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Der Israelit · 1904-06-20 · Heft 49 (20.6.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 49 (20.6.1904)
Date
1904-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1028 Ich habe die Einwanderer auch in ihrer ehemaligen Heimath besucht und kenne sie daher ziemlich genau. Ich lasse .mich durch ihre äußere Erscheinung daher nichttäuschen, aber der die Einwanderer inspizirende Beamte dürfte wohl weniger vorurtheilsfrei sein und es wäre unfair, einem solchen untergeordneten Manne das Schicksal so vieler Armen anzuvertrauen. Daß die Juden in Stepney beisammenwohnen, ist keineswegs auffallend. Auch die in London eingewanderten Franzosen und Italiener haben in Soho, resp. Holborn, ihre eigenen Ghettos. Während aber die Franzosen und Italiener, wenn sie sich einiges Geld gespart haben, das Land wieder verlassen, bleibt der heimatlose russische und rumänische Jude in England. Redner schlägt vor. daß der von der Bill geforderte Paß nicht von den russischen und rumänisch:» Behörden, sondern von den englischen Konsuln oder von dem Rabbiner des Ortes ausgestellt werden sollte. Es sprachen noch Mr. Claude Montefiore als Präsident der Anglo Jewish Aff., sowie Mr. Stuart M. Samuel als Mitglied des Unterhauses für Whitechapel. Letzterer machte den Unter staatssetretär darauf aufmerksam, daß dm Zahl der ' fremden Verbrecher im Jahre 1903 nur 652 und die der fremden Armen 1753 betragen hat. Er fordert schließlich, daß die Bill eine Bestimmung zu Gunsten solcher Einwanderer erhalten soll, die in ihrer Heimath wegen ihrer politischen oder religiösen Gesinnung verfolgt wurden. Der durch so viel Argumente in die Enge getriebene Mr. Cocherane versicherte zunächst nochmals, daß die geplante Fremdenbill keine antise 'ütischen Tendenzen habe. Rur Kranke, mittellose u. übelbeleumundete Einwanderer sollen von ihr betroffen werden. Da aber .die Einwanderer dieser Kategorien laut Versicherung der Herren Deputirten unter den Juden des Ostens sehr minimal seien, so tangire die Bill die ' Juden sehr wenig und er könne nicht begreifen, wes-; wegen die englische Judenheit sich über dieselbe so sehr aufrege.... Auch der jüdische Board of Gua, diau8 repatriire ja jährlich einige Emigranten; weshalb soll ' das Gesetz nicht dasselbe thun und die „Jndesirables" an der Einwanderung verhindern? Mr. Cocherane wurde belehrt, daß die vom Board of Guardians aus vorgenommenen Repatriirungen stets auf den eigenen Wunsch der Repatriirten geschehe, welche selber eingesehen haben, daß sie in England die erhoffte Existenz nicht gefunden haben. Mr. Cocherane: Jedenfalls wird es dem lloard of Guardians nicht unangenehm ' sein, wenn die Personen, die er alljährlich repatriiren muß. schon von vornherein wissen, daß man sie in England nicht mit offenen Armen empfangen werde, i Das wichtigste jedoch ist, daß wir alle darüber einig i sind, daß die von der Bill bedrohten Personen nur zum : geringsten Theil .der jüdischen Raffe angehören, Was Hrß^.oang^übelaüg^ r/äliochi:-.a Vorschlag s Sir Montagues für sehr diskutabel. Auch die Vorschläge, welche Mr. Alexander als Präsident des Board of Deputies mir schriftlich überreicht hat^ will ich umgehend an den Minister befördern und ich denke, in der parlamentarischen Kommission, in der die Bill berathen wird, werde sich reichlich Gelegenheit zur Anbringung von Amendements finden. Eins will ich aber noch sagen: Kein Mensch in England denkt daran, das Land den politisch Verfolgten, die bona fide Englands Küste aufsuchen, um hier Schuh zu finden, irgendwie zu versperren. Kein Minister würde bei uns so etwas wagen. Alles was die Bill beabsichtigt, ist. daß das Land nicht ein Tummelplatz für Verbrecher und Desparados wird und daß Kuppler und Zuhälter hier keine sicher geschützte Heimstätte finden, um durch Ausbeutung unglücklicher Geschöpfe ein behagliches Dasein führen zu können. Ich danke Ihnen, meine Herren, und versichere Sie nochmals, daß alle Ihre Anregungen mit möglichster Beschleunigung dem Minister übermittelt werden sollen. Personalien. Poltawa. Dem bekannten Rabbiner E. A. Rabinowitz. Herausgeber des „Hapeles", ist allerhöchster Dank des Czaren (26. Mai d. I.) durch den Minister des Innern übermittelt worden für sein Werk: „Ueber die große Bedeutung des Monarchen." Der Ertrag, (300 Mark) den der Verfasser zum Besten der derwundeten Krieger im fernen Osten bestimmt, ist der „Russischen Gesellschaft des rothen Kreuzes" zur Verfügung gestellt worden. Endlich findet der Märtyrer für seine Ueberzeugungen nach vielen, vielen Verfolgungen, Anerkennung für seine wirksame Thätigkeit. Jacob Ephraimsohn. Fulda. $ (ttUleioit. Wahrheit und Wichtung. Von Friedrich Rott. l4& „Es wird doch Zeit, daß ich mich auf den Weg mache, sonst erreiche ich den Zug nicht mehr. Also, liebes Kind, leben Sie recht wohl und werden Sie recht bald frisch und kräftig und wenn die Witterung günstig wird, besuchen Sie mich doch einmal in G. . . ., es ist ja nicht weit, in fünf Stunden ist man dort. Vielleicht wenn der Herr Doktor Müller Sie besucht, machen Sie mirmitihm das Vergnügen und stellen mir Ihren

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