Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1904)
- Date
- 1904-06-23
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Ceittral-Organ für das orthodoxe Judenthum. » « t » Matter für die israek. Schute. 2«. Juni nikp rm M 10* lsrr. 7.!it gtsktzestrciltil W. Lehrer mH der Verband her jSb. Lehrer im Zeutschen Aeilh.') von Provinzial-Rabbiner Dv. M. Gähn, Fulda. Wenn vor zwei bis drei Jahrzehnten Jemand, der Anspruch darauf machte, die Verhältnisse und das innere Wesen der divergirenden Richtungen innerhalb dcr deutschen Judenheit zu kennen, die Behauptung aufgestellt hätte, daß Verbände — von Rabbinern oder Lehrern — in's Leben treten würden, in denen die Anhänger des überlieferten, auf der Anerkennung der Göttlichkeit der schriftlichen und mündlichen Lehre beruhenden Judenthums mit den Verleugnern desselben —, die cre«: mit den "p'vz cnste — sich als gleichstrebende Vertreter und Verfechter derselben Standesinteressen zusammenfinden würden, so würde man dies für ebenso unmöglich gehalten haben, wie etwa das Projekt einer Vereinigung der Sozialdemokraten und Konservativen zu einem politischen Verband. Denken wir uns in die Zeit hinein, da die deutsche Judenheit noch so glücklich war, einen Samson Raphael Hirsch, einen Hildesheimer, einen Stern, einen Ettlinger, einen „Würzburger Raw", einen B. Auerbach s. A. zu Führern zu haben, und man hätte das Ansinnen an diese Koryphäen des gesetzestreuen Judenthums gerichtet, sich als Mitglieder eines Verbandes zu erklären, dem ein Geiger, ein Holdheim, ein Heß- Eisenach und andere Vertreter des Reformjudenthums angehören sollten, man hätte sich wirklich nichts Absurderes denken können. Einmal wagte man sich thatsochlich an Rabb. Dr. Hildesheimer s. A. mit einem derartigen Vorschlag heran. „Ich bin bereit," er¬ *) Die seit der Abfammg dieses Referats bis zu seiner gegenwärtigen Drucklegung auf dem behandelten Gebiete erfolgten Vorkommnisse sind, soweit angängig, noch berücksichtigt worden. widerte er, „einem Rabbinerverbande beizutreten, sobald statutarisch festgesetzt wird, daß Männer, die sich über p*mui 'in hinwegsetzen, von der Mitgliedschaft ausgeschlossen sind, z. B. ein „Rabbiner", der die Trauung einer npipt vollzieht." (Das ist nämlich in Berlin vorgekommen.) Daß das Absurde greifbare Gestaltung annehmen, und wodurch dies geschehen konnte, von welcher Seite es unternommen und mit welcher Schlauheit es ausgeführt wurde, dieses darzulegen, mutz einer besonderen Arbeit Vorbehalten bleiben. Mutzte die Verwirklichung eines solchen Planes auf den Kenner und besonnenen Beurtheiler der disparaten, einer derartigen Verbindung widerstrebenden Gegensätze von vornherein den Eindruck der bedauerlichen Begriffsverwirrung machen, so werden wir in unseren Ausführungen Gelegenheit haben, zu erkennen, daß diese Zwitterbildungen seit den wenigen Jahren ihres Bestehens jene Begriffsverwirrung bereits bis zu einem Grade gesteigert haben, daß das Bewußtsein der inneren Unmöglichkeit und der unbedingten Unzulässigkeit dieser Neuschöpfungen und, was besonders bedenklich, die Erkenntnitz der durch dieselben der Forterhaltung des überlieferten Judenthums drohenden schweren Gefahr dem Herzen der in ihrem Bannkreis lebenden, sonst vollständig dem gesetzestreuen Judenthum angehörenden Männer uyd hierdurch auch zum Theil der öffentlichen Meinung im Kreise der deutschen Judenheit abhanden gekommen ist. Befassen wir uns aber nun mit.dex-heutigen Sachlage und versuchen wir, wie es unser Gegenstand verlangt, die Stellung des gesetzestreue» Judentum» aSSSäiSSfi&fiBI