Bemerkung hatte also auch Herr Gut selbst als Kommissionsmiglied gegen jenes Expose des Rektors Gutmann keine schwerwiegenden Bedenken geltend gemacht. Von dem religiösen Standpunkt des Herrn Gut erscheint dies nun allerdings ganz und' gar nicht zu begreifen. Doch Herr Gut hat uns ja selbst den Schlüssel zur Lösung jenes Räthsels in Händen gegeben durch seine Äeußerung, daß die Veröffentlichung des Gutm.ünn'schen Exposes lediglich den Fehler habe, „ohne entsprechendes Korreferat" veröffentlicht worden zu sein, und, wenn dies noch nachgeholt werde, so sei ja alles gut und schön. Die „Bildungskommission" und die Verbandsleitung haben jedoch, das Widersinnige eines solchen Vorgehens begreifend, davon Abstand genommen, zwei in ihren Prinzipien diametral einander widersprechende Arbeiten der Lehrerschaft zu empfehlen.*) Die Stellung des Herrn Gut als Jugendbildner an einem auf der Basis des gesetzestreuen Judenthums stehenden Lehrerseminar macht es zur Pflicht, gegen sein Auftreten in dieser hochwichtigen Sache den denkbar entschiedensten Protest zu erheben. Sein Vorgehen *) Nachträglich kommt mir der Aufsatz des Herrn Gut zu Gesichte, woraus zu ersehen, daß er nicht die Fortbildung des jüdischen Lehrers, sondern- »die künftige Ausbildung des jüdischen Lehrers aus dem Gebiete des Relitztonsaaterrichts" behandelt. Die vorstehenden Ausführungen werden jedoch hiervon nicht betroffen. Mutzte es nicht wtdenuuüg erschemeu, wenn der BerbandS- Vorstand, der zur Fortbildung des LehcerS d»e Geige.'sche Urschrift anpreitt. die die GötüichkeN oer Thora leugnet, zur Ausbildung orm "n .njn .n? rrn* u. s. u». und insbesondere f'jsn rrcbn yipa «rtro e mpfehlor sollte. zeigt, wohin es fuhrt, wenn Vertreter des überlieferten Judentbums glauben, mit den Wortführern des Reformjudknthums in gemeinsame Wirksamkeit „zur Förderllng des religiösen Lebens" treten zu können. Diese Assimilation ist wahrlich tausendmal schlimmer, als die von dem sogenannten Nationaljudenthum bekämpfte, weil diese letztere nur genannt zu werden braucht, um in ihrer ganzen Widernatürlichkeit erkannt zu werden. Dagegen wird durch die natürliche Verbindung der Bekenner. des Gottesgesehes mit seinen Leugnern immer mehr der Boden vorbereitet für die Anschauung von dein einen großen, alle Richtungen umfassenden Judenrhum, dessen einzelne Gruppen sich nur in minderwichtigen Auffassungen voneinander unterschieden. Dem bis zur Jnaugurirung dieser unglückseligen Zwitterbildungen in allen gesehestreuen Kreisen in seiner Prinzipien- und Haltlosigkeit erkannten Reformjudenthum wird durch die „frommen" Beförderer jener innerlich unmöglichen Verbindungen die Existenzberechtigung in der öffentlichen Meinung verschafft, so daß die Vertreter des Abfalls, nachdem die „Orthodoxen" ihnen in den Sattel geholfen, schließlich dahin kommen, den Spieß umzulehren und die Verfechter des goitgeofsenbarten Thoragesetzes, wenn sie im öffentlichen Leben für ihr Prinzip, in rührender Bescheidenheit wenigstens, die Gleichberechtigung beanspruchen, wie dies ja Herr Seminarlehrer Gut gewollt hat, als minderwerthige Faktoren abweisen. Von der zuerst dargelegten Gefahr aber, die durch die Zentralisirungsbestr^bungen für die Zukunft droht, scheinen die betreffende Herren wirklich nichts zu ahnen. Und doch müßte ja auch in dieser Hinsicht die Denkschrift, die die Regelung der Lehrerverhältniffe im Zusammenhang mit der von denselben treibenden Kräften herbeizuführenden Gesammtorganisation der deutschen Judenheit erstrebt, welch' letztere den Zweck hat, »der' Zersplitterung der deutschen Judenheit entgcgenzuarbeiten" (Denkschrift S. 12), ihnen die Augen öffnen, müßte ihnen die an jener Stelle gemachte Bemerkung von der »demnächst höchstwahrscheinlich in's Leben tretenden „Gesammtorganisation der deutschen Juden" zeigen, daß diese größte aller Gefahren nach der Annahme der Herren, deren führender Hand sie sich anvertraut haben, keineswegs in nebelhafte Ferne gerückt ist. Daß solcher Eventualität gegenüber die erhoffte Besserstellung nicht ausschlaggebend sein kann für den jüdischen Lehrer, dem die Erhaltung seiner miöM immer noch gewichtiger ist, als alle Vortheile materieller Art und auch autoritativer Stellung, ist allzuklar und selbstverständlich, als daß es noch einer weiteren Bemerkung bedurfte. Inzwischen hat der „Judentag" in Berlin stattgesunden. bei welchem einer der Wortführer erklärt hat, die einzige Aufgabe der hierdurch zu begründenden Ver-

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