Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1904)
- Date
- 1904-06-23
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1057 antwortet wurde, hatte die Verbindung mit den gleichstrebenden Organisationen hergestellt. Die dauernde Aufrechterhaltung dieser Verbindung wurde von den Mitgliedern der Versammlung als wichtiges Erforderniß bezeichnet. Allgemein machte sich die Ansicht geltend, daß die Mittel eines noch so blühenden Einzelvereins zu gering wären, um auf eigene Hand in gedeihlicher Weise Kolonisation treiben zu können; nur auf dem Wege der Sammlung der Fonds und ihrer gemeinsamen Verwendung durch ein Zentralorgan sei eine rationelle und wirklich bedeutende Aktion durchzuführen. Im weiteren Verlaufe der Diskussion wurde noch eine Reihe anderer leitender Prinzipien für den geplanten Kolonisationsverein sestgestellt, u. a., daß er nicht etwa die Auswanderung von Juden aus Ungarn,' sondern ausschließlich ausländischer Juden zu fördern hätte. Die Versammlung beschloß, sich zunächst betr. dieser leitenden Ideen der ganzen Kolonisationsaktion mit dem Pariser Zentralkomitee und den Vorständen der übrigen Kolonisationsvereine zu verständigen. Sobald, wie zu erwarten ist, in den allgemeinen Fragen volle Uebereinstimmung festgestellt wird, soll im Herbst an die definitive Gründung des Kolonisationsvereins geschritten werden. Für das rasche Aufblühen und die finanzielle Leistungsfähigkeit der neuen Organisation bieten die Persönlichkeiten, welche derselben ihr Interesse zugewendet haben, vollauf Gewähr. England. London. (Die dritte Lesung der Fremdenbill), welche am 8. Juni im englischen Unterhause stattfand, bat gezeigt, daß die Opposition gegen das Gesetz sich bis weit in die Reihen der Regierungspartei erstreckt. Mr. Akers-Douglas stellte den Antrag, die endgiltige Berathung der Bill der großen allgemeinen parlamentarischen Gesetzeskommission zu übertragen. Der sonderbare Antrag stieß jedoch auf hartnäckigen Widerspruch der Opposition. Nicht weniger als 18 Redner erhoben sich nach einander, um den Vorschlag des Ministers des Innern zu bekämpfen. Mr. Trevelyan erblickte in den Antrag der Regierung einen Versuch, die Diskussion über das Gesetz zu strangulirem "Die Fremdenbill habe mit der Gesetzeskommission ebensowenig zu thun, wie etwa das Gesetz über Home Rule. Sir Campbell-Vannerman weist daraufhin, daß die Fremdenbill mit den bisherigen Traditionen Oldenglands brechen will und müsse daher über dieselbe in voller Oeffentlichkeit diskutirt werden. Mr. Akers-Douglas: Die Bill ist in der zweiten Lesung mit einer Majorität von 124 Stimmen angenommen worden. Nunmehr handelt es sich nur noch um die Bestimmung der näheren Details und diese könnten sehr gut in der Gesetzeskommission erledigt werden. Dagegen wies Mr. Asquith auf die zahlreichen Widerspruche, auf die die Bill bei der zweiten Lesung im Unterhause gestoßen ist und forderte nachdrücklich die Berathung im Plenum. In dem gleichen Sinne sprachen sich Mrrs. Bowles, Lord Fitzmaurice, M'Kenna und Mr. Stuart, M. Samuel. Mr. Winston Churchill: Die Bill ist voller Widersprüche in Bezug - auf äußerst wichtige Materien, wie Freiheit und Polizei. Wenn die Regierung die Berathung im Gefetzeskomitee fordert, so erblicke er darin ein Zeichen, daß es der Regierung mit der ganzen Bill nicht ernst sei. Derselben Ansicht war auch Mr. Fowler, welcher überzeugt war, daß die Gesetzeskommission am wenigsten geeignet ist, eine solche Bill bald zu verabschieden. Mr. William Harcourt erblickte in dem Vorschlag der Regierung einen Bruch mit den Traditionen des Hauses, während Mr. Labouchere sich das Vergnügen machte, den eben cintretenden Premierminister Balsour .dessen Rede aus dem Jahre 1896 vorzulesen, in der er sich gegen eine Berathung von Bill in dem Gesetzeskomitee aussprach. Der Angegriffene wies auf die Geschäftslage des Hauses hin, welche eine Berathung von Bills im Gesetzeskomitee zur absoluten Nothwendigkeit macht. Die Opposition habe die Absicht, die Bill todtzureden. Mr. Balfour gab zu, daß die Verabschiedung der Bill nunmehr sehr zweifelhaft geworden ist. Die darauf erfolgte Abstimmung ergab eine Majorität für den Regierungsantrag, dieselbe betrug jedoch nicht mehr 124, sondern nur 90 Stimmen. Die Regierung beantragte nunmehr eine Resolution, welche für die Ausführung der Bestimmungen der Bill die nöthigen Mittel bewilligt. Die Resolution rief eine stürmische, über vier Stunden dauernde Debatte hervor. Mr. M'Kenna: Für die Ausführung einer solchen, durchaus schlechten Bill bewillige ich um so weniger die Mittel, als diese noch garnicht einmal genauer spezifizirt sind: Auch Mr. Vuxton will gegen die Resolution stimmen. Der Minister soll doch gefälligst sagen, ob sie wirklich ein wirksames Fremdengesetz haben, oder ob sie nur einige Schreier unter ihren Anhängern besänftigen will. Mr. Akers-Douglas erklärte aber auf alle diese Anzapfungen keine Auskunft über die Höhe der - muthmaßlichen Kosten geben zu können, solange die Bill nicht in allen Bestimmungen durch das Parlament gegangen ist. Es wird die Creirung eines neuen Beamtenheeres nicht beabsichtigt, vielmehr gedenke man mit dem vorhandenen Veamtenmaterial auszukommen. Mr. Asquith bestreitet dagegen, daß man ohne ein Heerneuer Beamten wird auskommen können. Die Regierung müßte denn beabsichtigen, die Bill einen todtkn Buchstaben bleiben zu lassen. Jeder Ankommende m England müßte ja nach allen Richtungen ausgefragt, werden, um festzustellen, ob er ein Fremder ist. ob er Mittel hat und kein Verbrecher ist. Dieses kann doch: . nichi-von! den vorhandenen.'Bemrllen lrplihr«it'.Muße«o stunden besorgt werden. Entweder ist die Bill nur für die Gallerie bestimmt und soll gar nicht ernstlich in An«