Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1904)
- Date
- 1904-06-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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45. Jahrgang. zu Jfs 49 des Dir" ' '* Sts knWUlils VZ k »kthsHskt WW SlUlfomli. Zeitgemäße Betrachtung von Leo Löv, Karlsruhe. Wir erhalten folgende Zuschrift: Es vergeht kaum ein Tag in der letzten Zeit, in der wir nickt stunde davon erhalten, daß das Großkapital wieder eine Beute verschlungen hat, sei es nun in Form der Auflösung oder Uebernahme einer Bank oder durch Zusammenzießen großer Industriezweige, in Gründung von Gesellschaften, die mehr oder minder wieder von den Großbanken abhängig sind. Diese Manipulationen des Großkapitals, die von allen Seiten mit gemischten Gefi'chlen ausgenommen werden, bilden speziell für den-jüdischen Kaufmann, der noch etwas auf seinen Glauben hält und dem es mit seiner Schabbosruhe ernst ist, eine Gefahr von ganz eminenter Tragweite. Wenn man bedenkt, daß Geschäfte, die bisher ihren Angestellten Samstags freigaben, nun auf einmal entweder ganz aufgelöst werden, oder aber in eine andere Gesellschaft übernommen werden, so gilt cs so gut wie ausgeschlossen, daß die Herren des Kapitals sich dazu versieben, den jüdischen Beamten diese Vergünstigung des Sabbathaltens, auch weiter zu gewähren. Leider werden durch diese Vergewaltigungen des Starken gegenüber dem Schwächern di: orthodoxen Kaufleute geschäftlich, in materieller Hinsicht zu den allergrößten Opfern gezwungen. Es toäre daher nicht nur sich selbst, sondern dem Gesammtjudenthum gegenüber, einem jeden Geschäftsmann, der es ernst mit seiner Religion nimmt, eine Pflicht und Schuldigkeit seinem Glaubensbruder die allermöglichste Rücksicht walten zu lassen. Aber leider gibt es heute noch viele Kaufleute, die erstens einmal so wenig wie möglich „jüdische" Leute sich halten, und man kann ruhig sagen, sogar damit knausern, weil sie doch wissen, den übrigen Angestellten, — die nebenbei gesagt ja in der heutigen Geschäftswelt keine Menschen, sondern Maschinen sind — nach Ansicht der meisten Chefs — keine andere Wahl bleibt, als nach Möglichkeit lange zu bleiben und sich, ausnützen zu lassen, denn diese Leute können doch nicht so schnell wieder eine Stelle finden, in der . sie Schabbos und Jomtof feiern können; von einer eventuellen Selbststandiamachung abgesehen.. Zweitens aber. und. ich finde dies direktal^ Mitschuld gegsn.. dse viebmi Verfehlungen gegen hie Schabbosruhe. -gibt 'es eine Anzahl jüdischer Firmen, die überhaupt keine Juden nehmen. - Nun fragt man sich, wo sollen denn die Leute arbeiten, wenn nicht bei Juden? Sollen die geistig und körperlich kräftigen jungen Menschen vielleicht faulenzen und betteln gehen? Gewiß ' nicht! Und gerade dieserhalb müßte es das Bestreben religiös denkender Juden sein, nicht nur privat, sondern auch geschäftlich ihrer Glaubenstreue dadurch Ausdruck zu geben, den Andern mithelfen, auch ihrerseits die Relt-. gion befolgen zu können. Es wäre für große Firmeü' doch sicher nickt von Nachtheil, ein oder mehrere junge. Leute mehr zu beschäftigen, wenn auch bei mäßiger Bezahlung, als verneinend den Kopf zu schütteln und dieselben in die Arme der Abtrünnigen zu jagend Man wende nicht ein, daß dies nur die weniger fest überzeugten Juden wären. Nein? Denn Hundert und aber' Hundert thun es nur der leiblichen Roth gehorchend. Knausern aber die großen jüdischen Firmen nicht so mit ihrem Personal, so finden dadurch wieder Dutzende von Leuten ihre Schabbosruhe, und was das heißen will,' überlasse ich jedem Einzelnen, „denn viele Wenige geben auch ein großes Ganzes." Ueberdies ist es den Prinzipalen durch ein gut eingelerntes und geschultes Personal eher möglich, sowohl zu Hause, wie auf der Mise, auch dem großen Konkurrenten gegenüber mit Erfolg auszuireten — trotz Schabbosruhe! — Ja, es wärt sogar sehr zu wünschen, daß in solch kritischen Zeiten, wie sie uns durch die riesigen Kapitalzusam'menschliestungen bevorstehen, die ) ü d i s ch e n streng^schließen-' den Firmen sich enger z u s a m m e n t h ü n.' Es könnte durch gewisse Abmachungen selbst unter den Firmen der gleichen Branche an einem Platze-ein viel ersprießlicheres Wirken und Gedeihen ermöglicht wetden. . Sind wir erst einmal so weit, daß die Rücksicht aus das Geschäftsverbältniß des jüdischen Kaufmanns voll und ganz ausgedehnt wird, dann können wir Orthodoxe wenigstens mit Zuversicht der Zentrali-. sation des Großkapitals entgegen gehen! — Zettungsuachrichte« und Corresporidtnze». Deutsch la n d. Berlin. Vom „Hilfsverein der Deutschen Juden" wird uns geschrieben: .. Se.ij länger.Zeit.^Mrd--.-vow.der jüdischen OSf»' Vplterunss jn i Jaffa: .dg H .-Bedürfniß - nach einem * unr«; derncn Kindergarten stark empfunden. Mangel an den nothwendigen Erhaltungsmitteln, sowie - Schwierig» , keilen aller Art haben die Begründung des Kinder- ^43217