Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-06-23 · Heft 50 (23.6.1904) · page 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 50 (23.6.1904)
Date
1904-06-23
Page
– (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450032--60903-2521932
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

"7 1068 Samson Raph. Hirsch und „Doroth harifchonim* von Halevy der Lehrerschaft empfohlen werden, dann würde der Fehler wieder gut gemacht und der ganzen Lehrerschaft gedient sein? Dann werden alle Kreise zufriedengestellt sein? So tief ist denn doch die Urteilsfähigkeit und die Prinzipientreue der gesetzestreuen Lehrer noch nicht gesunken. Wo findet sich auf irgend einem Gebiete geistiger Arbeit noch ein Analogon, das solcher Zwittergestalt an die Seite gesetzt werden könnte? Nehmen wir an, die Aerzte und die Homöopathen sollten einen gemeinsamen Verband bilden, dessen Vorstand Werk? medizinischer Autoritäten, in denen die Homöopathie als Schwindel und Betrug, und zugleich homöopathische Werke, in denen die Schulmedizin als verkehrt, verknöchert und verhängnißvoll für d?e lebende Menschheit erklärt würde, zur Weiterbildung seinen Mitgliedern empfehlen würde? Und da ließe sich ein Verbandsmilglied vernehmen und spräche dem Vorstand dieses Verbandes seine Anerkennung für die Objektivität seines Vorgehens aus und erklärte. er sei überzeugt, daß durch dessen unparteiisches Handeln alle Verbandskreise zufriedengestellt seien? Oder es vereinigten sich zwei Gesellenvereine, ein katholischer und ein protestantischer, und bildeten zur Besserstellung der Gesellen und zur Förderung ihrer Standesinteressen einen gemeinsamen christlichen Geskllenverein, dessen Vorstand dann den Vereinsmitgliedc,n auf katholischer Lebensanschauung basierende Bücher, in welchen die Protestanten als Ketzer und der ganze Protestantismus als Vernichtung der Heilswahrheiten des Christenthums erklärt werden und auch zugleich solche Bücher, die von protestantischen Autoritäten E verfaßt, das Prinzip des Katholizismus vom christlichen Standpunkte aus als verwerflich hinstellen, als wirksame Mittel zur sittlich-religiösen Fortbildung der Vereinsmitglieder empfehlen würde. Ob wohl ein - überzeugter Katholik dem Vorstand für dieses unparteiische Verfahren den Dank aller Vereinsmitglieder empfehlen wurde? Ob man sich allseitig mit dieser Thätigkeit des Vorstandes freuen und befriedigt fühlen würde? Sollte man aber entgegnen wollen, ko sehr klafften die Gegensätze zwischen den Vertretern des sogenannten'Reformjudenthums, dessen Anschauungen in den Werken eines Geiger und Maybaum zur Aussprache kommen und den Bekennern des überlieferten Judentums doch nicht auseinander, wie die zwischen Katholiken und Protestanten bestehenden, so seien zur Widerlegung solcher Meinung zwei einwandsfreie Zeuaen. ie einer aus jedem der beiden Laaer angeführt: Justizratb Makower . in Berlin und Samson Raph. Hirsch s. §L. Jener hat es aus dem Gemeindetaq im Jahre 189S ausgesprochen. daß „innerhalb des Judentums verschiedene Richtungen bestehen, zwilchen welchen eine Kluft liegt, so weit wie zwischen Protestanten und Katholiken.* Samson Raphael Hirsch spricht sich hierüber in seiner Schrift: »Das Prinzip der Gewissensfreiheit und die Schrift des Herrn Rechtsanwalts Makower über die Gemeindeverhältnisse der Juden in Preußen (Frankfurt a. M. 1874) mit folgenden Worten aus: — konfessionelle Gegensätze, die viel schroffer einander gegenüberstehen, als irgendwelche konfessionelle Geschiedenheit innerhalb der christlichen Kirche*. Man braucht also nur die von Herrn Seminarlehrer Gut ausgesprochene Ueberzeugung von der durch die erhoffte Veröffentlichung und gemeinsame Empfehlung von Werken der beiden diesen grellen Gegensatz enthaltenden Kategorien gegenstandslos werdenden Gefahr und herbeizuführenden Befriedigung aller betheiligten Kreise mit der aus den beiden Analogien hervorspringenden Absurdität einander gegennberzustellen, um sich ein Bild zu machen von der Gedankenlosigkeit, die das Zusammenspannen solcher Gegensätze an einen Wagen erzeugt. Es ist aber außerdem Herrn Gut und allen den frommen Verbandsmitgliedern nicht einmal eingefallen, zu erwägen, welches Unheil inzwischen jene Veröffentlichung und Empfehlung anzurichten im Stande sind, ehe es dazu kommt, die Gefahr nach der Meinung jener Herren durch Hinzufügung eines erfrischenden Trunkes zu dem dargebotenen Gift zu beseitigen. Und ist ferner die Wahl des Verbands-Organs, der „Blätter für Erziehung und Unterricht* als Beilaoe des „Hamburger Israelit. Familienblattes*, das, wie allbekannt, den Geist der Verneinung der Prinzipien unserer Gotteslehre in die Herzen und Hauser von Tausenden unserer jüdischen Brüder hineinträqt, wie z. B. durch die grellste Verleugnung der Grundbegriffe unserer jüdischen Lehensanschauung enthaltenden Artikel eines Seligkowih-Cöthen. ist diese eine ThatsaLe nicht aenügend. daß die von wirklicher Gottesfurcht durchdrungenen Mitalieder des Verbands ihres Fehlers innewerden und sich von der Theilnahme an solcher Veröffentlichung und Verbreitung der unserem Leben und Denken entaegenwirkenden Gesinnungen loslagen mußten? Die Befürchtungen, wie wir sie zulekt darqeleat haben, werden von den frommen Mitgliedern oewiß nicht ganz übersehen, aber sie hoffen, durch Verbleiben im Verbände und rührige Mitarbeit von möglichst vielen gleichgesinnten Kräften diesem Nebel wirksamer begegne« zu können. Wie sehr sie sich aber hierbei tausche« batten ihnen die einstimmige Annahme des Gutmann'schen Erpos^s durch die Kommission und die Veröffentlichung der Denkschrift, die doch die unverhohlene Rücksichtslosigkeit argen die frommen Kolleaen deutlich genuo erkennen lassen, beweisen müssen. Run ist aber auch die Hoffnung des Herrn Gut. daß die Verbandsleitung bereit sein würde, ein von einem orthodoxen Lehrer auszuarbeitendes Expose neben jenem X li{ I»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.