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Der Israelit · 1904-06-23 · Heft 50 (23.6.1904) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 50 (23.6.1904)
Date
1904-06-23
Page
– (sequence 29)
Language
German
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1067 sich einsehender jüdisckier Lehrer sich entschlichen kann, seinen Namen länger in Verbindung zu erhalten mit einer Korporation, die darauf abzielt, in alle Kreise, wohin sie reichen kann, in die Herzen von Alt und Jung die Saatkörner der Untreue gegen unsere Gotteslehre, ja der Verhöhnung und Besudelung alles dessen, wofür wir mit e'ern rrvco einzutreten als unsere jüdische Lebensaufgabe erkennen, eindringen zu lassen. Oder redet man sich ein, der fromme Lehrer fei gegen solche Einwirkung unbedingt geschützt? Nicht alle Lehrer, die dem Verbände angehören, bringen die Reife zum Verständniß solcher Werke oder gar zur kritischen Beurtheilung derselben und zur Auffindung der Achillesferse der diesem oder jenem der betreffenden Werke zu Grunde liegenden Anschauung mit!*) Diese Gefahr liegt so klar zu Tage, daß es sich wirklich nicht verlohnt, auf den etwaigen Versuch ihrer Leugnung viel Worte zu verwenden! Wen aber trifft die Schuld für diese Verkümmerung jüdischen Denkens und Wirkens? Lediglich die frommen Verbandsmitglieder, deren Zusammengehen mit den religiösen Gegnern die öffentliche Meinung innerhalb der jüdischen Lehrerkreise trübt und verwirrt. Und womit glaubt man sich dieser Thatsache gegenüber beruhigen zu können? „Der Verband hat sich noch nicht festgelegt; nur die Kommission hat gesprochen: die Sache steht zur Diskussion; in einem Jahre wird erst auf dem Verbandstage die Dclegiertenversammlung zu reden haben. Heute ist aber im Stillen seitens der frommen Lehrer so viel gearbeitet worden, daß die Denkschrift, wenn sie noch einmal zu erscheinen hätte, ungedruckt bliebe." Also äußerte sich ein gesetzestreues Mitglied des Lehrerverbandes. Und dies ist auch die Selbstberuhigung, die in verschiedenen Veröffentlichungen ausgesprochen worden ist. Aber was kann dies Alles nützen? Ob die Delegiertenversammlung nach einem Jahre erklärt, sie bedauere die Veröffentlichung der Denkschrift, ob der Vorstand zur Einsicht gelangt ist. nicht gut gethan zu haben, daß er seine Gesinnung so unverhohlen der gesammten Lehrerschaft zum Ausdruck gebracht, was ändert dies an der Gefahr, daß doch das Gift verbreitet und als Lebenselexir angepriesen ist? Und was wissen diejenigen frommen Lehrer, die in dem angenommenen Falle sich zur Verleugnung oder doch zur Anzlveiflung ihres bisherigen Standpunktes durch jene ct.'se cwt haben bewegen lassen, von der Gegenarbeit, die das eine oder das andere der intelligenteren frommen Verbandsmitglieder im Stillen gegen das Vorgehen des Vorstandes gethan haben? Aber auch selbst wenn der Vorstand sich späterhin *) Ein allseitig anerkannter Pädagoge. Professor S. in S. erklärte in einer Versammlung von FaLaenoNen. in der das Expos.- des Rektors Gutmann besproHen wurde, cs sei undenkbar, daß innerbalb eines christlichen Ledrerverbandes solche Werke, deren Verständniß auf gründlichen Fachkeuntninen beruhte,. .wie - sie m der Regel nur durch iahrelmiZes akademisches Studmm zu er« langen sind, von autoratlver Seite für Volkvschullehrcr empfohlen wi dazu herbeilassen sollte, ein anderes Expose, das dem Standpunkt des gesetzestreuen Judenthums entspricht, neben jenem Exvosides Herrn Rektors Gutmann zu veröffentlichen, wie kann man dann ernstlich behaupten, daß damit die Gefahr, die die Empfehlung der Minus- Schriften von Seiten des Verbandes und seiner Organe enthält, beseitigt sei, oder die Verantwortung der dem Verband auch nach jener Veröffentlichung noch weiter angehörenden frommen Mitglieder aufgehört habe. Die Kundgebung, die der Lehrer Gut vom Kölner Lehrerseminar in Nr. 52 der als Beilage zu dem bekannten „Hamburger Israelitischen Familienblatt", „unter Leitung des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" als Organ des Verbands herausgegebenen: „Blätter für Erziehung nnd Unterricht" als Rechtfertigung der vom Vorstand des Verbandes veröffentlichten Denkschrift erläßt, Eet. ebenso den eklatanten Beweis, bis zu welchem Grade M Toleranz und Fügsamkeit der frommen Verbandsmitglieder in Betreff der Verbreitung von den Lebensnerv des Judenthums durchschneidenden Minus-Schriften durch ihr Zusammenwirken mit unseren prinzipiellen Gegnern in demselben Verbände bereits gediehen sind. Gut sagt nämlich in jenem „Die neue Gefahr für das Judenthum" Lberschriebenen Artikel, daß der von dem Vorstande des Verbandes durch die Veröffentlichung jenes Gutmann'schen Expos6s begangene Fehler darin bestehe, daß man es „ohne entsprechendes Korreferat" veröffentlicht habe. Dieser Fehler sei aber nicht in tendenziöser Absicht gemacht worden. Er habe bereits den Antrag gestellt, folgende Resolution zu veröffentlichen: „Die Kommission erklärte, daß mit der Veröffentlichung des Gutmann'schen Exposes keine religiös-parteiliche Tendenz verbunden war. Da die in genannter Arbeit aufgezählten Werke nicht allen Kollegen empfohlen werden können, wird die Kommission durch einen orthodoxen Lehrer ein zweites Expose be- _ trcffs der Fortbildung ausarbeiten lassen, um alsdann die beiden Arbeiten der Lehrerdschaft zur Besprechung vorzulegen." Gut fügt dann noch hinzu, wenn sein Antrag angenommen werde, so werde der von Dr. Königsbergcr- Pleschen in seinem Wochenblatt „Jeschurun" Nr. 45 v. Jahres erlassene Schreckensruf: „Annibal ante portas“ gegenstandslos Und alle Kreise würden zufriedengestellt. „Sollte jedoch," fährt G. fort, „mein Antrag abgelehnt werden, dann wären die erhobenen Bedenken gerechtfertigt. Ich habe ober zu der Verbandsleitung das Vertrauen, daß sie sich von dem Bestreben leiten lassen wird, der ganzen Lehrerschaft zu dienen." Soweit Herr Gut. Man muß d»eS vor sich liegen haben, um es zu glauben. Wie? Wenn von dem Vorstände des Ver^ bändes Werke, wie die von Geiger, Maybaum, Wellhausen und daneben auch etwa der Jeschurun von

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