Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1904)
- Date
- 1904-06-23
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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1066 wurden staatlicherseits verfügt, ebenso die alsdann von der anerkannten Verwaltungsstelle vorzuschlagenden und einzurichtenden Seminarien, wovon das eine jedenfalls das Berliner, das andere wahrscheinlich das MLnster'sche sein wurde. Man glaube nicht, das sei zu schwarz gesehen. Erstens vergessen wir nicht, was die gesetzestreuen Jehudim in den ersten Zeiten der auftretenden Reform von der Intoleranz der Radikalen zu erdulden hatten. Zweitens verhehlen wir uns nicht, daß auch die Möglichkeit einer so ernsten Gefahr zur äußersten Vorsicht mahnt; ist doch zzv nm cbj mpa pDc. Und wenn die Leitung des Verbands auch die Ver« sicherung abgeben sollte, daß es ihr nicht in den Sinn komme, solche Gewalt aüsüben zu wollen, so schwebte doch die Gefahr nach der Erreichung jenes Zieles als Damoklesschwert stets über unserem Haupte. Ist erst einmal - eine amtliche Verwaltungsstelle für die Interessen der jüdischen Lehrerschaft vorhanden, so liegt doch alles in ihrer Hand und die Interessen der gesetzestreuen Jugendbildner sind ihr ä discretion überantwortet. Und wieder sei auf die traurige Verkümmerung unserer vitalsten Interessen in Baden. Württemberg, den Reichslanden bingewiesen, wo solche Centralstellen bestehen, die naturgemäß in den Händen der Mehrheitsparteien. d. h. des Reformjudenthums liegen. Aber auch abgesehen von den Folgen, die uns als .sehr wohl möglich, anderen vielleicht als fernliegend erscheinen, ist das Nebel an sich nicht zu unterschätzen, das in dem Bestehen von die diametralen Gegensätze der religiösen Lebensauffassung und der Grundanschauungen unserer religionsgesetzlichen Verpflichtungen in ihrer Mitte vereinigenden Verbände liegt. Diese Verschmelzung von einander ausschließenden Standpunkten läßt keinen der beiden mehr deutlich hervortreten. Für die Vertreter des Reformjudenthums hat dies keinen Schrecken; sie können sich beruhigen, wenn sie auch selbst der Gelegenheit zur Hervorkehrung der Leugnung alles positiven Judenthums, wie sie sich wieder einmal durch die veröffentlichte Denkschrift Luft gemacht hat, durch den Zaum, den sie mit Rücksicht auf die vorderhand noch nicht entbehrlich gewordene Maske der Einheitlichkeit der Lehrerintereffen innerhalb der gesammten jüdischen Lehrerschaft ihrem Gebisse angelegt haben, eine Zeit lang, d. h. bis zur Erreichung ihres heitzersehnten Zieles entrathen müssen. Anders steht es mit uns. Das öffentliche Zusammengehen mit den Vertretern der Leugnung der Göttlichkeit unserer Thora ist an sich ein verhängnißvoller Fehler. Verhängnißvoll. weil es die Begriffe verwirrt und den Maßstab der Beurtheilung unserer, wichtigsten Idealguter'.verkümmert. Nehmen wir an, daß ein ftommer, aber in wissenschaftlichen Dingen minder erfahrener Lehrer von dem Inhalte der vom Verbandsvorstande herausgegebenen Denkschrift Kenntniß genommen und sich das eine oder andere der in dem in jener Denkschrift veröffentlichten und in derselben als von der ad hoc gewählten Kommission einstimmig angenommen erklärten Expose des Herrn Rektors Dr. Gutmann- Berlin empfohlenen Werke, z. B. „Wellhausen, Israel, und jüdische Geschichte" oder „Geiger. Urschrift'' oder „Maybaum, die Entwicklung des jüdischen Prophetenthums" verschafft und darin die den Voraussetzungen und Hypothesen der Verfasser entsprechenden, die Grundbegriffe des traditionellen Judenthums negirenden Ideen kennen gelernt habe und, wenn auch noch nicht zur sofortigen Aufgabe seines bisherigen Standpunktes, so doch zu quälenden Zweifeln gekommen sei. die, seine Begeisterung für die Gottesoffenbanmg dämpfend, es ihm nunmehr unmöglich machen, mit der zuversichtlichen, frischen, herzergreifenden Ueberzeugungstreue die Gebote der Gotteslehre seinen Schülern vorzutragen, so ist diese unheilvolle Trübung und Verkümmerung seines bisher aus der Ueberzeugung von der Göttlichkeit der Thora quellenden Denkens und Lehrens doch lediglich der Thatsache zuzuschreiben, daß diese Werke in einer von dem Vorstande des Verbands, dem ja ebensowohl die frommen, wie die neologen Lehrer angehören, heransgegebenen Schrift als geeignet zur Fortbildung des Lehrers empfohlen sind. Vor uns liegt ein Büchlein: „Lichtstrahlen aus dem Talmud" von I. Stern, Rabbiner (Stuttgart), Verlag von PH. Reclam jun. in Leipzig. Es gehört zu den Schriften, die die „Jugendschriften-Kommission" des Verbands für 13—14-jährige Kinder empfiehlt (s. Blätter für Erziehung und Unterricht Nr. 52 v. I. S. 9). In dem Vorwort zu dieser Schrift sagt der Verfasser, er sei seit Jahren energisch bestrebt gewesen, „die religionsgesetzliche Seite des Talmuds als eine im Prinzip verfehlte, als eine Trübung, ja Carikirung des reinen mosaisch-prophetischen (!) Judenthums nachzuweisen und das Seinige zur Emanzipation des^Judenthums vom Talmudismus beizutragen" ... „Im talmudischen Ritualwesen ist logische Verirrung" . . . „dort sehen wir den religiösen Genius des Judenthums schwer gebeugt unter dem harten Joch des Ceremonialwesens". Und in Bezug auf die talmudische Moral, für die er sich begeistert, hält er es dennoch für nothwendig zu bemerken: „Wir haben auch nicht das geringste Interesse daran, am Talmud Mohrenwäsche zu versuchen. Für uns, wie überhaupt für die Richtung, die wir vertreten, und welche das eigentliche Judenthum revräsentirt, hat der Talmud nicht den geringsten autoriativen Charakter mehr; er hat für uns nur noch antiquarisches und litterarisches Interesse." Es ist mit dem Hinweis auf solche von dem Verband der jüdischen Jugend empfohlene Schriften nun ein weiterer Beleg gegeben, wie unerhört es geradezu ist, daß ein für die Forterhaltung unseres HeiligthumS