Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1904)
- Date
- 1904-06-23
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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1070 einigung sei die Herbeiführung einer staatlichen Gesammtorganisation. „Aber was sollen, was können wir dagegen thun? Ist es nicht gerade angesichts solcher amtlichen Regelung der allgemeinen, sowie der Lehrerverhältnisse in Betreff ihrer Leitung, in Betreff der Seminarausbil- 'dung und aller der so tief einschneidenden Bestimmungen. die wir zu gewärtigen haben, erst recht nothwendig, daß wir in dem Verbände verharren, die Augen offen halten, um gegebenen Falles den zum Schlage gegen unsere Richtung Ausholenden in den Arm zu fallen?" Rein und tausendmal nein! Die Regierung wird viel leichter dazu bewogen, auf jene Anträge einzugehen, wenn man im Stande ist, ihr die einheitliche Bestrebung der Gesammtlehrerschaft der deutschen Judenheit durch die Zusammenfassung derselben in einen Verband zu beweisen, als wenn die gesetzestreuen Lehrer im Verein mit der gesetzestreuen Judenschaft Deutschlands — und bildeten sie auch nur ein Zehntel der Gefammtzahl — mit ihrem gesetzestreuen Prinzip, dem konservativen nach der Terminologie der Behörde, getrennt von der großen Menge, die Berücksichtigung ihres Judenthums, das den Regierungen als in unüberbrückbarem Gegensatz zum Reformiudenthum siebend sehr wohl stets bekannt war. fordern und um Einrichtungen bitten, die uns vor Vergewaltigung durch die Vertreter der neologen Mehrheit schützen sollen. Es ist uns von Herrn Rabbiner M. mitgetheilt worden, daß bei seiner Bemühung um Erreichung irgend einer Zusage im Interesse des gesetzestreuen Judenthums ein Rgierungsbeamter ihm entgegenhielt: „Aber diese Unterschiede bestehen ja heute nicht mehr so wie früher; cs ist mir bekannt geworden, daß heute alle Rabbiner, die liberalen, wie die orthodoxen sich geeinigt haben und einem gemeinsamen Rabbinerverband angehören." Die Reformer nehmen gewiß jede Gelegenheit wahr, wo sie bei der Behörde ihre Pläne durchsetzen und namentlich, wo sie allgemeine Regelung irgend welcher jüdischen Angelegenheiten auf Grund ihrer Prinzipien herbeiführen wollen, auf diese Verbände oder auf den Deutsch-Israel. Gemeinde-Bund hinzuweisen, um den Eindruck zu erwecken, als seien die Gegensätze ausgeglichen. Alle diese Momente weisen mit unerbittlicher Consequenz auf den einen Rettungsweg hin: Los von dem Verband, der in der Verquickung heterogener Elemente an sich ein Monstrum, durch die prävalirende Richtung der „Reform" eine stetige Gefahr für die Erhaltung unserer Grundprinzipien und die Erfüllung unserer Aufgabe, durch das scheinbare Opfer des Intellekts eine Verschleierung unseres jüdischen Lebensprinzips in den Augen unserer-Mitwelt, durch die angebliche Einheitlichkeit der Interessen aller deutschen Israeliten ein wirksames Vehikel zur Schaffung von staatlichen Centralstellen ist, durch welche erfahrungsgemäß dem gesetzestreuen Judenthum der Vernichtungsschlag droht. Dies das jno “td. Das ra steht ebenso klar und bestimmt vor unseren Augen: wir sind vor Gott und vor unserem Gewissen verpflichtet, einen Lehrerverband mit der ausgesprochenen Devise der Erhaltung unseres Prinzips der Göttlichkeit der schriftlichen und traditionellen Lebenslehre zu schaffen. Alle Bedenken gegen diese Schöpfung werden sich als unbegründet erweisen. Welche Bedenken werden hiergegen erhoben? Die Befürchtung, daß wir es doch nicht zu. einer imposanten Schöpfung bringen würden? Die Aussichtslosigkeit des Strebens zur Begründung einer Unterstützungskasse? Nie und nimmer dürfte das Letztere unsere Pflichterfüllung hemmen, auch wenn wir es aufgeben müßten, mit den betreffenden Leistungen des Verbandes zu konkurriren. Aber es ist eine ganz unbegründete Befürchtung. Einmal wird von den taktischen Gegnern unserer vorliegenden Bestrebungen zugegeben, die Pensionskasse des Verbands sei nicht von Belang; dann aber bedürfen wir ja nicht der allzu bedeutenden Kapitalien, um den Mitgliedern unseres zu begründeten Verbandes die gleichen Vortheile bieten zu können, die anfänglich von dem bestehenden Verband seinen Mitgliedern zugedacht waren; endlich aber vergesse man denn doch nicht die Leistungsbereitschaft unserer Gottestreuen, wenn die Nothwendigkeit zur Förderung von Lebensinteressen unserer Emunoh mit begeisterten Worten von berufener Seite unter persönlicher Bemühung die Herzen entflammt. Da wird sich bewähren :b 12N' ton vb mn vk Ten ton:n aieau Was aber die imponirende Stellung des zu begründenden traditionellen Lehrerverbands betrifft, so bedarf es wahrlich nur des pnaa, des Vertrauens auf Gottes Hilfe. Sein Heiligthum zu schützen gilt es uns ja; Sein Thorawort in den Herzen der Jugend und des Alters frisch und lebenswarm zu erhalten; der Welt entgegenzurufen das Bekenntniß, das unveränderte: bsnv' »» 'tob new e» srwi ran; bot den Hohen, in deren Hand so oft unsere Geschicke gelegt sind, das Wort der Wahrheit, der ungetrübten, der uneingeengten Wahrheit stets aussprechen zu können. Lasset uns. Gesinnungsgenossen, alle zusammenstehen! Wir wollen die Standarte errichten, den Ruf hinausdringen lassen: -r\b w und sicher, so wahr ein Gott lebt, dessen Namen wir zu heiligen streben, der Sieg wird unser sein. (Aus den .Mittheilungen der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums", Frankfurt'«. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS J3§taelii". Schottstratze Nr. 3. Mains. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei Actien-Gefellfchaft in Main».