Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1904)
- Date
- 1904-06-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1048 Im zweiten Abschnitt des Voranschlags werden als zur Deckung verwendbar u. A. 3000 M. angeführt aus dem Kapitalvermögen der Centralkaffe, welche für den Druck des ersten Bandes der neuen reformirten Tefillo bestimmt find. Es ist des Oefteren in diesen Blättern das Unberechtigte dieses oberräthlichen Vorgehens erörtert worden, es ist hervorgehoben worden, wie durch diese neue Tefillo Kämpfe und Zwiespalt in die einzelnen Gemeinden getragen werden, als eine besondere Herausforderung muß es aber bezeichnet werden, wenn aus allgemeinen kirchlichen Mitteln auch nur ein Pfennig für diesen Zweck aufgewendet wird, aus Mitteln, zu denen doch die Gegner der neuen Tefillo gerade so gut beitragen müssen, wie jene, die das Gebetbuch „ersehnen". Von einem „kirchlichen Bedürfniß" selbst im weitesten Sinne des Worte? kann hierbei keine Rede sein. Hoffen wir, daß die Synode damit reinen Tisch macht. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. (Eindeutsch-jüdischer Frauenbund), welcher die israelitischen Frauenvereine Deutschlands zusammenschließen soll, hat sich hier konstituirt. In einer im Hotel Prinz Älbrecht abgehaltenen Versammlung, zu der neben hiefigen Damen auch sehr viele Theilnehmerinnen des internationalen Frauenkongresses, der gegenwärtig in Berlin tagt, in ihrer Eigenschaft als Vorsteherinnen jüdischer Frauenvereine 'erschienen waren, erstattete zunächst Fräulein Bertha Pappenheim -Frankfurt das Referat, in dem sie Zwecke und Ziele des neuzubegründenden Bundes darlegte. Es entspann sich eine ziemlich lebhafte Diskussion; schließlich wurde ein provisorischer Statutenentwurf vn btoe angenommen. Der Zweck des neuen Bundes, dem als provisorisches Komitee bis zur endgültigen Bildung etwa zwanzig Frauen angehören — darunter Fräulein Pappenheim-Franlfurt a. M., Frl. Sidonie Werner- Hamburg, Frau Dr. May-Berlin —. ist der Zusammenschluß zu gemeinsamer Arbeit in gegenseitiger Anregung für die Interessen der Allgemeinheit. Als Arbeitsgebiete gelten zunächst die Wege und Ziele sozialer Hilfsthätigkeit, der Volkserziebung, der Förderung des Erwerbslebens jüdischer Frauen und Mädchen. Hebung der Sittlichkeit. Bekämpfung des Mädchenhandels. Weiterhin erstrebt der Bund, das Interesse an' allgemeinen jüdischen Bestrebungen der .Gegenwart Zu erwecken und das jüdische Gemeinschaftsbewußtsein zü stärken. Dtt Bund'schliehk politische und religiöse Parteifragen grundsätzlich aus. Die Constituirung des Verbandes ist seit Jahren schon durch einzelne Vereine, namentlich in Hamburg. Frankfurt a. M. und Stettin, angestrebt worden. Frankfurt a. M. (I u st i z r a t h D r. H i r s ch s. A. über den „Judentag".) In Nr. 17 der „Mittheilungen der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" wird ein Artikel des sel. Justizraths Dr. Hirsch über den „Judentag" mitgetheilt, der allgemeines Interesse erwecken dürfte. Wir wollen daher nicht verfehlen, ihn unseren gesch. Lesern zugänglich zu machen. Mögen die Worte desgroßen Mannes die Würdigung und Beachtung finden, die sie in reichem Maße verdienen. „ErneZusammenfassung so gegensätzlicher Richtungen and nach so disparaten Zielen wirkender Kräfte in eine Gesammt - Organisation ist ohne Kränkung oder Verletzung der einen oder andern Richtung nicht denkbar. Unter der Umklammerung eines solchen Gesammtverbandes würde jede dieser gegensätzlichen Richtungen im Interesse ihrer eigenen Erhaltung suchen müssen, sich dem Einflüsse und der Oberherrschaft der andern zu entziehen; ein gemeinsames, aufrichtiges und hingebendes Wirken für sich gegenseitig verneinende Ziele ist durch diesen Gegensatz ausgeschlossen. Die Anhänger des gesetzestreuen Judenthums in einer solchen Scheineinigung könnten und dürften nach dem Diktat ihres religiösen Gewissens nicht zur Gründung und Förderung der den Abfall vom tradirten Judenthum lehrenden und erzielenden Anstalten und Bestrebungen Mitwirken und anderseits würden dir Anhänger der Reformrichtung die auf dem orthodoxen Judenthum basirten Ziele und Bestrebungen perhorresciren und ihnen keinenfalls eine überzeugungstreue Förderung und Pflege zuwenden. Es würde somit für die Richtung, Leitung und Maßnahmen einer solchen Organisation stets die jeweilige Mehrheit ausschlaggebend sein. So begegnet ja auch das Rundschreiben den gegen diese Gesammtorganisation erhobenen Bedenken — unter der Betonung, daß „die alte Zeit mit ihren Anschauungen, Errungenschaften und Mängeln dahin ist" — mit dem Hinweis, daß „derEinzelne der Gesammtheit Opfer bringen müsse". Welcher Art diese „Opfer" sein sollen, wird freilich nicht näher ausgeführt. Sollten die im Interesse der projektirten Gesammtorganisation geforderten „Opfer" vielleicht auf dem Gebiete religiöser Ueberzeugungen zu suchen sein?" „Die Voranstellung der Aufgabe, eine Schuhwehr gegen Verkümmerung der Rechte der Juden zu bilden, beseitigt oder mindert daher die erhobenen Bedenken keineswegs. Wie wäre es übrigens, wenn z. D. eine solche „beglaubigte Vertretung aller deutschen Juden" ' .! k ■\ |! i i! v