Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1904)
- Date
- 1904-06-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Mir Welt bekannt machen, daß ich nach den Verschwörern fahnde und den Entwichenen einfangen werde. Aber ich werde sie, wie man's den Nürnberger» nachsagt, erst hangen, nachdem ich sie habe. In Wirklichkeit werde ich aber meinen Arendar gar nicht suchen, sondern werde froh sein, wenn er sich niemals wieder einstellt." Jetzt schlug die Klosteruhr die elfte Nachtstunde. — Der Graf erhob sich, da er der Gräfin versprochen habe, vor Mitternacht zurück zu sein, um ihr die Entscheidung der Klosterherren zu überb ringen. Es werde ihr so gewiß wie ihm selber zur lebhaften Befriedigung gereichen, daß die maßgebenden Vertreter der Kirche den Schritt billigen. Mit dieser Versicherung verabschiedete sich der Graf und fuhr in scharfem Trab zurück. VI. Als Reb Mendel Troler mit Tusmenitz und Genossen unverrichteter Sache den Schloßhof verließen, vergaß der erstere nicht, dem neuen Schloßhüter einen blanken Doppelgulden für seine Bemühung in die Hand zu drücken. Dagegen vergaß er seinen werthvollen Pelz im Wartezimmer des Grafen; wenigstens gab er sich den Anschein, als ob er ihn von dort mitzunehmen vergessen habe. Er wußte, daß her Pelz dort nicht verloren geht und wollte auf diese Weise, sich eine Möglichkeit schaffen, noch einmal in's Schloß zurückzukehren. Vielleicht schickt auch der Graf den Pelz; möglicherweise läßt er, nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, gar den Eigenthümer noch einmal auf's Schloß kommen. Drei Tage , waren seitdem verstrichen, und. als weder Pelz noch Botschaft vom Grafen kam. fuhr Reb Mendel selber in's Schloß, angeblich um sein Eigenthum zurückzuholen, in Wirklichkeit aber, um über das Schicksal des Kindes möglicherweise Näheres zu hören. Denn es drückte die wackeren Männer ungemein schwer, daß durch eine von ihnen begangene Unachtsamkeit ein jüdisches Kind dem Judenthum., entfremdet werde« sollte. - Als Reb Mendel mit dem eisernen Thurklopfer drei Mal an das Thor pochte, öffnete ihm der alte Thorwart wieder, der ihm vorige Woche zuerst Einlaß gewährt hatte; „Herr Troler," sprach der Alte erschreckt, „macht um Himmelswillen, daß Ihr fortkommt, sonst seid Ihr und ich verloren. Der Herr Graf hat vor der versammelten Dienerschaft erklärt, er zahle jedem fünf Gulden, der einen Inden im Umfange des ganzen Schloßguts festhält und ihn dem Grafen abliefert. Dieser will dem so Betroffenen die Ohren abschneiden lassen. Dagegen wird jeder Angestellte sofort entlassen, der einen Jude» frei hier ein- und ausgehen sieht, ohne ihn zur Anzeige zu bringen. Also habt Einsehen und macht Euch und mich nicht unglücklich." Troler lachte. „Mein lieber Freund," erwiderte er leichthin, „ich will uns beide nicht unglücklich, sondern glücklich machen, und mit Euch fange ich an. Wollt Ihr die fünf Gulden beim Grafen für meine Festnehmung verdienen?" „Wo denkt der Herr hin!" erwiderte treuherzig der Alte. „Lieber würde ich betteln gehen, als Euch unglücklich machen; aber deßhalb gerade —" ..Das ist brav von Euch. Dafür, daß Ihr auf die fünf Gulden verzichtet, habt Ihr hier sechs. Jetzt aber sollt Ihr noch fünf Gulden verdienen, indem ich Euch bitte, nehmt mich fest und führt mich zum Grafen, und zwar sofort. Ihr wisset ja. ich habe wenig Zeit —" „Aber-" mehr brachte der Alte nicht heraus. „Thut nur. was ich Euch heiße, Ihr sollt's nicht bereuen. Ich habe nämlich meinen Pelz hier vergessen und wollte ihn mir holen. Das kann mir doch nicht meine Ohren kosten?" „Ah, der Pelz ist Euer, der oben'im Antichambre gesunden wurde? Der Herr. Graf vermuthete es sofort." (Fortsetz, folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Elontngs cad ©onnerota"8* jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Mau abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Ner vuchhandrl vrrkrhrk durch S. Sl rinackrr, Nripftg, Roßplatz Jß. — Inserate 25 Pfennig die viergrspaltene Nonpareille'eile ober deren Raum. Preis der Zeile im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband vra ^abraana für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Otark oder 16 Kronen österr., für'S Ausland 16 Mark, au die Spedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende »Kleine TluSgabe FC^acUt“ vier Wochen lang gratis und franco erhalten. 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