Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1904)
- Date
- 1904-06-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1030 »Auf Deine Hilfe hoffe ich. Gott; ich hoffe, Gott, auf Deine Hilfe; Gott, auf Deine Hilfe hoffe ich." Den letzten Satz hatte der Kleine nicht mehr nachgesprochen. er war eingeschlafen, und mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen schloß auch die Mutter die Augen. Keßler saß noch immer zurückgelehnt mit geschloffenen Augen und lauschte, und lauschte, lauschte noch immer auf die Stimme in seinem Innern, denn ihm war, als wäre er selbst der kleine Knabe, der nicht schlafen zu können glaubte, weil er nicht gebetet und der nun so ruhig schlummerte auf dem Schoße seiner Mutter, und als wäre jene jugendlich schöne Frau seine eigene Mutter, die er so früh verloren und die dereinst an jedem Abend jenes Gebet ihm vorgesprochen hatte. Was war ihm denn heute? — Welch' seltsame Gedanken kreuzten seine Stirn? — Er wollte schlafen und unwillkürlich öffneten sich seine Augen wieder und er blickte wie mit einem gewiffen Neide auf die gegenüber schlummernde Familie. — Wenn er nur auch so schlafen könnte. — Aber warum konnte er's nicht? Unwillkürlich kamen ihm die Worte des kleinen Knaben wieder in den Sinn, der nicht schlafen zu können erklärte, weil er nicht gebetet hatte. — Es kam ihm vor, als hätte er dereinst dieselben Worte gesprochen. Ein halb mitleidig, halb verächtliches Lächeln zuckte um seine Lippen. Wenn er nur schlafen könnte! — Mit Gewalt schloß er die Augen. — War er eingeschlafen oder war er wach? er wußte es nicht, aber er vernahm es deutlich wie er selbst, er, Profeffor Doktor Otto Keßler das israelitische Glaubensbekenntniß sprach: „Höre Israel. Gott unser Gott, ist Gott der einzig Eine!" Aber gleich darauf brach er in ein grelles, grauenvolles Lachen aus und eine Stimme in seinem Innern rief: „Infamer Spötter, wie darfst Du es wagen, den einzig Einen zu nennen, du, der.du für deine Professur deinen Glauben verschachert hast!" Er aber lachte noch greller, noch grauenvoller. Doch als er bald darauf die Augen aufschlug, entstürzte denselben ein Strom von Thränen. Verwundert blickte er um sich. Er mußte doch geschlafen haben und während er geschlafen, mußte der Zug gehalten habeir und die Familie, die ihm gegenüber gesessen, mußte ausgestiegen sein. Oder hatte ihm vielleicht nur geträumt, daß dort Leute gesessen und geschlafen hatten? — Der Kopf war ihm wüst und schwer, wie nach einem Rausch, und er hatte doch nichts getrunken. Was war ihm nur heute? — Aber nein, er hatte doch nicht geträumt, dort lag ein kleiner Pelzhandschuh, den mußte das kleine Bürschchen verloren haben. Er nahm den kleinen Handschuh und betrachtete denselben mit einem Interesse, über das er selbst lächeln mußte. Dann griff er nach seiner Nhr, wenige Minuten fehlten noch an zwei Uhr, er war sofort am Ziel seiner Reise. Er zog den Pelzrock über, den er nach dem Einsteigen abgelegt hatte, gleich darauf hielt der Zug. (Fortsetzung folgt.) Freitag. 24. Juni. 11. ThanmS. Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Samstag, 25. Jnni. 12. Thainn?. *7 ‘n 'i pis ,phi npn. Sabbat-Ausgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr 40 Min. — Berlin 9 Uhr 35 Min. — München 9 Uhr 08 Min. — Stuttgart 9 Ubc 24 Min. — Stratzburg 9 Uhr 30 Min. — Bosen 9 Uhr 23 Min. — Stettin 9 Uhr 41 Min. — Breslau 9 Uhr 04 Min. — Nürnberg 9 Uhr 22 Min. — Wien 8 Uhr 56 Min. — Paris 9 Uhr 05 Min. — Prag 9 Uhr 15 Min. Der „Israeliterscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen- Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. 5*. # t rin ack er, Leipzig, Rotzplatz J6. — Inserate 25 Pfennig die viergcspaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stcllcsuchcnde und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende »Kleine AuSgabe deS JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indrß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnfertionSbetragS au außer Stelle Befindliche bis na» Erlangung einer solche«. Bremen. spondenzen Sprüche der'Väter.' —" Verzcickniß der rittuellen Speisehäuser und 'Hotel-Nestauränts des'.BcrenlS zur Forderung ritueller Spelsehäuser" (Sitz Hamburg).__ DerantwnrtliSe Nedaction: OSear Lehmann tn Malm. — Exvedition des Israelit'. Schottstrahe Nr- L Mainz. Druck und Verlag der Job. Wtrtb'lLen vofbuchdruckerei Actien^Sesellsrhakt in Mainz. Hierzu drei Vellage«.