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Der Israelit · 1904-06-16 · Heft 48 (16.6.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 48 (16.6.1904)
Date
1904-06-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1016 und seiner Thora, ein in der jüdischen Geschichte beispiellos dastehender Antagonismus droht. Wäre der Zionismus auch nur als philanthropische Vereinigung aufgetreten, hätte er sich damit begnügt, lediglich das jüdisch-humane Hochgefühl für die leidenden Glaubensbrüder zu erwecken; bei der Hochachtung und Sympathie, die man für die geehrten Führer empfindet, wäre man ganz gewiß mit allseitiger Zustimmung und Beruhigung zur Tagesordnung üoergegangen, ohne nach der Glaubenstreue der im Dienste jüdischer Humanität stehenden Persönlichkeiten zu forschen. Offiziell wurde es aber ausgesprochen: „Man darf von einer zionistischen Partei im Judenthum nicht sprechen. Wir weisen diese Bezeichnung mit Spott und Verachtung zurück. „Die Zionisten sind keinePartei.sie sind dasJudenthum selbst," Alles was im Judenthume lebendig ist. was ein jüdisches Ideal, was Manneswürde, was Entwicklungsfreudigkeit hat, daL ist zionistisch. ... In unserem Lager ist Israel. Ihr anderen seid müßige Glieder." So svrach Nordau auf dem Kongresse des „jüdischen Volkes" und „seine ganze Nation" jubelte ihm zu. Unter solchen Verhältnissen haben _ doch die übrigen, die zufällig nicht auf dem Kongresse vertreten sind, die sich aber auch für Juden halten möchten, die Berechtigung, an die Zionistenführer die bescheidene Frage zu richten: Wie steht es denn mit der Thora? Bleibt auch in der neuen Aera des Zionismus das Gottesgesetz Israels Lebensseele? Betrachtet auch der Zionismus in allen seinen Idealen die Thora, das mündliche und schriftliche Gesetz, „als das einzige Nationalgut Israels"? Diese Frage muß der Zionismus klar und deutlich, in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise, beantworten. Jedes Ausweichen, jedes Versteckenspielen mit dieser Hauptfrage ist ein Verrath am Judenthum. Als wir davon hörten, daß Herr Rabbiner Roth als Delegirter die Reise nach Basel unternimmt, glaubten wir keinen Augenblick daran zweifeln zu dürfen, der Herr Rabbiner werde ganz gewiß die offizielle Beantwortung dieser Hauptfrage provociren. In seiner großen Begeisterung hat er es aber vorgezogen, sich auf dem Kongresse gründlich auszuschweigen. Er war erfüllt von Zionsgedanken und begnügte sich für das Ostafrikaprojekt zu stimmen. Er hat es gewiß ehrlich gemeint, aber die* Massen. denen er zur Hilfe eilte, sind ganz anderer Gesinnung. Zionismus ohne Zion, Judenheit ohne Judenthum ist das Substrat des auf ethnographischen Grundsätzen aufgebauten jüdischen . Nationales. Im Sinne und im Geiste des csh 'b Dar» wpVi ist ein solches Nationale mit nichten. Es klingt etwas paradox, aber der große Chatam Sofer b st schrieb es einmal seinem großen Schüler Rabbi Meir Eisenstädter Vst: „Wir glauben und es unterliegt keinem Zweifel, daß uns der Allmächtige dereinst erlösen und in das Land unserer Väter zurückführen wird — eine Zukunft, die Hand in Hand geht mit Erhebung der Allmenschheit zur Allverbrüderung unter Gott — aber keineswegs dürfen wir diesen Grundsatz so aufstellen, daß wenn, was Gott behüten wird, wir durch unsere Sünden zur ewigen Verbannung verurtheilt wären — wir uns auch von der Gottesverpflichtung lossagen dürften, wenn auch nur durch die Abänderung eines ,.J"-Tippelchen oder irgend einer rabbinischen Satzung — Gott bewahre! Wir dürfen nicht Gott dienen, bloß um die Frucht des Landes zu genießen und von dessen Güte uns zu sättigen. Gottes Willen zu vollführen ohne jede Bedingung und Voraussetzung — das ist unsere ewige Aufgabe. In jedem Falle müssen wir Diener Gottes bleiben und Er möge mit uns verfahren nach Seinem Willen. Die Erlösung an und für sich ist demnach keine Bedingung, wohl aber müssen wir glauben, was uns in der Thora und von den Propheten verheißen wurde. Und indern das Gotteswort unsere dereinstige Erlösung im Vorhinein verkündet hat, ist jeder, der daran zweifelt ein Leugner des Creditivs und der Grundsätze der Thora und Propheten." (rw tv mts.) Der illustre Führer des Zionismus hat den ersten Kongreß damit eröffnet, daß er erklärte: „Der Zionismus ist die Heimkehr zum I u d e n t h u m vor der Rückkehr in's Judenland." vwpn rrcx xb "ns. Wir haben noch nicht jede Hoffnung aufgegeben, daß der große Mann, dem es gelungen, weite jüdische Kreise um seine Fahne zu sammeln, bei den gesetzestreuen Führern Israels sich darüber belehren lassen wird, in wieweit die von ihm propagirte Idee uns von jenem Ziele entfernt, dessen Erreichung nach dem Worte unseres Gottes die Vorbedingung für die Heimkehr bildet. Nur wenn der Zionismus mit loyaler Offenheit ohne „Wenn" und „Aber" seine Stellung zu;n Judenthum, zu seinem Gottesgesetz präcisirt, wenn es offiziell anerkannt sein wird, daß die Thora das einzige Nationalgut für die Lebensbethätigung Israels in allen seinen Beziehungen bildet, dann werden sich die Gesehestreuen wie ein Mann in den Dienst einer Bewegung stellen, die den Namen Zion auf ibre Fahne geschrieben. Denn „auf Zion thront das Gotteswort", und deßwegen und nur deßwegen ist Zion das Ziel unserer Sehnsucht. Bis dahin müssen wir weiter geduldig warten. Herr Rabbiner Roth ist auch sehr im Jrrthum. wen,! er behauptet, daß die mm »Vre in Rußland und auch sonst ein großer Theil der orthodoxen Rabbiner

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