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Der Israelit · 1904-06-16 · Heft 48 (16.6.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 48 (16.6.1904)
Date
1904-06-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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45. Jahrgang. Liürgs zu M 48 dss u Zionisttius vom Standpunkte des Zudenthmns. (Schluß.) Das Judenthum ist also ein Volk, eine Nation, auch eine politische Nation. Das einzige und ausschließliche, absolute Kriterium seiner Volksthümlichkeit, seines Nationales und seines politischen Charakters bleibt aber immer die von Gott geoffenbarte Thora, deren Diktat das Gesammt- und Einzelleben Israels unterworfen ist. Und wie es überhaupt keine menschliche Thätigkeit, ganz besonders im jüdischen Leben, gibt, welche nicht durch die Thora berührt würde, so bestimmt das Gottesgesetz auch das politische Betragen Israels sowohl im Rahmen des eigenen Staatenlebens, im Lande der Väter, wie in der Anbürgerung auf fremdem Boden. Und gerade durch das aus denk Gottesgesetz sich entfaltende Geistes- und Thatenleben. bleibt Israel auch in seiner Zerstreuung eine lebendige Nation. Für uns. die gesetzestreuen Juden, denen die Offenbarungen der Thora keine historischen Dichtungen sind, sondern wirkliche Wahrheiten, gilt als ewige Warnung das Gottesgericht, welches verkündet wurde, noch bevor Israel vom Lande der Väter Besitz genommen. „Daß Euch nicht das Land ausspeie, indem Ihr es unrein machet, wie es das Volk ausgespieen, das Euch vorangegangen." Nur unter dem Schutze jüdischer Gesetzestreue entfaltet dieser Boden eine wunderbare Blüthe. Aber auch andere Völker können in diesem Lande nicht zur Segensblüthe gelangen. „Das Land wird öde bleiben," sagt das untrügliche Thorawort, „und Eure Feinde, die es an Eurer Statt bewohnen, werden nickt gedeihen." Dies alles wäre in Erwägung zu ziehen, wenn der Zionismus in der That keinen anderen Zweck verfolgen würde, als die Gründung eines Judenstaates, oder einer öffentlichen, rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Wir haben aber nachgewiesen aus den programmatischen Erklärungen der Zionistenführer, und die Ergebnisse des jüngsten Kongresses haben es auch erhärtet, daß den offiziellen Leitern des Zionismus Palästina kein wesentliches Postulat ist. „Der Zionsgedanke soll nur als Vorspann wirken, als Zugkraft „von vorne", wie sich Nordau mit rührender Offenherzigkeit ausdrückt, und zu diesem Zwecke wird mit einem durch fünf Welttheile mit staunenswerther Großartigkeit funktionirenden Apparat das Prinzip aufgestellt: Israel ist eine Nation, ein Volk nach Gattung aller übrigen Kultur-Völker, dessen nationale Bedeutung nicht von der Thora bedingt, nicht auf dem ewige» Fundamente der Thora erbaut ist, sondern in den üblichen politisch-ethnographischen Qualitäten sich erschöpft. Man könnte also ein dreizehnlöthiger Israelis ein patentirter Jude, ein vollblütiger Erez-Jisroel- Patriot sein, auch ohne Thora und ohne Mizwoth, und die Gesammtheit solcher Glieder würde das Judenthum. die jüdische Nation repräsentiren! Ein solches Unternehmen, und wenn es noch so ehrlich gemeint ist, involvirt eine prinzipielle Fälschung des hi st arischen Judenthums. Daß der Zionismus der Orthodoxie gegenüber wohlwollende Duldsamkeit verspricht, daß der Herr Rabbiner Roth mit prophetischem Blick die Weissagung verkündet, daß „selbst bei der einseitigsten Entwicklung des Judenthums nach nationaler Richtung hin, es nie dazu kommen kann, daß der nationale Gedanke den religiösen ganz (!!) verdrängen werde, daß diese Besorgniß nur die Ausgeburt einer viel zu überhitzten Aengstlichkeit ist," daß Herr Rabbiner Roth die gesetzeshöhnenden Auslassungen gewisser Zionisten und deren Organe als Privatangelegenheiten betrachtet und gerade von der Neubelebung des nationalen Gedankens eine Stärkung und Erkräftigung des gesetzestreuen Judenthums erwartet. (In Paranthese möcht' ich blos daran erinnern, daß wenn man in dieser Bewegung um jeden Preis meffianische Vorläufer erblicken will, man ebensogut die Maxime aufstellen kann: der Weg zur endlichen Erlösung Israels führe über eine Generation, die aus lauter Gesetzesabtrünnigen besteht. Beweis ist die bekannte Talmudstelle: «2 "in p p» 2"N 'bso iro «*?») alldies und noch vieles andere kann uns über die schmerzliche Thatsache nicht hinwegtäuschen, daß die treibende Kraft, die wirkliche Grundidee des modernen Zionismus, so hochachtbar auch ihre Vertreter sind, den wahren Lebensnerv des Judenthums gerade im Lager der Zionisten am meisten gefährdet. Nicht der Umstand, daß die Zionistenführer in ihrer praktischen Lebensführung das jüdische Religionsgeseh so gründlich kompromittiren, verhindert die gesetzestreuen Juden, sich der Bewegung anzuschließen, obwohl es ja in letzter Analyse nicht gleichgültig sein kann, ob die leitenden Männer irgend welcher Körperschaft die Satzungen derselben auch für sich als verbindlich anerkennen, sondern daß der Zionismus durch Proklamirung seiner Doktrin das historische, das gesetzestreue, das einzig wahre Judenthum in seinen Grundfesten erschüttert Hot. Nicht vom Standpunkte der Orthodoxie, geehrter Herr Rabbiner, vom Standpunkte des Judenthums müssen wir es tief beklagen, daß in der zionistischen Lebensanschauung dem jüdischen Volke

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