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Der Israelit · 1904-06-20 · Heft 49 (20.6.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 49 (20.6.1904)
Date
1904-06-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1025 Ich habe eine zu gute Meinung von jedem oan "robn, als daß ich voraussetzen könnte, daß er im Ernst derartiges behaupten kann. Denken wir uns einmal, wir hatten das Glück, das ganze jüdische Volk in unseren Reihen zu sehen, denken wir uns, es geschähe ein Wunder und alle unsere Brüder würden mit einem Male ein gottgefälliges und wahrhaft jüdisches Leben beginnen, dann müßten wir nach der Ansicht des Herrn Katzburg die Hoffnung aufgeben, jemals erlöst zu werden. Die armen Zionisten, die stehen jetzt vor einem unlösbaren Dilemma. Oberrabbiner Roth fordert sie auf und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sie mit der Zeit dazu kommen werden, wahre Jehudim zu werden, denn sonst versagt er ihnen den Gehorsam und Herr David Kotzburg fordert sie auf, in ihrem Abfall zu verharren, denn sonst ist die ganze Geuloh gefährdet. Ich bin doch begierig zu hören, mit welcher njo Herr Katzburg die rr betet. Da betet er imnm U'2x rawn murre, was sich ja auf ganz Israel bezieht, sodann bittet er sicher sehr ehrlich den himmlischen Vater, daß er uns doch bald nach Jerusalem zurückführen möge, was aber nicht anders möglich ist, als wenn wir nicht Alle mit ganzem Herzen zu Gott zurnäkehrey. Oder stellt er auch die alte Alternative, wenn *i rbo dann kj ,Toyx i>v2? Herr Katzburg behauptet drittens, daß er sich vergeblich bemüht habe, in Talmud und Poskim eine Stelle zu finden, in der die Befürchtung ausgesprochen ist, daß die nationale Idee eventuell der Religion schaden könne. Der Fromme, meint er, wird sich nie beirren lassen und daß es nicht angebracht ist, einen Nichtfrommen von einer Mizwoh abzuhalten, bedarf keines Beweises. Wenn ich nun an Spitzfindigkeiten Gefallen hätte, würde ich Herrn Katzburg erwidern, 'daß er ja selbst den Beweis erbracht hat, daß es wohl angebracht ist, einen Nichtfrommen von einer Mizwoh abzuhalten, da er sonst aufhört, nichtfromm zu sei» und so untauglich wird für die ersten Schritte der Geuloh. Aber ich will die Spitzfindigkeit ihm überlassen und ihm folgendes sagen. Wir haben niemals gesagt, daß die nationale Idee der Religion schade. Wir haben nur gesagt, daß die e i n s e i t i g e u. ausschließliche Betonung des nationalen Charakters des Judenthums dem Judenthum schade, wir haben ferner gesagt, daß das Judenthum nicht in dem Sinne eine Nation sei, wie etwa die deutsche, daß auch unser nationales Leben dem Diktat der Thora unterstellt werden müsse. Wir haben ferner gesagt, daß es uns durchaus nicht genügt, aus der „Volkssache eine Religion zu machen", wie ein geistreicher Zionist es haben will, sondern daß für uns die Religion Vollssache bleiben soll. So ist es uns auch'nicht" in den Sinn gekommen, die Nichtrcligiösen an der Ausübung einer Mizwa zu verhindern, wir haben durchaus nichts dagegen, wenn diese Kreise Zionisten sind, denn bei ihnen ist es ein Fortschritt gegen früher, wir haben nur gesagt, daß wir nicht mit' ihnen zusammen die Mizwa erfüllen wollen. Wenn ich nicht irre, ist auch nroen r6t>n eine Mizwa und nichtsdestoweniger wird man nach dem allerdings nichtzioniMchea rv einen wv.1102 rav --no kaum zu mitzahlen dürfen. Es handelt sich für uns nicht.darum^ -was jene Kreise, die nicht zu uns gehören wollen, thun oder lassen sollen, sondern lediglich darum, was wir zu.thün haben. Und uns ist unser Weg vorgezeichnet. Wir müssen dem Zionismus gegenüber vorläüfig?aüfder Hut sein und zu verhüten suchen, daß er in unsere Kreise dringe, aber wir dürfen uns auch nicht mit dieser Negation allein begnügen, denn, diese ist unfruchtbar, sondern wir müssen auf Mittel'upd Wege sinnen, wie wir dem Elend unseres Volkes steuern können, denn verharren wir auf diesem unfruchtbaren nichts Positives leistenden Standpunkte, so lausest wir Gefahr, daß noch Viele in den Bannkreis des Zionismus gerathen werden, für die es schade wäre. Der Zionismus hat ja in Wirklichkeit noch gar nichts geleistet, auf dem Wege positiver Arbeit werden wir ihn.HM leichtesten überwinden können. " / >.■■■ *' Zeikmgsrrachrichten rmd Corresponderrre«. r. Deutschland. Mainz, 16. Juni. (JüdischesLehr'tr Proletariat.) Unter dieser Spitzmarke bringt' die hier in Mainz erscheinende „Volkszeitung* Folgendes: „Nackstehende Annonce befindet sich tn'dtt 'NkI'45 der hier in Mainz im Verlage der Wirth'schen Hofbuchdruckerei erscheinenden Zeitschrift „Der Israelit": Die hiesige Religionslehrer-. Vorbeter- und Schächterstelle ist sofort durch einen verheiratheten Lehrer zu besehen. Ertrag 700—800 ffiti Frese Wohnung. Bewerber wollen sich meldem G...., Rheinpfalz. 30. Mai. Der Vorstand A. M.^.. . Ein solcher Lehrer muß bis zu seinem 20. Lebensjahre die Präparandenschule und das Seminar besuchen, Kat dann noch vier Jahre Konferenzarbeitcn zu machen und ist dann, wenn er im Alter von 24 Jahren das Staatsexamen glücklich bestanden hat. noch lange nickt wohlbestallter Lehrer: denn dann muß er sich ja erst verheirathen, bis ihn eine Gemeinde fürwürdig erachtet. den so fürstlich besoldeten Posten einzunehmen. Jedenfalls befürchtet die obengenannte Gemeind^., esn einzelner Mensch könne 60 Mk. pro Monatnicht. durchbringen, weßhalb er Familie habe» muß. -Diese Annonce im orthodoxesten jüdischen Familienblätt spricht eine erschütternde Sprache.? ',.'' Soweit 'dft..MgZAze,s.lVMzettM^1').-.. Dir haben dem nur Weniges anzufügen. Ehrlicherwesse muß das Blatt zugestehen, die Notiz wört-

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