Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1904)
- Date
- 1904-06-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Verlobten vor, es wurde mich aufrichtig freuen, ihn kennen zu lernen." Er drückte ihr herzlich die Hand, gebot ihr als Vormund ruhig liegen zu bleiben und nickte ihr noch von der Thür her freundlich zu. Draußen in der Halle traf er die Frau des Verwalters. „Vor allem, Frau Müller, meinen herzlichsten Glückwunsch zu Ihrer liebreizenden Schwiegertochter in spu. Aber sagen Sie mir, ist das junge Mädchen immer so zart, oder ist es die Aufregung der jüngst verflossenen Zeit, die ste so heruntergebracht hat?" „Frieda war immer zart und der Verlust ihres Vaters, an dem sie ich möchte fast sagen mit schwärmerischer Zärtlichkeit gehangen, hat sie stark hergenommen. Aber der Herr Professor finden doch nichts Bedenkliches? —* „Das läßt sich ohne gründliche Untersuchung nicht entscheiden und eine solche habe ich heute nicht zweck mäßig gefunden. Aber es wäre mir erwünscht, wenn Fräulein Grünwald. nachdem sie sich erholt haben wird, mich besuchen würde, selbstverständlich nur bei günstig-r Witterung. Vielleicht kommen Sie einmal an einem Sonntag niit ibr nach G. . . . Sie müßten Mich nur vorher benachrichtigen, weil ich gewöhnlich am Sonntag nicht ordinire. Aber wenn ich weiß, daß ich die Damen erwarten darf, werde ich Sie gern empfangen. Doch ich muß eilen, daß ich zum Bahnhof komme, sonst acht der Zug ohne mich. Leben Sie wohl, Frau Müller." Raschen Schrittes entfernte er sich, es war in der Tbat höchste Zeit. er hatte sich bei seiner Mündel langer aufgebalten. als er beabsichtiat hatte, denn er wünschte anfrichtia. ibr in jeder Reiiebuna nützen ru können. Hanvtsache erschien ihm ibre Gelundbeit. über die er nicht aanz ohne Soraen war. doch ließ sich im Augenblick nach dieser Richtung bin nicht viel thun, daß das Erforderliche m ihrer Kräftigung geschah, davon hatte er sich Lberreuat. Seltsam war es. welches Interesse >a? iunae zarte Mädchen ibm eknflößte. Wenn das seine Frau wüßte, sie wäre außer sich gerätst-" obgleich dieses 3»= teresse vollkommen rein und barmln? mar. Seine Frau nnd seine Mündel, man konnte sich keine arößern Geaensäße denken. Stefanie, eine volle entfaltete 6>ntisiole. deren süßer Duft den inneren Mobner betäubend die Leidenschaft erweckt. Frieda, eine sich kaum öffnende Knolve. mit zartem reinem JF>aiK6. Wie seltsam, was sie ibm von ibrem Vater ergäbst. Grunwald die Ritnalaesetze beobachtend — er kannte es sich kaum denken. — Und schwer verwundet, sastte erwie einst sein Kind, lieber aedarbt. als nicht rituell bereitete Speisen aen allen baben? — es erschi-n ihm uvg.lauhVch — Freilich, im Anblick "des herannabenden Todes werden selbst die Mutbiaen oft Memmen und selbst Freidenker klammern sich oft in ihrer letzten Stunde an langst vergessene Observanzen, die sie in ihrer Kindheit geübt. — Aber Frieda hatte ihm doch erzählt — und sie konnte nicht lugen, davon hielt er sich überzeugt — daß ihr Vater schon feit vier Jahren Alles, wie sie sich ausgedrückt hatte, strengstens beobachtet hatte, und gerade diese Zeit hatte der Verstorbene ihm gegenüber als seine glücklichste bezeichnet. — Rein, Grllnwald konnte er nicht zu denen rechnen, die im Anblick des Todes die Flinte in's Korn werfen und aus Freidenkern Frömmler werden. Er hatte den Tod nicht gefürchtet, hatte nur gefürchtet, daß er ihn ereilen könnte, bevor er die Zukunft seines Kindes gesichert — Seltsam. — Doch er hatte den Bahnhof erreicht, indem er sich mit der Hand über die Stirn fuhr schwanden seine. Traumgestalten. Er hatte grade noch Zeit Billet zu nehmen und auf den Perron zu eilen, er sprang in das erstbeste Koupee, das der Schaffner ihm öffnete, gleich darauf setzte sich der Zug in Bewegung. Das Koüpee war nicht überfüllt, nur drei Personen befanden sich in demselben, ein Herr und eine Dame, offenbar ein Ehepaar nnd ein kleiner ungefähr vieriähriqer Knabe. Es war neun Uhr Abends. Der Herr lebnte in die eine Ecke und schlief, die Dame und das Kind saßen neben ihm. Keßler setzte sich an das andere Fenster, der Familie schräg gegenüber. Er versuchte zu lesen.' aber die Beleuchtung war schlecht, das Licht flackerte, beständig hin und ber. Unmutbiq faltete er die Zeitung zusammen und schob sie in die Tasche, lehnte zurück, schloß die Augen und versuchte zu schlafen. Aber Verl Schlaf kommt nicht auf Kommando ru ungewohnter. Stunde und zu dieser Zeit batte er Vielleicht noch nie aeschlafen. weniastens nicht so lanae er denken konnte Freilich als Kind würde er auch wohl zu dieser Zeit geschlafen haben. Aber das kleine Rübch-n drüben auf der Rank schien auch nicht schlafen zu können, obaleich s-ine Mutter es sebnlichst zu wünschen schien. Es lag mit dem Krauskönfchen ans ibrem Schoß wäbrend die Füßch-n die gevolsterte Rank kräftig bearbeiteten. ...Komm' Alex, fei mein artiges Kind, schlafe schön." flüsterte di: Mutter ibm ru. „**4 kann aber nicht schlafen." entaeanete der Kleine mit weinerlicher Stimme, ohne die Arbeit seiner kleinen Füße zu unterbrechen Jdj babe ia nicht gebetet." . Run. so bete schön. Soll ich Dir vorsagen?" -Ja." erwiderte er. . aber alles." . Die Mutter neiote sich über ihn und langfani und deutlich fvrach sie iedes Mort ibm vor. und langsam. und deutlich fvrach er iedes Mort ihr nach: . . . . -Höre Israel. Gott unser- Gott ist, Gott. d'erEknzig Ein«.'»: . -Siebe, es schlummert nicht und es schläft nicht der Hüter Israels."