Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1904)
- Date
- 1904-06-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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10 L gartens verzögert. Dank den eifrigen Bemühungen' einiger Freunde der Kindererziehung, wurde die neue Anstalt im Oktober 1901 mit ca. 40 Kindern eröffnet. Nachdem sich der „Hilfsverein der deutschen Juden" von der segensreichen Wirksamkeit des neu begründeten Kindergartens überzeugt hatte, beschloß er demselben eine größere Subvention zu gewähren. Damit war seine Eristenz begründet und nunmehr konnte er auch eine bedeutende Erweiterung erfahren. Die Entwickelung, welche der Kindergarten genommen hat, kann als erfreulich und durchaus befriedigend bezeichnet werden. Aus dem Bericht des Schullomitee's an den „Hilfsverein der deutschen Juden" geht hervor, daß die Anstalt gegenwärtig von 102 Zöglingen — 62 Mädchen und 40 Knaben besucht wird. Der eigentliche Kindergarten, mit 62 Zöglingen im Alter von drei bis fünf Jahren, besteht aus zwei Abtheilungen, an welchen zwei Kindergärtnerinnen und eine Gehilfin wirken. An den Kindergarten schließen sich zwei Elementarklassen an. in welchen 40 Kinder von einem Lehrer und den Kindergärtnerinnen in den Elementarfächern unterrichtet werden. Bor einiger Zeit hat der Kindergarten ein neues Schulhaus bezogen, das allen hygienischen Anforderungen entspricht. Aber auch dieses Schulhaus erweist sich bereits als zu klein. So mußten 20 Neuanmeldungen wegen Raummangels abgewiesen werden. Diese Thatsache beweist wohl am besten, welchem Bedürfnis der Kindergarten entspricht, an deren segensvoller Wirksamkeit Äschlenasim und Sephardim gleichmäßig theilnehmen. Die Einrichtung der Elementarklassen und deren starker Besuch beweist ferner, wie nothwendig die Einrichtung einer neuen Schule in Jaffa neben den bestehenden ist. - Berlin. lieber den gegenwärtigen Stand der Schächtfrage sprach dieser Tage Rabb. Dr. M u n k - Marburg in einer Sitzung des Centralausschusies des Deutschen Rabbinerverbandes in Berlin. Die Frage habe eine für das Judenthum ungünstige Wendung genommen. Bon den schächtfreundlichen Gutachten seien verschiedene widerrufen worden. Mehrere Städte hätten bereits in ihren Schlachthäusern das Schächten verboten. Erfreulich sei die Haltung des preußischen Ministeriums. insbesondere des Handelsministers, die aus Gründen der Gewissensfreiheit und Billigkeit eine Regelung der Schächtfrage in judenfreundlichem Sinne wünschten, dagegen habe das Oberverwaltungsgericht, allerdings nur aus formellen Gründen, entschieden, daß eine Gemeinde nicht angehalten werden könnte, das Schächten in ihrem Schlachthause zu gestatten. Redner empfahl als einzigen Ausweg die gesetzliche Regelung der Schächtfrage und die Errichtung eigener jüdischer Schlachthäuser durch die Synagogen-Gemeinden. Der Ausschuß soll die politische und administrative Seite der Frage gemeinsam mit dem Verbände deutscher.Juden bearbeiten, die religiöse einem Rabbiner-Ausschuß überweisen. Hannover, im Juni. (Israelitische Erziehungsanstalt in Ahle in.) Für den verewigten Alphons Jacobson wird am 26. ds. Mts. eine Gedächtnißfeier abgehalten werden. Alphons Jacobson hat s. Z. in Gemeinschaft mit dem Consul Simon die Anstalt begründet; üe wäre ohne Jacobsons thatkräftiges Eingreifen kaum zu der heutigen Blüthe gelangt. Im Anschluß an die Feier findet eine Besichtigen g der A n st a l t statt und an diese schließt sich ein einfaches, gemeinschaftliches Mahl in der Anstalt, sodaß die auswärtigen Gäste ohne weiteren Aufenthalt in Hannover, zurückfahren können. Die Anstalt ist von der in der Nähe des Bahnhofs gelegenen Keorgstraße aus mit der Straßenbahn (Wagen mit grüner Scheibe) in 25 Minuten bequem zu erreichen; an der Endstation der Straßenbahn stehen Wagen der Anstalt für die Gäste bereit. BreSlan, 16. Juni. In Sachen des jüdischen Religionsunterrichts an den Mittelschulen hat der Deutsch-israelitische Gemeindebund an das Kultusministerium eine Eingabe gerichtet, in der er um Einführung des jüdischen Religionsunterrichts durch alle Klassen der höheren Lehranstalten, die Ertheilung einer Note über „Religion" im Abgangszeugniß der jüdischen Abiturienten und die Einräumung eines gewissen Aussicht srechts über den jüdischen Religionsunterricht an die jüdischen Gemeinden ersucht. Bad Rauhen», 17. Juni. In Nr. 18 des „Israelit" ist des neuen „Israel. Frauenheims" hier gedacht und hierbei zweier Namen Erwähnung gethan. welche sich um die Gründung desselben verdient gemacht haben. Gestatten Sie einem Kurgast die Bemerkung, daß die hier wohnende Frau H. Grünbaum, welche seit vielen Jahren an der Spitze des-„Unterstützungsvereins fiir arme jüdische Kurbedürftige" steht, auch bei der Gründung dieser neuen Institution in hervorragender Weise betheiligt war. Bei dieser Gelegenheit inöge es auch gestattet sein, darauf hinzuweisen, daß der Zuzug nothleidender jüd. Kurgäste immer stärker wird und wäre es ein gutes Werk, wenn die vielen ehemaligen Kurgäste, welche hier Heilung gefunden haben. Beiträge zur Unterstützung dieser dürftigen und kranken Glaubensgenossen einsenden würden. Rußland. Petersburg. In einer der neuesten Nummern der in London erscheinenden Zeitschrift „Free Ruflia" werden interessante Mittheilungen darüber gemacht, warum es während der letzten Osterfeiertage nicht, wie man mit gutem Grunde behauptet hatte, zu neuen Judenbetzen in Odessa gekommen ist. In Charkow, Kischinew, Jelisawetgrad. Rikolajew und Odessa waren für Ostern Judenhetzen vorbereitet und namentlich in Odessa war die Lage so bedenklich geworden, daß der Bürgermeister den Präfekten darauf aufmerksam machte. Diese Vorstellungen hätten aber nicht viel gen h\ 'U; ■‘I; I4* Gl ft w, V-' I