Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1904)
- Date
- 1904-06-23
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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1064 und der sich zu ihm bekennenden Lehrer zu dem »Verband" an der Hand der Thatsachen einer eingehenderen Prüfung zu unterziehen. Der Verband ist vornehmlich entstanden auf Anregung des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes, der seit Jahren auf die Centralisirung aller Verhältnisse der Juden hinsteuert. Diese Anregung fand bei der jüdischen Lehrerschaft ein lebhaftes Echo, was man sehr wohl begreifen kann, da sie unter der Parole der pekuniären und autoritativen Besserstellung derselben gegeben wurde. Ein weiterer Sporn war für die jüdischen Lehrer hierbei die Wahrnehnrung der Erfolge, die ihre christl. Kollegen durch die Verbindung der verschiedenen Lehrervereine'zu verzeichnen hatten. Ob diese in Aussicht gestellte Besserung der jüdischen Lehrerschaft durch den »Verband" erreicht worden ist, wird von Vielen bezweifelt. Der entscheidende Gesichtspunkt für den gesetzestreuen jüdischen Lehrer liegt jedoch hierbei in der Erwägung, ob und inwieweit der Verband eine Gefahr für das.gesetzestreue Judenthum, eine begründete Befürchtung für die Erhaltung unserer rmsx in sich birgt. Diese Erwägung allein muß für uns unbedingt die maßgebende sein, derart, daß selbst die sichere Herbeiführung einer wesentlichen Besserstellung des Lehrers zurücktreten muß gegenüber der Beförderung einer ernsten Gefahr für die Forterhaltung der iftnp nemo Der prinzipielle Standpunkt, der dem gesetzestreuen Judenthum die Verbände unannehmbar und als eminente Gefahr erscheinen läßt sei in folgendem dargelegt. Es wäre mehr denn überflüssig, den klafsenT^r^ Gegensatz der Lebensanschauung, Prinzipien und Ziele, zwischen den Vertretern der Thoraleugnung und uns kennzeichnen zu wollen. Man beruhigt sich aber damit, daß man die gemeinsamen Momente, die das Interesse aller jüdischen Lehrer betreffen, in den Vordergrund schiebt und huldigt der Annahme, daß deren Pflege die eigentliche Aufgabe des Verbandes sei und die trennenden Momente mehr in den Hintergrund treten dürsten. Man möge aber zwei Momente, die dieser Selbstberuhigung entgegen stehen, nicht übersehen. Die Vertreter des Reformjudenthums, wie Maybaum, Adler, Steinhard u. s. w. betrachten es als Kulturaufgabe, dem „Köhlerglauben" an die Offenbarung des heiligen Gottesgesetzes entgegenzuwirken. Vom Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrer im deutschen Reiche ist vor einigen Monaten eine „Denkschrift" herausgegeben worden, die nur von diesem Gesichtspunkte aus erklärlich ist. Sie enthält unter anderen die Tendenzen des äußersten Reformjudenihums bekundenden Aufsätzen auch das Expose des Herrn Resjors Dr^-SusMrz^Berknf)^^.tzr .welchem der jü- *) „UiSrc die Fortbildung der jädisLeU Lehrers aus dem C&lsts fcct CMiaionStoifiwifiSiafttti“ DerüiSritt S. 16 ü. bischen Lehrerschaft die Werke von Geiger, Maybaum u. s. w. und den radikalsten christlichen Bibelkritikern, wie Wellhausen, empfohlen werden, damit fie sich durch deren Lektüre zu geistigen und religiösen Führern der Gemeinden ausbilden. Diese »Denkschrift" bietet weiter nichts Ueberraschendes, als daß jetzt schon, nach achtjährigem Bestehen des Lehrerverbandes, die Leiter desselben mit ihren eigentlichen Gesinnungen und Wünschen für die Fortbildung der Lehrer hervorgetreten sind. Man wird jetzt auf den Protest der frommen Verbandsmitglieder hin etwas vorsichtiger werden. Das ist aber keine Verminderung der Gefahr, sondern eine Vergrößerung. Es müßte doch dem gesetzestreuen Lehrer recht unheimlich zu Muthe werden, wenn er denkt, daß die Männer, denen die Leitung solcher Vereinigung in die Hand gegeben ist, mit wahrer Begierde darauf bedacht sind, ihre destruktiven Ideen, für unsere Ueberzeugung ein tödtliches Gift, in die Adern des Gesammtorganismus mehr und mehr eindringen zu lassen. Man muß der norddeutschen Verhältnisse kundig sein, um sich ein Bild voll der Größe der Gefahr machen zu können, die in der Verbindung mit jenen Elementen liegt, die, wie Kirstein schon vor etwa 30 Jahren in einer Programmschrist der jüdischen Gemeinde-Volksschule zu Berlin es aussprach, die biblischen Erzählungen den unteren Stufen als bare Münze darbieten, um den Schülern dann auf der Oberstufe zu zeigen, daß dies alles Volkspoesien, Märchen und Sagen sind, wie sie die Literaturen aller Völker aufzuweisen haben. Soweit der prinzipielle Gesichtspunkt. Die ernsten Gefahren, die sich in praktischer Hinsicht aus der Verschmelzung dieser heterogenen Elemente für das gesetzestreue Judenthum ergeben, sind folgende: Der Verband strebt darauf hinaus, daß eine Zentralstelle mit amtlicher Machtbefugniß geschaffen werde. Dieses Streben geht vom Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bund aus. Das einzige dem gesetzestreuen Judenthum angehörende Mitglied des Vorstandes des D.-J. G.-B. hat in seiner ersten Rede in diesem Kollegium sein Bedauern ausgesprochen, daß eine solche amtliche Zentral-Verwaltung noch nicht geschaffen sei. Als wir mit dem unvergeßlichen Rabbiner Dr. A. in H. bald darauf von der drohenden Gefahr sprachen, die diese Bestrebungen für den Bestand des gesetzestreuen Judenthums enthielten, war er voller Besorgniß und bat. Alles zu thun, was nur im Bereich der Möglichkeit liege, um dieser entsetzlichen Gefahr vorznbeugen. Es wurde ihm erwidert, daß er ja mit allen denen, die ungeachtet ihrer gesetzestreuen Lebensanschauung Mitglieder des Rabbiner-Verbandes seien, dieser Gefahr ganz bedeutenden Vorschub leisteten, indem die Unternehmer auf diese bereits bestehenden Organisationen, wie den Israelitischen Gemeinde-Bund, Rabbiner- ' verband. Lehrerverband, hinweisend, der Regierung den Beweis erbringen können, einmal von der im wesent* . i i |